„Kurpark 2030“: Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff stellt Masterplan für Bad Driburg vor

Weichenstellung für die Zukunft

Alexander Bieseke

BAD DRIBURG.  Es war keine klassische Präsentation, sondern eine strategische Standortbestimmung. In einer Informationsrunde vor vollem Haus  informierten Vertreter der des Gräflichen Parks  die Stadtverordneten und die Verwaltung der Stadt Bad Driburg über die geplante Neuausrichtung des Projekts „Kurpark 2030“.

Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff
v.l. Johannes Stockmann, Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff und Christoph Graf von Oeynhausen-Sierstorpff

Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff, Resort-Geschäftsführer Volker Schwartz und Forstamtsleiter Johannes Stockmann legten dar, wie Bad Driburg in den kommenden Jahrzehnten als Gesundheits- und Tourismusstandort positioniert werden soll. Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff betonte zuvor die generationenübergreifende Bedeutung des Projekts zur Weiterentwicklung des Heilbades Bad Driburg. Als Vertreter der siebten Generation der Betreiberfamilie sieht er es als persönliche Verantwortung, das 245 Jahre alte Heilbad zukunftsfähig zu gestalten. Mit aktiver Beteiligung der achten und neunten Generation würde deutlich: Das Projekt sichert nicht nur die Familientradition, sondern prägt maßgeblich die Stadtentwicklung und die wirtschaftliche Zukunft Bad Driburgs.

Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand dabei weniger ein einzelnes Bauvorhaben als vielmehr ein langfristiger Masterplan: Private Investitionen von rund 30 Millionen Euro über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren, eingebettet in ökologische Ausgleichskonzepte, sporttouristische Angebote und eine klare wirtschaftliche Argumentation.

Volker Schwartz

Tourismus als wirtschaftliches Rückgrat der Stadt

Die wirtschaftliche Einordnung übernahm Volker Schwartz, Geschäftsführer des Gräflicher Park Health Balance Resort. Grundlage seiner Ausführungen war eine dwif-Studie, die die Bedeutung des Tourismus für Bad Driburg quantifiziert.
Demnach erzielte der Tourismus im Jahr 2015 einen Bruttoumsatz von 107,1 Millionen Euro. Rund 2.880 Menschen beziehen direkt oder indirekt ihr Einkommen aus diesem Sektor. Entscheidend für die kommunalpolitische Debatte: Tourismus ist kein Zuschussgeschäft für die Stadt. Im Gegenteil – laut Studie verbleibt ein positiver Effekt von rund 0,5 Millionen Euro jährlich im städtischen Haushalt.
Die zentrale Botschaft: Private Investitionen in den Kur- und Gesundheitsstandort entfalten eine Hebelwirkung für die gesamte Stadt – wirtschaftlich wie fiskalisch.


Golf, Sport und Alleinstellungsmerkmale

Ein Kernelement des Konzepts ist die Weiterentwicklung des Golfangebots. Schwartz begründete die geplante Erweiterung des Golfplatzes auf 27 Bahnen mit der Marktentwicklung: Der Golfsport wachse bundesweit weiter, zuletzt mit einem Mitgliederzuwachs von rund 1,3 Prozent.

Bad Driburg strebt dabei nicht irgendeine Erweiterung an, sondern eine Marktführerschaft in OWL. Das geplante Alleinstellungsmerkmal: ein Golfresort ohne trennende Straßen, unmittelbar fußläufig vom Hotel erreichbar – ein Konzept, das in dieser Form regional einzigartig wäre.

Ergänzt wird das Golfangebot durch einen Sportpark mit klarer Zielgruppe: Profimannschaften und leistungsorientierte Trainingslager. Vorgesehen sind:
● zwei FIFA-zertifizierte Naturrasenplätze ohne Tribünen,
● moderne Padel- und Tennisanlagen,
● Nutzungsschwerpunkt in den Sommermonaten Juli und August.

