Leser sendet Fotos vom 9. August – Identität des Tieres als „Linus“ nicht eindeutig verifizierbar
Alexander Bieseke
Bad Driburg. Nach dem Vorfall im Wildfreigehege des Gräflichen Parks hat sich ein weiterer Kurgast an die Redaktion von Bad Driburg im Blick gewandt. Der regelmäßige Besucher übersandte der Redaktion zudem zwei Fotos, die nach seinen Angaben am 9. August 2026 aufgenommen wurden.
Ob es sich bei dem darauf abgebildeten Hirsch tatsächlich um jenes Tier handelt, das mit dem Vorfall vom 22. August in Verbindung gebracht wird, beziehungsweise ob es sich um den in sozialen Medien als „Linus“ bezeichneten Hirsch handelt, lässt sich von der Redaktion nicht eindeutig verifizieren.
Der Kurgast berichtet, er habe den Hirsch in den vergangenen drei Wochen regelmäßig beobachtet. Nach seiner Wahrnehmung habe das Tier etwa eine Woche vor dem Vorfall verspätet seinen Bast abgefegt. Am Nachmittag des 22. August, also nach dem gemeldeten Unfall, habe er den Hirsch gemeinsam mit seiner Begleitung erneut beobachtet.
Dabei habe das Tier nach seiner Schilderung einen deutlich erhöhten Bewegungs- und Reibungsdrang gezeigt. Der Besucher schreibt, er und seine Begleitung hätten das Tier zu diesem Zeitpunkt im Gehege gefüttert. Der Hirsch habe versucht, sein empfindliches Geweih auch an den Beinen der beiden zu reiben. Sie hätten dieses Verhalten als natürliches Fegeverhalten wahrgenommen und sich deshalb ruhig aus dem Gehege zurückgezogen.

Der Kurgast kommt aufgrund seiner persönlichen Beobachtungen zu der Einschätzung, dass das Tier nicht bösartig gewesen sei, sondern sich möglicherweise aufgrund des Geweihwechsels und einer besonderen Situation im Bereich der Einfriedung auffällig verhalten habe.
Diese Einschätzung ist allerdings als persönliche Wahrnehmung des Besuchers zu verstehen. Eine unabhängige fachliche oder veterinärmedizinische Bestätigung für einen Zusammenhang zwischen dem Geweihzyklus, einem möglichen Verfangen im Zaun und dem Angriff auf die 76-jährige Reha-Patientin liegt der Redaktion nicht vor.
Fotos zeigen den Hirsch noch mit Bast
Die beiden nun vorliegenden Aufnahmen seien nach Angaben des Kurgastes am 9. August entstanden. Auf ihnen sei der Hirsch nach seiner Einschätzung noch mit seinem vollständigen Bast zu sehen.
Der Besucher schreibt dazu sinngemäß, dass der Bast am 22. August nicht mehr vorhanden gewesen sei. Er bedauere den Ausgang der Geschichte ausdrücklich und kommt zu dem persönlichen Schluss:
„Meiner Meinung nach hätte das so nicht ausgehen müssen.“
Park bestätigt: Tier aus dem Rudel genommen
Der Gräfliche Park hatte auf Anfrage von Bad Driburg im Blick inzwischen bestätigt, dass sich im Wildfreigehege Hirsche und keine Rehböcke befinden. Das Tier, das mit dem Vorfall vermutlich in Verbindung stehe, sei vorsorglich aus dem Rudel genommen worden. Das Verhalten der übrigen Tiere werde weiterhin aufmerksam beobachtet.
Was genau mit dem betreffenden Tier anschließend geschehen ist, bleibt nach dieser Auskunft offen.
Auch der Name „Linus“, der in sozialen Netzwerken für das Tier verwendet wird, konnte bislang nicht unabhängig bestätigt werden.
Hinweis der Redaktion: Die von dem Kurgast übermittelten Fotos werden mit seiner Zustimmung veröffentlicht. Sie dienen der Dokumentation seiner Beobachtung. Eine eindeutige Identifizierung des abgebildeten Tieres als das am 22. August mutmaßlich beteiligte Tier ist nicht möglich.
Ich kann bestätigen, dass es sich bei den Fotos um Linus handelt. Ich bin regelmäßig im Kurpark, füttere die Rehe, habe auch die Besitzerin des Tieres kennengelernt, die mir sagte, sie habe händeringend einen Park gesucht, wo das Tier artgerecht untergebracht wird. Sie verweilte Anfangs auch lange im Gehege, um zu beobachten, wie die Tiere sich untereinander verhielten. Es war mit dem Park abgesprochen, dass Linus nicht getötet werden darf und er war bald eine Attraktion dort und kam auf Zuruf. Die Besitzerin besuchte ihren Nachwuchs jedes WE mit ihrem Partner und sie brachten für die Gruppe immer gutes Futter mit. Mir fiel die letzte Zeit auf, dass ich Linus eine Woche nicht sah, was merkwürdig war. Das letzte Mal, als ich ihn sah, kam er alleine und zu spät an, ich sagte ihm, dass ich leider keine Äpfel mehr für ihn hätte, streichelte ihn und er auf sich auf sich aufpassen solle. Zu der Zeit kamen schon oft Berichte von Pferden, die in vielen Ortschaften hier absichtlich verletzt wurden. Mir fiel auf, dass der Bast völlig blutig am Geweih hing. Am WE hatte ich auf eine weitere Begegnung mit der Besitzerin dort gehofft, ihr noch Kokosöl für das Geweih und eine selbstgemachte Lampe mit einem Hirschen mitgenommen. Leider waren weder Linus noch diese dort. Spät Abends rief mich meine Freundin an, es gäbe Gerüchte, man hätte Linus getötet, da er eine Besucherin angegriffen hätte. Was ich überhaupt nicht verstehe, denn Linus war nicht aggressiv und kein Besucher sollte in das Gehege gehen können. Ich war auch schonmal Abends dort, als beide Tore des Geheges vorne völlig offen stand. Ich machte es zu, legte Äste und Steine davor. Man konnte auch frische Reifenspuren entdecken. Im Normalfall sollte sowas bestimmt nicht geschehen. Der Förster sagte meiner Freundin, Linus wäre aus dem Gehege entfernt worden. Die ganze Sache hat einen ganz üblen Beigeschmack und Fehler wurden auf beiden Seiten gemacht. Das Tier hatte es von Anfang an nicht leicht und die Sache belastet auch die Frau, die Linus mit Liebe und der Flasche aufgezogen hat. Man weiß nichtmal, was jetzt genau stimmt und was man mit dem Tier gemacht hat. Werde weiter regelmäßig dorthin, die Herde kommt inzwischen sofort auf Anruf zu mir. Und ich werde alles sehr genau weiter beobachten. Mir ist es wichtig, diese Dinge zu erzählen. Die Geschichte von Linus kann man im WDR unter: “Ein Hirsch auf dem Sofa” sehen.