Gemeinsam unterwegs: Wanderung von Reelsen nach Pömbsen stärkt Leib und Seele

Doris Dietrich

 Bad Driburg/Reelsen/Pömbsen. Mit geschlossenen Augen standen die Wanderinnen und Wanderer in der St. Martinus Kirche in Reelsen. Gitarrenklänge erfüllten den Raum, bevor Pastor Ansgar Wiemers den Wandersegen sprach. Der Segen sollte in die Füße strömen – „Lass dich tragen“, in die Beine – „Wandere voller Zuversicht“, weiter in Bauch, Herz und Hände, bis schließlich der ganze Mensch von Kopf bis Fuß gestärkt wurde. Ein stiller und bewegender Auftakt für einen Tag, der ganz im Zeichen von Gemeinschaft, Natur und Glauben stand.

Die Wanderung von Reelsen nach Pömbsen war bereits die dritte Veranstaltung der Reihe „Den Sonntag be-gehen – Stärkung für Leib und Seele“, die Gemeindereferentin Mechthild Bange im Pastoralverbund Bad Driburg ins Leben gerufen hat. Nach dem Emmausgang am Ostermontag von Alhausen nach Bad Driburg und der Mittsommerwanderung von Bad Driburg nach Reelsen führte die aktuelle Etappe nun ins Bergdorf Pömbsen. Krankheitsbedingt konnte Mechthild Bange diesmal nicht teilnehmen. Pastor Wiemers übermittelte die guten Wünsche aller Teilnehmer für eine baldige Genesung.

Teilnehmer in der St. Martinus Kirche Reelsen
Angenehme Temperaturen, schattige Waldwege und gute Gespräche begleiteten die Wandergruppe auf ihrem Weg nach Pömbsen.
Im warmen Sonnenlicht zeigte sich auch die Natur von ihrer schönsten Seite.
Foto: Melanie Humborg

Ein Fahrdienst, organisiert von Anni Köhler und Melanie Humborg ermöglichte allen die Teilnahme. Menschen aus Bad Driburg, Reelsen und weiteren Orten waren der Einladung gefolgt. Unter ihnen befand sich auch eine Familie mit zwei Kindern.

Mit einem Schmunzeln schlug Pastor Wiemers vor, für diesen Tag das „Wander-Du“ einzuführen. Auf seine Frage, wer bereits zum zweiten oder sogar dritten Mal dabei sei, gingen einige Hände nach oben.

Bevor es losging, stellte Dr. Uwe Schicktanz die St. Martinus Kirche vor. Besonders das eindrucksvolle Deckengemälde zog die Blicke auf sich. Die Lesung übernahm Melanie Humborg, die die gemeinsamen Lieder während des Tages einfühlsam mit der Gitarre begleitete.

Pastor Wiemers erinnerte anschließend daran, dass die Wandergruppe heute ein Stück des Hölderlin-Weges gehen würde. Friedrich Hölderlin verbrachte im Spätsommer 1796 rund sechs Wochen in Bad Driburg – eine Zeit, die eng mit seiner Liebe zu Susette Gontard verbunden war, die er in seinen Werken „Diotima“ nannte. Diese Wochen bezeichnete der Dichter später als die glücklichsten seines Lebens. Noch heute erinnert der Hölderlin-Hain im Gräflichen Park an seinen Aufenthalt.

Nach dem Wandersegen machte sich die Gruppe auf den Weg. Vorbei am Heimkehrerkreuz führte die Route hinaus aus Reelsen in den schattigen Wald. Immer wieder eröffneten sich herrliche Ausblicke auf die sommerliche Landschaft. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite: angenehm warm, nicht zu heiß, dazu immer wieder kühlender Schatten unter den Bäumen. Mal ging es schweigend durch den Wald, dann entwickelten sich wieder lebhafte Gespräche. Gerade diese Mischung aus Bewegung, Natur und Begegnung machte den besonderen Reiz der Wanderung aus. Bergauf führte der Weg in Richtung Bad Hermannsborn. An einem Wegekreuz entstand das gemeinsame Gruppenfoto.

Eine willkommene Erfrischung bot das gepflegte Tretbecken in Pömbsen. Einige Teilnehmer nutzten die Gelegenheit zu einem kurzen Kneippgang. Die Anlage wird ehrenamtlich von Luzia und Günther Hanneke aus Pömbsen gepflegt.