Ziel sei es, so Schwartz, Bad Driburg als überregionalen Sport-Hub zu etablieren und zusätzliche Gästeströme jenseits des klassischen Kurbetriebs zu generieren.

Johannes Stockmann

Forstwirtschaft 4.0: Waldumbau statt Waldverlust

Besonders sensibel erläutert wurde das Thema Wald. Forstamtsleiter Johannes Stockmann stellte klar, dass es sich bei den betroffenen Flächen überwiegend um Nadelholz-Aufforstungen aus den 1980er Jahren handelt – keine historisch gewachsenen Laubwälder.

Die Eckpunkte des forstlichen Konzepts:
● 1:1-Ausgleich für die benötigten rund 20 Hektar Fläche,
● Erstaufforstung von zusätzlich rund 14 Hektar Ackerflächen, die der Graf aus eigenem Besitz bereitstellt,
● Anlage klimastabiler Mischwälder nach wissenschaftlichen Standortempfehlungen, unter anderem mit Fokus auf die Traubeneiche,
● Vermeidung isolierter Waldinseln durch Anbindung an bestehende Forstflächen.

Das erklärte Ziel: Der Stadt Bad Driburg soll kein Quadratmeter Wald verloren gehen, gleichzeitig soll die ökologische Qualität der Forstflächen steigen.


Bürgernutzen und Änderungen gegenüber früheren Entwürfen

Die Referenten machten deutlich, dass frühere, teils umstrittene Planungselemente bewusst gestrichen wurden. Nicht mehr Teil des Konzepts sind:
eine Hängebrücke,
ein Aussichtsturm,
die sogenannte „Panorama Chaussee“.
Stattdessen setzt das Projekt auf sanftere, naturnahe Angebote:
eine „Windwiege“ als landschaftliches Erlebnis, ein Naturlehrpfad, ein über 9 Kilometer langer Rad- und Wander-Rundweg um Bad Driburg,
ein öffentlich zugänglicher Moorpfad.
Gerade diese Elemente wurden als klarer Mehrwert für die Bürgerschaft herausgestellt – unabhängig von touristischer Nutzung.

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Fragen und Diskussionspunkte zur Waldentwicklung, Radwege und Thermenhotel in Bad Driburg

In der anschließenden intensiven Fragerunde zeigten sich die Fraktionsvertreter interessiert, aber auch detailverliebt – von der Wasserautarkie bis zur Umleitung des Sachsenrings.


Waldumbau: Ackerflächen für den Naturschutz

Die wohl kritischste Nachfrage kam von Bernd Blome (GRÜNE), der auf die oft starre Haltung bei Waldumwandlungen hinwies.
Johannes Stockmann und Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff stellten klar, dass hier kein historischer Urwald weicht, sondern überwiegend Nadelholz-Aufforstungen der 80er Jahre.
Um die Genehmigungsfähigkeit sicherzustellen, stellt Graf von Oeynhausen-Sierstorpff ca. 14 Hektar eigener Ackerflächen zur Erstaufforstung bereit. Da diese Flächen direkt an bestehende Wälder angrenzen, entstehen keine isolierten „Waldinseln“, sondern ein zusammenhängendes, klimaresilientes Ökosystem mit Fokus auf die Traubeneiche.

1 Bernd Blome GRÜNE, 2 Peter Eichenseher AfD, 3 Hermann-Josef Koch FDP, 4 Nadine Nolte SPD, 5 Robert Sammert ÖDP, 6 Thomas Arens SPD, 7 Andreas Amstutz CDU

Auf Nachfragen zur Vernetzung der Moor-Standorte und zur Rolle der Therme  von Peter Eichenseher, AfD  gab es klare Worte. Die Verbindung von Moorerlebniswelt und Moorpark wird von Graf von Oeynhausen-Sierstorpff als strategisches Ziel verfolgt, sobald Förderbindefristen dies zulassen würden.
Vor einem Thermen-Hotel hingegen warnt Graf Oeynhausen-Sierstorpff eindringlich. Besonders vor den wirtschaftlichen Risiken eines reinen Thermen-Hotels. Mit einer potenziellen Auslastung von nur 7 % (statt notwendiger 60 %) drohe der Stadt ein finanzielles Fiasko. Sein Unternehmen bot jedoch explizit Unterstützung bei der Entwicklung tragfähiger Alternativkonzepte an.

