Gastbischöfe feiern Vorabendmesse in Bad Driburg

Doris Dietrich

Bad Driburg. Eine feierliche Bischofsmesse fand am 25. Juli in der Kirche „Zum verklärten Christus“ statt. Jedes Jahr werden zum Liborifest Bischöfe aus aller Welt nach Paderborn eingeladen, um gemeinsam das Fest des Heiligen Liborius zu feiern. Das Fest geht bis ins Jahr 836 zurück.

Zu den diesjährigen Gästen aus Äthiopien gehörten Bischof Abraham Desta, Apostolischer Vikar von Meki sowie Bischof Gobezayehu Getachew Yilma, Apostolischer Vikar von Awasa. Am Libori-Samstag reisten die beiden Bischöfe nach Bad Driburg, um dort die Vorabendmesse mitzufeiern. Zuvor hatten sie am Nachmittag in Paderborn an der feierlichen Erhebung der Liborius-Reliquien teilgenommen.

In der Kirche „Zum verklärten Christus“ fand die Bischofsmesse statt.
Bischofsmesse
Lied GL 840: „Sei gegrüßet, o Libori“ Klicken Sie auf das Bild um das Lied zu hören.

Der Besuch hatte auch einen sehr persönlichen Hintergrund. Beide Bischöfe waren eng mit dem gemeinnützigen Verein „Freunde Äthiopiens e. V. Bad Driburg“ verbunden, der 2011 von Editha und Friedhelm Henkst gegründet worden war. Friedhelm Henkst setzte sich über viele Jahre unermüdlich für Hilfsprojekte in Äthiopien ein. Viele Bad Driburger und auch Paderborner kannten Friedhelm Henkst in seinem grünen T-Shirt mit dem Aufdruck der Welthungerhilfe. Als Gründer des Vereins „Freunde Äthiopiens e. V. Bad Driburg“, der unter dem Dach der Welthungerhilfe arbeitete, war er mit seiner Sammeldose regelmäßig beim Liborifest, dem Annentag, auf Weihnachtsmärkten und in Einkaufspassagen unterwegs, um Spenden für die Menschen in Äthiopien zu sammeln. So konnten Schulen, Kindertagesstätten und weitere Projekte für die Ärmsten der Armen unterstützt werden. Auch der Bau einer Kirche in Äthiopien wurde durch die Unterstützung des Vereins ermöglicht.

Nach dem Tod von Friedhelm Henkst im April 2021 musste der Verein mangels einer Nachfolge aufgelöst werden. Vor Beginn der Messe am Samstag besuchten die beiden Bischöfe gemeinsam mit Angehörigen das Grab von Friedhelm Henkst auf dem Westfriedhof und gedachten seiner.

In der Bad Driburger Pfarrkirche wurden die beiden Gastbischöfe von Vikar Viktor Schefer und den zahlreichen Gottesdienstbesuchern herzlich willkommen geheißen. Zum Gottesdienst waren auch ehemalige Vereinsmitglieder, Freunde und Familienangehörige gekommen. Für Editha Henkst war es ein sehr bewegender Tag. Entsprechend groß war ihre Freude und Aufregung über den Besuch der beiden Bischöfe. August Barkhausen, ehemaliger 2. Vorsitzender des Vereins, freute sich auch auf diesen besonderen Gottesdienst.

Hoher Besuch in Bad Driburg. Vordere Reihe v. l.: Vikar Viktor Schefer, August Barkhausen, Bischof Gobezayehu Getachew Yilma, Apostolischer Vikar von Awasa, Editha Henkst sowie Bischof Abraham Desta, Apostolischer Vikar von Meki, hintere Reihe: Familie Henkst mit Sohn und Enkeln
Bischof Gobezayehu Getachew Yilma von Awasa im Gespräch mit Irmgard Menne
Vikar Viktor Schefer (links) im Gespräch mit Besucherin

Zu den Besuchern gehörten Mitglieder der Bad Driburger Stadtkapelle. Sie verbindet eine besondere Geschichte mit den Hilfsprojekten in Äthiopien. Bereits mehrfach hatte die Stadtkapelle Benefizkonzerte in Bad Driburg zugunsten der Projekte des Vereins „Freunde Äthiopiens e. V. Bad Driburg“ gegeben.

