Vertrauen in den Staat auf historischem Tiefpunkt und was die dbb-Bürgerbefragung auch für Bad Driburg bedeutet
Alexander Bieseke
Berlin/Bad Driburg. Das Ergebnis der aktuellen dbb-Bürgerbefragung „Öffentlicher Dienst“ ist ein deutliches Warnsignal: Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Leistungsfähigkeit des Staates ist auf einen historischen Tiefstand gesunken. Nur noch 17 Prozent sind der Meinung, dass der Staat seine zahlreichen Aufgaben und Herausforderungen bewältigen kann, so der forsa-Gründer Professor Manfred Güllner (Titelbild) soeben bei der Pressekonferenz des Deutschen Beamtenbundes.
Diese Zahlen betreffen nicht nur Bund und Länder. Auch Kommunen wie die Stadt Bad Driburg stehen vor der Herausforderung, Vertrauen vor Ort zurückzugewinnen. Denn für viele Menschen zeigt sich die Leistungsfähigkeit des Staates nicht in Berlin oder Düsseldorf, sondern direkt vor der eigenen Haustür – im Rathaus, bei Behördenkontakten und bei der Bearbeitung von Bürgeranliegen.
Die Erwartungen der Bevölkerung sind klar: Verwaltung soll einfacher, schneller und digitaler werden. Gleichzeitig darf niemand ausgeschlossen werden. Gerade für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen bleibt der persönliche Kontakt zu einer erreichbaren Verwaltung unverzichtbar.
Für Bad Driburg bedeutet dies: Bürgernähe, Transparenz und Barrierefreiheit sind entscheidende Faktoren, um Vertrauen wieder aufzubauen. Eine moderne Verwaltung braucht digitale Angebote, aber ebenso verständliche Informationen, kurze Wege und offene Kommunikation.
Die dbb-Umfrage ist damit auch ein Auftrag an die kommunale Ebene: Staatliches Vertrauen entsteht dort, wo Bürgerinnen und Bürger erleben, dass ihre Anliegen ernst genommen und Lösungen umgesetzt werden.
Die Unzufriedenheit in der dbb Bürgerbefragung Öffentlicher Dienst 2026 konzentriert sich auf mehrere konkrete Bereiche.

Woher kommt der Vertrauensverlust?
1. Gefühl der Überforderung des Staates
Der größte Punkt ist die Einschätzung, dass der Staat seine Aufgaben nicht mehr ausreichend bewältigen kann:
Nur 17 Prozent glauben, dass der Staat seine vielfältigen Aufgaben und Probleme erfüllen beziehungsweise lösen kann.
79 Prozent sehen den Staat inzwischen als überfordert an.
Die Bürger nehmen also eine wachsende Lücke zwischen Erwartungen und tatsächlicher Leistungsfähigkeit wahr.
2. Soziale Sicherungssysteme und Rente als größtes Problemfeld
Bei der Frage, in welchen Bereichen der Staat überfordert ist, stehen 2026 besonders im Mittelpunkt:
● Soziale Sicherungssysteme und Rente: 26 Prozent
● Steuer- und Finanzpolitik: 18 Prozent
● Asyl- und Flüchtlingspolitik: 16 Prozent
● Soziale Gerechtigkeit: 14 Prozent
● Schul- und Bildungspolitik: 14 Prozent
● Gesundheitsversorgung: 13 Prozent
Gerade die steigende Sorge um Rente und soziale Sicherungssysteme hat deutlich zugenommen. 2025 nannten diesen Bereich 16 Prozent, 2026 bereits 26 Prozent.
3. Kritik an Verwaltung und Bürokratie
Ein zentraler Unzufriedenheitsfaktor ist die tägliche Erfahrung mit Behörden:
Die Bürger wünschen vor allem:
● weniger und einfachere Vorschriften: 86 Prozent
● kürzere Bearbeitungszeiten: 78 Prozent
● mehr digitale Behördendienstleistungen: 72 Prozent
● klarere Zuständigkeiten: 60 Prozent
Das bedeutet für Kommunen wie Bad Driburg: Lange Verfahren, komplizierte Formulare oder unklare Ansprechpartner können Vertrauen kosten.
4. Digitalisierung wird als nicht ausreichend wahrgenommen
Die Digitalisierung der Verwaltung wird kritisch bewertet:
● Durchschnittsnote für den Digitalisierungsstand: 4,0
Als Gründe für die langsame Entwicklung nennen Bürger:
● zu wenig Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Gemeinden: 69 Prozent
● zu hohe Datenschutzanforderungen: 59 Prozent
● mangelnder Veränderungswille innerhalb der Verwaltung: 55 Prozent
● fehlende IT-Fachkräfte: 54 Prozent
5. Sinkende Wahrnehmung der Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes
Auch die Verwaltung selbst wird kritischer gesehen:
● Nur 10 Prozent meinen, die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes sei in den letzten Jahren gestiegen.
● 51 Prozent sagen, sie sei geringer geworden.
Übertragung auf Bad Driburg
Für Bad Driburg bedeutet das nicht automatisch, dass die örtliche Verwaltung schlecht arbeitet. Die Umfrage bewertet den Staat insgesamt. Sie zeigt aber, welche Erwartungen Bürger heute an ihre Kommune haben:
➡️ schnellere Bearbeitung von Anliegen
➡️ verständliche Kommunikation
➡️ transparente Entscheidungen
➡️ digitale Angebote, die funktionieren
➡️ weiterhin persönliche Ansprechpartner
➡️ Barrierefreiheit bei Informationen und Dienstleistungen
Gerade auf kommunaler Ebene entscheidet sich, ob Bürgerinnen und Bürger den Staat als nah, lösungsorientiert und verlässlich erleben.