Herman-Josef Koch, FDP äußert starke Unterstützung für das vorgestellte Projekt des Gräflichen Parks und fragt nach den Erwartungen an die zukünftige Zusammenarbeit mit der Stadt.
Das vorgestellte Projekt, insbesondere der Sportpark, wird als sehr ansprechend und wichtig für die Zukunft von Bad Driburg bewertet.

Die Möglichkeit, Trainingslager nach Bad Driburg zu holen, wird als großer Gewinn sowohl für den Gräflichen Park als auch für die Stadt angesehen, da die Teams Fans und Presse mitbringen und für längere Zeit bleiben.
Koch stellt die Frage, welche konkreten Erwartungen an die zukünftige Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Driburg geknüpft sind, wie diese aus Sicht des Gräflichen Parks aussehen könnte und welche Kooperationsformen für notwendig erachtet werden, um den Standort gemeinsam zu sichern.

Graf von Oeynhausen-Sierstorpff betont die zentrale Bedeutung einer engen und zügigen Zusammenarbeit zwischen Stadt und Gräflichem Park für die erfolgreiche Entwicklung des Standortes Bad Driburg. Anhand früherer Projekte wie „Naturpark Plus“ zeigt er auf, dass fehlende oder verzögerte politische Unterstützung Chancen mindern kann und große Vorhaben ohne Mitwirkung der Politik an ihre Grenzen stoßen.

Er nennt als weiteres Beispiel die gemeinsame Entwicklung im Bereich Energie und schlägt eine Kooperation zur Windkraftnutzung vor, die sowohl der Stadt als auch dem Gräflichen Park wirtschaftliche Vorteile bringen und die regionale Wertschöpfung sichern würde. Positiv hebt er bestehende Kooperationen, etwa beim Ausbau der Radwege, hervor und unterstreicht die Notwendigkeit offener Gespräche und neuer Wege, um den Standort gemeinsam weiterzuentwickeln.

Thomas Arens, SPD thematisiert die geplante Erweiterung des Kurparks und die damit verbundene Einfriedung des Geländes. Die Kurparkfläche soll von derzeit rund 60 Hektar auf etwa 160 Hektar anwachsen, wobei der bestehende Heilbadvertrag für die bisherigen 60 Hektar unverändert bestehen bleibt.

Der öffentliche Zugang zum Kurpark, etwa über den Dr.-Brandes-Weg, bleibt, so Graf von Oeynhausen-Sierstorpff grundsätzlich erhalten. Lediglich der Bereich der neuen Golf-Übungswiese muss aus Sicherheitsgründen für die Allgemeinheit gesperrt werden, da dort ein hoher Ballbetrieb stattfindet. Um den Zugang zum Wald weiterhin sicherzustellen, ist eine neue Wegeführung vorgesehen, die entweder um die Übungswiese herumführt oder eine Verbindung zum Mühlengrund in Alhausen herstellt.

Im Zuge dieser Neuordnung wird auch der bei Wanderern beliebte Sachsenring durch Graf von Oeynhausen-Sierstorpff angesprochen, der wegen der Übungswiese umgeleitet werden muss. Für die neue Streckenführung wurden verschiedene Varianten geprüft, unter anderem eine Einbindung in die Wegeführung von Alhausen oder in den neu entstehenden Rad- und Wander-Rundweg. Graf von Oeynhausen-Sierstorpff sieht darin die Chance, den Sachsenring insgesamt aufzuwerten und neu zu strukturieren.

