Ein Schützenfest verbindet – aber der gemeinsame Takt sollte nicht nur beim Marsch funktionieren
Alexander Bieseke
Bad Driburg feiert Schützenfest. Heute und morgen zeigt sich wieder das Bild, das vielen vertraut ist: Schützen, Vereine, Musikkapellen, Politik und Verwaltung ziehen gemeinsam durch die Straßen – im gleichen Takt, mit dem gleichen Ziel, Richtung Schützenhalle und Festplatz.
Es ist ein schönes Bild. Es steht für Gemeinschaft, Tradition und Zusammenhalt.
Denn eine Stadt braucht den gemeinsamen Takt nicht nur beim Festumzug, sondern vor allem im Alltag: bei schwierigen Entscheidungen, bei Diskussionen über die Zukunft und im Umgang mit den Fragen und Sorgen der Bürgerinnen und Bürger.
Die Erfahrung zeigt: Beim Schützenfest ist der Gleichschritt oft schnell gefunden. Beim politischen Alltag wird der gemeinsame Rhythmus manchmal schwieriger.
Aber vielleicht bleibt ja etwas vom Schützenfestgeist erhalten – nicht nur bis zum letzten Marsch oder bis zum letzten Tropfen.
Denn Zusammenhalt zeigt sich nicht nur beim Feiern. Er zeigt sich vor allem dann, wenn es darum geht, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Eine Woche voller Fragen und Diskussionen
Genau darum ging es in den vergangenen Tagen bei vielen Themen, die Bad Driburg bewegt haben.
Da war zunächst die Diskussion um die zunehmenden Hitzebelastungen und die Frage, wie eine Stadt mit solchen Herausforderungen umgeht.
Die Debatte um einen Trinkwasserbrunnen für die Innenstadt hat gezeigt, dass es unterschiedliche Vorstellungen darüber gibt, was eine Kommune leisten sollte.
Ein dauerhaft zugänglicher, barrierefreier Trinkwasserbrunnen wäre ein sichtbares Zeichen für Vorsorge und Klimaanpassung gewesen. Die nun angeregte Alternative einer Wasserausgabe über den Werbering mag kurzfristig unterstützen – wirft aber auch Fragen auf: Wer organisiert die Ausgabe? Wann wird sie angeboten? Wo wird das Wasser gelagert? Und erreicht das Angebot wirklich diejenigen, die es besonders benötigen?
Die eigentliche Frage dahinter lautet: Reagieren wir nur auf einzelne Hitzetage – oder entwickeln wir langfristige Lösungen für eine Zukunft, in der extreme Temperaturen häufiger werden?
Bürgerengagement verdient Vertrauen
Ein Blick über die Stadtgrenzen hinaus zeigt, welches Potenzial in einer engagierten Bürgerschaft steckt.
In Leipzig haben während der vergangenen Hitzeperiode Bürgerinnen und Bürger freiwillig geholfen, Straßenbahnschienen von aufgeweichtem Material zu befreien, damit der Verkehr wieder funktionieren konnte. Menschen haben nicht gefragt, wer zuständig ist – sie haben angepackt.
Solches Engagement ist ein starkes Zeichen für Gemeinschaft.
Aber es ist auch ein Auftrag an Politik und Verwaltung: Wer Bürgerinnen und Bürger zum Mitmachen ermutigt, muss ihnen auch mit Offenheit begegnen.
Es ist ein Geben und Nehmen.
Menschen, die sich engagieren, Fragen stellen oder Verbesserungsvorschläge machen, erwarten keine Sonderbehandlung. Sie erwarten Transparenz, nachvollziehbare Entscheidungen und einen offenen Dialog.
Besonders lobenswert sind die zahlreichen Umbauten der Dorfgemeinschaftshäuser, wie in Alhausen, Kühlsen und Herste, die durch das ehrenamtliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger vor Ort ermöglicht werden. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag dazu, die Dörfer noch lebens- und liebenswerter zu gestalten.
Barrierefreiheit beginnt mit Informationen
Auch das Thema Inklusion spielte in dieser Woche erneut eine Rolle.
Ein Ferienprogramm soll Kindern und Jugendlichen mit ihren Eltern/Großeltern schöne Erlebnisse ermöglichen. Doch Teilhabe beginnt bereits bei der Information. Wenn nicht klar erkennbar ist, ob Angebote barrierefrei zugänglich sind, bleiben Familien mit besonderen Bedürfnissen im Ungewissen.
Barrierefreiheit ist mehr als bauliche Maßnahmen. Sie beginnt mit Kommunikation, mit Aufmerksamkeit und mit dem Willen, niemanden auszuschließen.
Gerade hier zeigt sich, ob Inklusion tatsächlich gelebt wird oder nur auf dem Papier steht.
Politische Diskussionen und Vertrauen
Für überregionale Aufmerksamkeit sorgte der Rücktritt von Beate Beck als Co-Vorsitzende der Bad Driburger SPD. Ihr Statement über die Facebook-Seite des Ortsvereins welcher sogar in der Tagesschau aufgegriffen wurde, erfolgte aus Unzufriedenheit mit der Landes- und Bundespolitik ihrer Partei.
Alte Fragen, neue Herausforderungen
Weitere Themen dieser Woche zeigen, wie viele langfristige Aufgaben vor Bad Driburg liegen.
Die Diskussion um den neuen Bahnhaltepunkt wirft die Frage auf, wie ernst es mit moderner Mobilität und einer besseren Anbindung der Stadt wirklich ist.
Die Dauerbaustelle am Rosenmühlenweg steht beispielhaft für die Herausforderungen kommunaler Infrastruktur. Für die Verwaltung geht es um Sicherheit, Kosten und technische Fragen. Für die Menschen vor Ort geht es um ganz praktische Wege im Alltag.
Gerade hier zeigt sich, wie wichtig kreative Zwischenlösungen und eine verständliche Kommunikation sind.
In diesem Sinne wünsche ich den Teilnehmenden des Schützenfestes 2026 ein fröhliches beherztes Schützenfest.