Ist die Diskussion wirklich vom Tisch? [Kolumne]

Wen soll der Wochenmarkt künftig erreichen?

Eine Kolumne von Alexander Bieseke

In der Debatte um die Zukunft des Bad Driburger Wochenmarktes eint alle Beteiligten ein Ziel: Der Markt soll erhalten bleiben. Darüber gibt es kaum Streit. Die Frage ist vielmehr, wie dieses Ziel dauerhaft erreicht werden kann.

Die Bad Driburger GRÜNEN haben dazu eine aktualisierte Umfrage unter Marktbeschickern sowie den bisherigen Besucherinnen und Besuchern vorgestellt. Das Ergebnis überrascht wenig: Die Mehrheit spricht sich für den Erhalt des bisherigen Standortes aus und wünscht sich zusätzliche Marktstände.

Das ist nachvollziehbar. Wer den Markt heute nutzt, hat sich auf die bestehenden Rahmenbedingungen eingestellt und bewertet sie überwiegend positiv. Eine Kommentatorin schreibt wörtlich: “Viele Driburger fanden den Wochenmarkt auf dem Platz hinter der Kirche besser. War irgendwie gemütlicher.”

Doch genau hier stellt sich eine entscheidende Frage: Reicht der Blick auf die bisherigen Nutzergruppen aus, um die Zukunft des Wochenmarktes zu gestalten?

Wer ausschließlich diejenigen befragt, die bereits regelmäßig kommen, erhält zwangsläufig Antworten aus ihrer Perspektive. Die eigentlich spannende Frage bleibt dabei unbeantwortet: Warum kommen viele Menschen überhaupt nicht auf den Wochenmarkt?

Was hält Berufstätige davon ab, den Markt zu besuchen? Warum nutzen viele Familien das Angebot nicht häufiger? Weshalb spielen Menschen aus den Ortsteilen oder Kurgäste als Kundengruppe bislang nur eine untergeordnete Rolle? Und welche Rahmenbedingungen müssten sich ändern, damit neue Besuchergruppen gewonnen werden können?

Vielleicht liegt die Herausforderung gar nicht in erster Linie beim Standort. Vielleicht sind die Marktzeiten nicht mehr zeitgemäß. Vielleicht fehlt es an Sichtbarkeit, an Attraktivität des Angebots oder an einer stärkeren Einbindung in das Stadtleben. Möglicherweise ist es eine Mischung aus allem.

Deshalb erscheint es sinnvoll, den Blick zu weiten. Neben den bestehenden Marktbeschickern und Stammkunden sollten auch diejenigen befragt werden, die den Markt bislang nicht nutzen. Denn wenn der Wochenmarkt wachsen und langfristig bestehen soll, braucht er nicht nur zufriedene Bestandskunden, sondern auch neue Kundinnen und Kunden.

In diesem Zusammenhang darf auch die Diskussion über alternative Standorte kein Tabu sein. Das bedeutet keineswegs, den bisherigen Standort infrage zu stellen oder eine Verlagerung zu fordern. Es bedeutet lediglich, unterschiedliche Optionen sachlich zu prüfen und ihre Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen.

Dabei geht es um ganz praktische Fragen: Gibt es ausreichend Strom- und Wasseranschlüsse? Auf dem gerade fertigen Rathausplatz dürfte davon auszugehen sein. Eine direkte barrierefreie Busanbindung wäre vorhanden. Ebenso Toiletten im offenen Rathaus. Lasst sich die Verkehrsführung organisieren? Ist die Erreichbarkeit gewährleistet? Rathaus, Apotheke, BioBauer, Sparkasse, Volksbank, Bäckerei alles im unmittelbarer Nachbarschaft.


Gerade in einer Kurstadt wie Bad Driburg sollte dieser Aspekt besondere Beachtung finden. Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen, Familien mit Kinderwagen, ältere Menschen und Kurgäste müssen den Markt ohne Hindernisse erreichen und nutzen können. Barrierefreiheit ist kein Nebenthema, sondern eine Grundvoraussetzung für Teilhabe.

Die Zukunft des Wochenmarktes entscheidet sich letztlich nicht daran, ob alles bleibt, wie es ist. Sie entscheidet sich daran, ob es gelingt, Menschen für den Markt zu begeistern, die heute noch nicht dort einkaufen.

Wer die Zukunft gestalten will, darf deshalb nicht nur die fragen, die bereits da sind. Er muss auch diejenigen in den Blick nehmen, die man erst noch gewinnen möchte.

Titelbild: So könnte ein Wochenmarkt auf dem zentralen Rathausplatz aussehen. KI-generiert

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