Nach extremer Hitzewelle rücken neue Ideen in den Fokus
Alexander Bieseke
Bad Driburg. Die außergewöhnliche Hitzewelle der vergangenen Woche hat vielerorts gezeigt, wie stark anhaltende Temperaturen von weit über 30 Grad den Alltag beeinträchtigen können. Tropische Nächte mit Temperaturen über 20 Grad erschwerten den Schlaf, insbesondere für ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und chronisch Kranke. Bundesweit war die Nachfrage nach Klimageräten und Ventilatoren zeitweise so groß, dass solche Modelle im Handel derzeit vergriffen sind.
Auch Bad Driburg blieb von den hohen Temperaturen nicht verschont. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie sich die Kurstadt besser auf künftig häufiger werdende Hitzeperioden vorbereiten kann.
Während die Ratsfraktion der GRÜNEN aktuell die Installation eines öffentlichen Trinkwasserspenders in der Fußgängerzone beantragt hat, hatte der gemeinnützige Verein pro barrierefrei – Bad Driburg e.V. bereits 2024 zuvor konkrete Maßnahmen gegen die zunehmende Hitzebelastung angeregt.
Reise nach Wien liefert Denkanstoß
Den Anstoß gab eine Reise der Selbsthilfegruppe nach Wien 2024. Bei rund 36 Grad im Schatten erlebten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie stark sich eine Großstadt im Sommer aufheizen kann. Besonders positiv fielen die in der Innenstadt installierten Sprühnebelanlagen – sogenannte „Brumisateure“ – auf, die Passanten regelmäßig für eine spürbare Abkühlung sorgen.

Bild: pro barrierefrei e.V.

Noch während der Reise wandten sich die damalige Vorsitzende Inge Ernst und ihre Stellvertreterin Rosi Wolff in einem Schreiben an Bürgermeister Burkhard Deppe. Auf Grundlage von § 24 der Gemeindeordnung NRW regte der Verein an, vergleichbare Lösungen auch für Bad Driburg zu prüfen.
Sprühnebel und Trinkwasser als Bausteine
Der Verein schlägt vor, besonders hitzebelastete Bereiche der Innenstadt zu identifizieren und geeignete Standorte für Sprühnebelanlagen zu prüfen. Gleichzeitig soll die Stadtverwaltung mögliche Förderprogramme sowie geeignete technische Lösungen untersuchen. Nach Auffassung des Vereins profitieren davon nicht nur die Einwohnerinnen und Einwohner, sondern ebenso Kurgäste und Besucher.
In ihrem Schreiben heißt es:
«„Wir würden uns freuen, wenn unsere Anregung vom Rat umgesetzt wird, denn zur Daseinsvorsorge einer Kommune gehört auch, insbesondere empfindliche Bevölkerungsgruppen vor extremer Hitze zu schützen.“»
GRÜNE beantragen Trinkwasserspender
Mit ihrer aktuellen Pressemitteilung greifen nun die GRÜNEN das Thema ebenfalls auf. Sie beantragen einen öffentlichen Trinkwasserspender in der Fußgängerzone. Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste sollen dort kostenlos Trinkwasser zapfen oder ihre Flaschen auffüllen können. Neben einer Erfrischung an heißen Tagen soll dadurch auch Einwegplastik vermieden werden. Nach Angaben der Fraktion könnte das Vorhaben durch Fördermittel der Europäischen Union unterstützt werden.

Bild: GRÜNE
Klimawandel macht Hitzeschutz zur Daueraufgabe
Fachleute gehen davon aus, dass längere und intensivere Hitzeperioden künftig häufiger auftreten werden. Auch kleinere Städte wie Bad Driburg können dabei sogenannte Hitzeinseln entwickeln. Versiegelte Flächen, dichte Bebauung und fehlender Schatten sorgen dafür, dass sich Innenstädte deutlich stärker aufheizen als das Umland.
Neben Trinkwasserspendern und Sprühnebelanlagen setzen viele Kommunen deshalb auf zusätzliche Bäume, entsiegelte Plätze, begrünte Fassaden, Wasserflächen sowie schattige Aufenthaltsbereiche.
Unterschiedliche Vorschläge – gemeinsames Ziel
Chronologisch betrachtet brachte zunächst pro barrierefrei – Bad Driburg e.V. das Thema mit konkreten Vorschlägen für Sprühnebelanlagen in die öffentliche Diskussion. Nun legen die GRÜNEN mit ihrem Antrag für einen öffentlichen Trinkwasserspender einen weiteren Baustein zum Hitzeschutz vor.
Beide Initiativen verfolgen dasselbe Ziel: Bad Driburg besser auf extreme Sommerhitze vorzubereiten und die Aufenthaltsqualität für Bürgerinnen, Bürger und Gäste nachhaltig zu verbessern. Welche Maßnahmen letztlich umgesetzt werden, wird nun die Kommunalpolitik entscheiden.
Titelbild: Die Einkaufsstraße bei Hitze mit wenig Schatten (Fikton durch KI)