Als gegen 13 Uhr das Bergdorf Pömbsen erreicht war, kündigten bereits die Glocken der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt das Ziel der Wanderung an. Trotz der Mittagssonne überwog die Vorfreude auf den Picknickgottesdienst unter freiem Himmel. Silvia Bendfeld und Christian Wiechert begrüßten die Gäste und gaben interessante Einblicke in die Geschichte der Kirche. Der Grundstein der heutigen Kirche wurde 1678 gelegt. Sie ist bereits der dritte Kirchenbau an dieser Stelle. Besonders beeindruckten die Barockorgel aus dem Jahr 1732 sowie die farbenprächtigen Kirchenfenster der Glasmalerei Peters aus den 1930er Jahren. Große Aufmerksamkeit fand auch das über 250 Jahre alte Kreuz, das bis heute Mittelpunkt der Karfreitags-Kreuztracht ist.

Mehrere Teilnehmer nutzten das gepflegte Tretbecken für einen kurzen Kneippgang.
Weite Felder, Strohballen und das auf der Anhöhe gelegene Pömbsen – dieses Panorama begleitete die Wandergruppe auf den letzten Kilometern ihres Weges.
Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Pömbsen
Pastor Ansgar Wiemers feierte den Picknickgottesdienst unter freiem Himmel.
Melanie Humborg begleitete einfühlsam auf der Gitarre.
Das gemeinsame Singen des „Magnificat“ wurde zu einem Höhepunkt.
Foto: Florian Loschnig

Friedrich Wilhelm Weber wurde in dieser Kirche 1813 getauft. Für einen besonders berührenden Moment sorgte eine Teilnehmerin, die erzählte, selbst in dieser Kirche getauft worden zu sein. Die Freude, an diesen Ort ihrer Kindheit zurückzukehren, war ihr deutlich anzumerken.

Um 13.30 Uhr begann auf dem Kirchplatz der Picknickgottesdienst. Auf Bänken, Stühlen und Decken nahmen die Besucher Platz. Inzwischen war die Gruppe auf rund 35 Teilnehmer angewachsen. Küster Hubert Tölle hatte alles vorbereitet.

Pastor Ansgar Wiemers erzählte, dass es seit vielen Jahren sein Wunsch gewesen sei, einmal in Pömbsen unter freiem Himmel Gottesdienst zu feiern. Schließlich sei Mariä Himmelfahrt die höchstgelegene Kirche des Pastoralverbundes Bad Driburg. Passend zum Gottesdienst ging er auch auf den Ursprung des Picknicks ein. Populär wurde es in England. Damals verlegten wohlhabende Familien ihre Mahlzeiten im Sommer ins Freie, wobei Bedienstete Speisen und Geschirr nach draußen brachten. Heute stehe ein Picknick vor allem für Gemeinschaft, Begegnung und das Teilen miteinander – genau das, was an diesem Nachmittag auf dem Kirchplatz gelebt wurde.

Die Lesung und die Fürbitten gestaltete Kordula Breker. Die musikalische Begleitung übernahm Melanie Humborg an der Gitarre. Ein besonderer Höhepunkt war das lateinische „Magnificat“. Auf Einladung von Pastor Ansgar Wiemers stellten sich alle Teilnehmer zu einem großen Kreis auf und fassten sich bei den Händen. Während des Gesangs gingen sie gemeinsam einige Schritte nach rechts, anschließend nach links und streckten schließlich mit dem letzten Vers ihre Hände zur Kreismitte aus. Dort saß Melanie Humborg mit ihrer Gitarre und begleitete den Gesang. Das eindrucksvolle Bild des großen Kreises spiegelte die Gemeinschaft wider, die den ganzen Tag geprägt hatte. Die Freude der Teilnehmer war dabei deutlich zu spüren.

Beim anschließenden Picknick wurde schließlich das gelebt, worum es an diesem Tag immer wieder gegangen war: Gemeinschaft. Die mitgebrachten Speisen wurden miteinander geteilt, man kam mit den Sitznachbarn ins Gespräch und ließ den Nachmittag in entspannter Atmosphäre ausklingen.

Die dritte Wanderung der Reihe „Den Sonntag be-gehen“ zeigte einmal mehr, wie bereichernd gemeinsames Unterwegssein sein kann. Mit vielen schönen Eindrücken machten sich die Teilnehmer wieder auf den Heimweg. Spontan erklangen zum Abschluss noch einige gemeinsam gesungene Lieder – ein fröhlicher Ausklang eines Sonntags, der seinem Motto auf besondere Weise gerecht wurde. Ein herzlicher Dank gilt allen, die zum Gelingen des Tages beigetragen haben.

Im Rahmen dieser Reihe findet am 4. Oktober die Erntedank-Wanderung von Pömbsen nach Langeland statt.

Titelbild: Mitten im Grünen versammelte sich die Gruppe am Wegekreuz zum gemeinsamen Erinnerungsfoto.
 

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