Sicherheit für Menschen mit Behinderungen bleibt auf der Strecke
Alexander Bieseke
Mehr Sicherheit für Menschen mit Behinderungen – dieses Ziel verfolgte eine Bürgeranregung von Thomas Cillessen aus Bad Driburg. Er hatte vorgeschlagen, auf der Landesstraße am Gewerbegebiet Süd die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 auf 70 km/h zu reduzieren. Der Kreis- und Finanzausschuss des Kreises Höxter lehnte den Vorschlag jedoch mehrheitlich ab, so eine Pressemitteilung von Martina Denkner von der Kreistagsfraktion der GRÜNEN in ihrer Pressemitteilung.
Dabei geht es nicht um irgendeinen Straßenabschnitt. Am Gewerbegebiet Süd befindet sich die INTEG, ein Unternehmen, in dem überwiegend Menschen mit Behinderungen beschäftigt sind. Zwar wurde vor wenigen Monaten eine neue Bushaltestelle direkt im Gewerbegebiet eingerichtet – ein wichtiger Schritt für mehr Sicherheit. Doch das Problem ist damit nicht vollständig gelöst.
Denn einige Buslinien halten weiterhin an der bisherigen Haltestelle an der Landesstraße. Für deren Fahrgäste bedeutet das nach wie vor, die stark befahrene Straße mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h überqueren zu müssen. Gerade für Menschen mit Behinderungen stellt dies ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar.
Trotz dieser Situation fand die Bürgeranregung keine Mehrheit. Lediglich SPD und GRÜNE stimmten für den Vorschlag. CDU, FDP, UWG und AfD lehnten ihn ab, so Denkner.
Das wirft Fragen auf: Wenn selbst an einem Standort, an dem täglich viele Menschen mit Behinderungen unterwegs sind, eine moderate Geschwindigkeitsreduzierung keine Mehrheit findet, welchen Stellenwert hat dann die Verkehrssicherheit tatsächlich?
Immerhin soll die Linienführung der Busse nun überprüft werden. Das ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Ob und wann sich dadurch tatsächlich etwas ändert, bleibt jedoch abzuwarten. Bis dahin müssen einige Beschäftigte die Landesstraße weiterhin unter unveränderten Bedingungen überqueren.
Die Entscheidung des Ausschusses dürfte bei vielen Betroffenen für Unverständnis sorgen. Denn eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h hätte den Verkehrsfluss kaum beeinträchtigt, hätte aber das Sicherheitsgefühl und möglicherweise auch die tatsächliche Sicherheit an dieser Stelle verbessert, so die Kreistagsfraktion.
