Bahnchaos auf der Eggebahn – Wenn Unzuverlässig-keit zum Alltag wird

Verspätungen, Ausfälle bei Bus und Bahn und Frust bei Fahrgästen

Alexander Bieseke

Bad Driburg/Paderborn/Göttingen/Kreiensen. Die Meldungen über Störungen auf der Bahnstrecke zwischen Paderborn, Altenbeken, Ottbergen, Bad Driburg und Göttingen bzw. Kreiensen erreichen unsere Redaktion inzwischen fast täglich. Was früher eine Ausnahme war, gehört für viele Pendlerinnen und Pendler mittlerweile zum Alltag.

Am gestrigen Samstag zeigte sich erneut, wie störanfällig der Bahnverkehr in der Region ist. Ein Zug der NordWestBahn verspätete sich zunächst nur um wenige Minuten. Später blieb er jedoch rund 40 Minuten im Bahnhof Bad Driburg stehen. Ursache war nach Informationen aus dem Zug eine technische Störung, möglicherweise im Zusammenhang mit einem Kupplungsvorgang in Ottbergen.

Kupplungsvorgang
Die NordWestBahn erreicht Bad Driburg aus Brakel.

Nachdem die Fahrt wieder aufgenommen werden konnte, kam es zu weiteren Verzögerungen. Die Bahnübergänge an der Brakeler Straße und der Gräfin-Margarete-Allee mussten durch den Triebfahrzeugführer manuell entsichert werden. Der zusätzliche Aufwand kostete weitere Zeit und sorgte nicht nur beim Zugpersonal, sondern besonders bei den Fahrgästen für Unmut, da Anschlussverbindungen gefährdet wurden.

Auch die Situation an den Bahnhöfen sorgt weiterhin für Kritik. Am Paderborner Hauptbahnhof fiel erneut der erst im Rahmen des Umbaus erneuerte Aufzug zur Unterführung aus. Gerade für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, ältere Reisende oder Familien mit Kinderwagen ist dies eine erhebliche Einschränkung.”Der fällt alle zwei Tage aus”, so ein Vielfahrer.

Hinzu kommen regelmäßig defekte Toiletten schon am Vormittag in den Zügen. Der Hinweis „Out of Order“ ist für viele Reisende inzwischen ein bekanntes Bild – eine zusätzliche Belastung gerade auf längeren Strecken und bei Großveranstaltungen wie Libori oder dem Annentag.

Am Abend gegen 18.53 Uhr sollte die NordWestBahn in Paderborn wieder mit den vorgesehenen Zugteilen verkehren. Der Zugteil Richtung Göttingen wurde jedoch nicht eingesetzt. Nach Aussage vom Zugpersonal standen keine fehlerfreien und einsatzbereiten Fahrzeuge zur Verfügung. Für zahlreiche Reisende bedeutete dies erneut längere Wartezeiten und Enttäuschung.

Der Aufzug zu den Gleisen 1-5 in Paderborn streikt regelmäßig
S30 während Libori ausgefallen.  Grund – unbekannt!
Ein Bus im Einsatz, der seine besseren Tage bereits erlebt haben dürfte.

Auch der Busverkehr sorgte am Wochenende für zusätzlichen Frust. Bereits am Samstag fiel die von der Deutschen Bahn betriebene Schnellbuslinie S30 zwischen Bad Driburg und Paderborn um 18.02 Uhr vollständig aus. Für viele Fahrgäste bedeutete dies längere Wartezeiten und die Suche nach alternativen Verbindungen.

Am Sonntag setzte sich der negative Eindruck fort. Auf derselben Linie kam ein Bus eines beauftragten Verkehrsunternehmens aus Salzkotten zum Einsatz, dessen Zustand deutliche Mängel aufwies. Neben beschädigtem Mobiliar und einem ausgefallenen Kassensystem fehlte die digitale Fahrgastinformation vollständig – die Anzeigeeinheit für die Haltestellen war ausgebaut beziehungsweise abgeschraubt. Dadurch gab es weder eine Anzeige der nächsten Haltestellen noch automatische Haltestellenansagen. Auch die elektronische Zielanzeige an der Fahrzeugfront funktionierte nicht ordnungsgemäß. Statt das Fahrtziel und die Liniennummer anzuzeigen, war lediglich der Name des Busunternehmens zu sehen. Gerade für ortsunkundige Fahrgäste erschwerte dies die Orientierung zusätzlich. Zwar konnten die Fahrgäste aufgrund des defekten Kassensystems kostenlos mitfahren, doch der technische Zustand des Fahrzeugs und die fehlenden Fahrgastinformationen sorgten erneut für Kritik.

Siemens-Züge in Paderborn und Altenbeken warten auf ihre Überführung nach Israel

Besonders auffällig ist der Kontrast, dass an den Bahnhöfen Paderborn und Altenbeken derzeit mehrere neue Siemens-Züge auf ihre Auslieferung an einen Endkunden in Israel warten. Während moderne Fahrzeuge für den Export bereitstehen, kämpfen die Fahrgäste in der Region weiterhin mit Verspätungen, technischen Problemen und einer unzuverlässigen Infrastruktur.

Die Erwartungen der Menschen sind dabei klar: Sie verlangen keinen Luxus, sondern einen Bahnverkehr, der funktioniert. Pünktliche Züge, einsatzbereite und barrierefreie Fahrzeuge, funktionierende Aufzüge und eine verlässliche Infrastruktur müssen wieder selbstverständlich werden.

Es dürfte spannend bleiben inwieweit sich die Verkehrsorganisatoren, die Politik, vertreten durch den GRÜNEN Verkehrsminister Oliver Krischer aus Düsseldorf,  die beiden Landtagsabegeordneten Daniel Sieveke und Matthias Goeken, beide CDU und der designierte neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) in Berlin einer echten Verkehrswende annehmen.

Schreibe einen Kommentar