Ein Haus, viele Geschichten – Lange Straße 86

Doris Dietrich

Bad Driburg. Die Geschichte des Hauses Lange Straße 86 ist untrennbar mit der Entwicklung des Bad Driburger Buchhandels verbunden. Über hundert Jahre war das Gebäude weit mehr als ein Geschäftshaus. Juwelier, Buchhändler, Eigentümer sowie unzählige Kunden und Besucher prägten diesen Ort.

Historisches Foto: Haus Heinemann
Archiv Meiners
Historisches Foto – Juwelier Krücke
Archiv Meiners

Nach einem Brand wurde das Haus zu einem Geschäftshaus umgebaut. Wilhelm Hagemann eröffnete am 17. November 1925 die Baldur-Drogerie. 1927 verlegte er sein Geschäft in das ehemalige Wohnhaus des Sanitätsrates Dr. Lünnemann.

Das Gebäude selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück. Eigentümer war u. a. Realschuldirektor Johannes Heinemann und später übernahm sein Sohn Hans-Peter Heinemann das Gebäude.

Der aus Nieheim stammende Uhrmachergeselle August Krücke heiratete im November 1924 Josefine Abthoff, die Tochter eines Nieheimer Juweliers. Bereits einen Monat später eröffnete er in Bad Driburg in der Schulstraße 23 gegenüber der Volksschule ein Juweliergeschäft als Filiale der Firma Franz Abthoff. August Krücke übernahm das Geschäft. Später wechselte das Geschäft in die Lange Straße 86. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen in „August Krücke und Sohn“ umbenannt. Über viele Jahrzehnte prägte Franz Krücke mit dem traditionsreichen Juweliergeschäft das Bad Driburger Geschäftsleben. Seit 1990 führten Thomas und Birgit Krücke das Geschäft unter dem Namen „Juweliergeschäft Franz Krücke KG“ weiter. 2008 verlegten sie ihr Geschäft in die Lange Straße 82. Geschäftsinhaberin ist heute Birgit Krücke.

Brückenbuchhandlung Karl Brinkmöller
Archiv Meiners
Gernot Messarius (links) überreichte 1975 seinen Bildband über Bad Driburg dem Bürgermeister Josef Kremeyer.
Archiv Messarius

Im Jahr 1950 eröffnete Heinrich Brinkmöller neben dem Juwelier Krücke seine „Brückenbuchhandlung“. Der Name geht auf die Brücke über den Katzolhbach zurück, der damals noch offen durch die Lange Straße floss.

In den 1960er Jahren wurde das Gebäude bei einem Brand zerstört. Doch bereits kurze Zeit später entstand an gleicher Stelle ein Neubau, sodass die Buchhandlung und der Juwelier ihren Betrieb ohne lange Unterbrechung fortsetzen konnten.

Karl Brinkmöller hatte auch in der Schulstraße ein Geschäft.

Danach übernahm der Bruder Heinrich Brinkmöllers, Karl Brinkmöller, die Buchhandlung. In der Schulstraße führte er weiterhin sein Geschäft „Kunsthandel Schreibwaren Buchbinderei“. Über viele Jahre beschäftigte er sich intensiv mit der Geschichte der jüdischen Bevölkerung Bad Driburgs. 1988 veröffentlichte er die Dokumentation „Jüdische Bürger in Bad Driburg“.

Mit der Aufgabe der Buchhandlung in der Langen Straße 86 endete das erste Kapitel. Wenig später wurden die Geschäftsräume neu vergeben. Durch einen Hinweis in der „Deutschen Buchhändler-Zeitung“ erfuhr Gernot Messarius aus Gütersloh im Jahr 1975, dass das Ladenlokal frei geworden war.

Gernot Messarius wurde 1935 in Hamburg geboren und wuchs in Berlin auf. Vor seiner Selbstständigkeit war er 17 Jahre für den Bertelsmann Verlag tätig. Parallel machte er sich als Reisebuchautor einen Namen. Sein Bildband über Bad Driburg verkaufte sich rund 3000-mal. Außerdem veröffentlichte er mehrere Reiseführer z. B. über das Fichtelgebirge sowie den Bayerischen Wald.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Margret entschloss er sich, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Am 13. September 1975 eröffnete die „Kurbuchhandlung – Gernot Messarius“ ihre Türen. Mit einem Sortiment von rund 10 000 Büchern begann zugleich ein neues Kapitel der langen Tradition in Bad Driburg.

Gernot Messarius erinnerte sich: „Zur feierlichen Eröffnung begrüßten wir zahlreiche Gäste, unter ihnen Bürgermeister Josef Kremeyer. Gleichzeitig veranstalteten wir eine Tombola zugunsten des neuen Bad Driburger Hallenbades. Der Erlös von 400 DM kam dem Hallenbadförderungsverein Bad Driburg zugute. Den Scheck überreichte ich an den Vereinsvorsitzenden Dr. med. Pape. Mit der Spende konnten die letzten Verschönerungsarbeiten am neuen Hallenbad finanziert werden, das kurze Zeit später der Öffentlichkeit übergeben wurde.