Im Herbst 2018 flogen 25 Musikerinnen und Musiker nach Äthiopien. Dort gestalteten sie musikalisch die Einweihung eines Hospizes sowie eines Kindergartens. Der Kindergarten ermöglicht es vielen Müttern vor Ort, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Aus Dankbarkeit erhielt die Einrichtung den Namen „Stadtkapelle“.

Am Samstag begrüßte Vikar Viktor Schefer im Gottesdienst die Gäste zunächst auf Englisch. Er erinnerte daran, dass das Erzbistum Paderborn jedes Jahr Bischöfe aus aller Welt nach Paderborn einlädt. Gleichzeitig würdigte er das jahrzehntelange Engagement von Editha und Friedhelm Henkst für die Menschen in Äthiopien. Gemeinsam stimmte die Gemeinde anschließend das Libori-Lied (GL 840) an. An der Orgel begleitete Organist Wolfgang Kappe den festlichen Gottesdienst und trug zur würdigen musikalischen Gestaltung der Feier bei.

Danach wandte sich Bischof Gobezayehu Getachew Yilma an die Gemeinde: „Liebe Freunde. Es ist eine große Ehre bei Ihnen zu sein. Möge die Seele von Friedhelm Henkst in Frieden ruhen.“ Die Predigt des Bischofs wurde von Vikar Schefer aus dem Englischen übersetzt und auf Deutsch vorgetragen. Darin griff der Bischof das Symbol der Steine auf, die für Sorgen, Krankheiten und persönliche Nöte stehen. Gleichzeitig erinnerte er an die Bedeutung des Heiligen Liborius. Dessen Reliquien wurden vor vielen Jahrhunderten von Le Mans in Frankreich nach Paderborn gebracht und begründeten die bis heute bestehende Freundschaft zwischen beiden Städten – die wohl älteste bestehende Städtepartnerschaft der Welt. Liborius sei bis heute ein Brückenbauer, der Menschen und Völker miteinander verbinde.

Die Fürbitten für die Lebenden und die Toten trug Anni Köhler vor. Nach der Kollekte betete die Gemeinde das Vaterunser gemeinsam auf Deutsch und Englisch – ein eindrucksvolles Zeichen der internationalen Verbundenheit.

Zum Abschluss der Messe bedankte sich Bischof Yilma mit herzlichen Worten: „Vielen Dank für diese heilige Messe. Ich bin dankbar für meine erste Messe auf Deutsch.“ Sein Dank galt Vikar Viktor Schefer und dem gesamten Pfarrteam ebenso wie Editha Henkst und August Barkhausen. Mit den Worten „God bless you and keep you well“ verabschiedete er die Gemeinde. Ein kräftiger Applaus folgte.

Auch Editha Henkst wandte sich anschließend an die Besucher. Sie lobte den Bischof für seine Worte auf Deutsch, dankte Vikar Schefer und allen für die würdevolle Gestaltung des Gottesdienstes und bat um eine Spende bei der Türkollekte. Der Erlös kommt bedürftigen Menschen in der Diözese Awasa in Äthiopien zugute. Viele Besucher folgten ihrem Aufruf und unterstützten die Sammlung großzügig.

Nach dem Gottesdienst nutzten viele Besucher die Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen mit den beiden Gastbischöfen, der Familie Henkst und Vikar Viktor Schefer. Bei sommerlichem Wetter herrschte vor der Kirche eine herzliche und ungezwungene Atmosphäre.

Zum Abschluss versammelten sich alle zu einem gemeinsamen Gruppenfoto. Die herzliche Verbundenheit zwischen den Gästen aus Äthiopien und der Bad Driburger Gemeinde war in diesem Moment auf besondere Weise spürbar und bildete einen schönen Ausklang eines bewegenden Abends.

Titelbild: Gemeinsam nach der Messe: Bischöfe und Besucher vor der Kirche.

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