Eine neue Wegeführung solle genutzt werden, um den Sachsenring touristisch verständlicher und „selbsterklärend“ zu gestalten. Die bislang historisch gewachsene Route durch Wohngebiete und entlang von Kreisstraßen wird als nicht mehr zeitgemäß bewertet und bietet aus seiner Sicht Potenzial für eine klare, attraktivere Neuordnung – auch mit Blick auf Gäste und Kurgäste.

Im Zuge der Kurpark-Erweiterung soll auch die Rad- und Wanderinfrastruktur neu gestaltet werden. Ein über neun Kilometer langer Rundweg soll Bad Driburg künftig noch besser für Radfahrer und Wanderer erschließen. Der Weg schließt an bestehende Rad- und Wanderwege an, unter anderem mit dem bereits fertig gestellten Fuß/Radweg Bad Driburg und Reelsen und dem noch zu bauendem Weg zwischen Reelsen und Alhazsen nördlich des Rosenbergs. Räder bleiben auch weiterhin innerhalb des Parks tabu, so Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff.

Arens wies des Weiteren darauf hin, dass ein bloßer 1:1-Ausgleich der Bäume den Verlust alter Bestände nicht wettmache. Der Sprecher bestätigte dies und erklärte, dass junge Ersatzbäume zwar die Fläche kompensieren, jedoch nicht die ökologischen Funktionen und den Wert der bestehenden, alten Bäume besitzen. Deshalb werde die Aufforstung gezielt mit klimaresilienten Laub- und Nadelbaumarten umgesetzt, um langfristig einen stabilen, ökologisch wertvollen Mischwald zu schaffen und die Qualität des Waldes für kommende Generationen zu sichern.

Andreas Amstutz (CDU) würdigte das Projekt „Kurpark 2030“ als bedeutende und unterstützenswerte Investition für Bad Driburgs Gesundheits- und Wirtschaftsstandort. Er betonte, dass die vorgestellten Pläne zeitgemäß und informativ seien und wesentliche Änderungen gegenüber früheren Konzepten aufzeigten.
Bad Driburg werde damit als Gesundheitsstandort von NRW-Rang („Champions League“) positioniert, der von den Synergien zwischen Kliniken, Tourismus, Tagesgästen und der lokalen Wirtschaft profitiere. Amstutz bezeichnete die Investition als bemerkenswert für eine Kommune dieser Größe und grundsätzlich unterstützenswert, auch wenn noch Detailfragen zu klären seien.

Robert Sammert (ÖDP) wies auf die besonderen Herausforderungen bei der Erstaufforstung auf ehemaligen Ackerflächen hin und betonte mögliche Probleme wie hohe Nährstoffgehalte und Bodenverdichtung.
Graf von Oeynhausen-Sierstorpff und Forstamtsleiter Johannes Stockmann erklärten, dass diese Standortprobleme durch die gezielte Auswahl geeigneter Baumarten, wie tiefwurzelnde Traubeneichen, erfolgreich ausgeglichen werden können. Sie betonten, dass die Aufforstung auf Ackerflächen zwar anspruchsvoll sei, aus ökologischer Sicht jedoch sinnvoller als die Umwandlung wertvoller Wiesenflächen.
Zudem sichert das zuständige Forstamt eine fachlich fundierte Begleitung zu: Es unterstützt nicht nur genehmigend, sondern bringt aktiv seine Expertise ein, um die Umsetzung der Aufforstung fachgerecht und nachhaltig zu gestalten.

Wie geht es weiter? Auf Antrag von Nadine Nolte (SPD) wird es eine erneute Vor-Ort-Begehung geben. Die Stadtverordneten wollen sich im Gelände selbst ein Bild von den Dimensionen und der geplanten Wegeführung machen, bevor das Projekt in die nächste Entscheidungsphase geht.

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