Schon bald entwickelte sich die Kurbuchhandlung zu einem kulturellen Treffpunkt. Autorenlesungen, Buchvorstellungen und persönliche Begegnungen gehörten zum festen Programm. Zu den prominenten Gästen zählte unter anderem der Theaterschauspieler Will Quadflieg. Sein Sohn Christian war Schauspieler und bekannt durch die TV-Serie „Der Landarzt“.

Bereits zum 1. Juli 1977 übergab Gernot Messarius seine Kurbuchhandlung an Hannelore Nölke aus Köln. Sie führte die Buchhandlung fast zehn Jahre weiter. Zum 1. Januar 1987 übergab sie das Geschäft an ihre Angestellte Bettine Saabel.

Buchhandlung Saabel ⬆️ ⬇️

Mit dem Inhaberwechsel erhielt das Geschäft den Namen „Buchhandlung Saabel“. In den folgenden 36 Jahren entwickelte Bettine Saabel die Buchhandlung zu einer festen kulturellen Institution Bad Driburgs. Weit über die Stadtgrenzen hinaus war sie für Autorenlesungen und Veranstaltungen zur Leseförderung bekannt. Im Mai 1987 begann Gunnar Fehling bei „Buchhandlung Saabel“ seine Ausbildung zum Buchhändler.

Mit dem Umbau der Buchhandlung Saabel in der Langen Straße 86 im Jahr 2008 begann ein weiterer Abschnitt in der Geschichte des Hauses. Die kleinen Verkaufsflächen des Juweliergeschäftes und der Buchhandlung wurden miteinander verbunden. Trotz der laufenden Bauarbeiten blieb das kulturelle Leben der Buchhandlung nicht stehen. Selbst mitten in der Umbauphase fand 2009 eine Autorenlesung statt. Im Frühjahr desselben Jahres konnte die modernisierte und deutlich vergrößerte Buchhandlung feierlich wiedereröffnet werden.

Bettine Saabel (rechts) übergibt an Daniela Illgner
Das Team der Buchhandlung Saabel verabschiedete im Mai 2024 Gunnar Fehling. (v. l.): Gabriele Striewe, Bettine Saabel, Gunnar Fehling, Sonja Schreier, Anna Huysmans, Daniela Illgner und Christiane Schunicht.

Ende 2022 übergab Bettine Saabel nach 36 Jahren die traditionsreiche Buchhandlung an ihre Mitarbeiterin Daniela Illgner. Im Januar 2025 zog die Buchhandlung Saabel in die neuen Geschäftsräume an der Langen Straße 101 um. Damit endete nach 75 Jahren die Geschichte des Buchhandels in der Langen Straße 86.

Doch schon wenige Monate später begann für das Haus ein neues Kapitel. Am 28. Juni 2025 eröffnete Gisa Sprenger dort das Café „Handgemachtes“. Mit Waffeln, Eis, Kaffee und hausgemachten Kuchen entwickelte sich das Café innerhalb kurzer Zeit zu einem beliebten Treffpunkt.

Das Haus bleibt auch weiterhin ein Ort der Begegnung und Kultur. So wurden dort vor kurzem Kinderzeichnungen des Kunstkurses der Schule unter der Iburg ausgestellt. Unter der Leitung von Tatjana Beitans präsentierten die jungen Künstler ihre farbenfrohen Werke einer interessierten Öffentlichkeit.

Café Handgemachtes im Dezember 2025
Gisa Sprenger erfüllte sich mit ihrem Café Handgemachtes einen Traum.
Die jungen Künstler mit Kursleiterin vor dem Café Handgemachtes. (v. l.) Luise, Karla, Amelie, Finley, Tatjana Beitans, Olivia und Lea.

„Bad Driburg im Blick“ bedankt sich bei allen, die mit Erinnerungen, Informationen und Bildmaterial zum Entstehen dieses Beitrags beigetragen haben.

Ein besonderer Dank gilt Gernot Messarius. In einem Telefongespräch im Frühjahr 2026 erinnerte sich der heute 91-Jährige an seine Zeit als Buchhändler in Bad Driburg und stellte darüber hinaus Fotografien, Zeitungsberichte und Dokumente aus seinem privaten Archiv zur Verfügung.

Ebenso danken wir Gunnar Fehling sowie Birgit und Johannes Krücke, die den Beitrag mit zahlreichen Informationen und persönlichen Erinnerungen bereichert haben. Hubert Meiners danken wir herzlich für die Fotos.

Dieser Artikel wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Für hilfreiche Informationen und Ergänzungen ist die Redaktion dankbar.

Schreibe einen Kommentar