Zwischen Nachhaltigkeit und sozialer Realität
Alexander Bieseke
Bad Driburg/Kreis Höxter. Die Altkleidersammlung im Kreis Höxter gerät zunehmend an ihre Grenzen. Überfüllte Container, illegal abgestellte Müllsäcke und tonnenweise unbrauchbare Textilien bringen karitative Organisationen und Städte unter Druck. Nun schlagen der Kreis Höxter, Kommunen und Sammler Alarm – und appellieren an die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger.
Der Hintergrund klingt zunächst sinnvoll: Seit Anfang 2025 gilt eine EU-weite Pflicht zur getrennten Sammlung von Alttextilien. Wiederverwendbare Kleidung soll nicht mehr einfach im Restmüll landen, sondern recycelt oder weitergetragen werden. Doch genau diese Regelung sorgt offenbar vielerorts für Missverständnisse.
Denn offensichtlich verstehen manche Menschen unter „Altkleider“ inzwischen alles, was aus Stoff besteht – egal ob verschimmelt, zerrissen oder durchnässt. Die Folge: Container werden zunehmend mit Müll statt mit Kleidung gefüllt.
„Verschmutzte oder stark beschädigte Kleidungsstücke gehören ausdrücklich weiterhin in die Restmülltonne“, betont Hubertus Abraham vom Kreis Höxter. Dennoch landen offenbar immer häufiger unbrauchbare Textilien in den Sammelcontainern – zur Belastung für Hilfsorganisationen wie den DRK-Kreisverband Höxter, den Caritasverband Höxter oder den Malteser Hilfsdienst.
Besonders bitter: Was viele als „Spende“ verstehen, verursacht am Ende hohe Entsorgungskosten. Denn verschmutzte Kleidung kann weder weitergetragen noch sinnvoll recycelt werden. Sie muss aussortiert und teuer entsorgt werden – Kosten, die letztlich soziale Organisationen und Kommunen tragen.
Hinzu kommt ein weiterer Missstand: Immer häufiger werden Säcke einfach neben überfüllte Container gestellt. Regen und Feuchtigkeit machen die Kleidung innerhalb kürzester Zeit wertlos. Gleichzeitig zeigt sich an vielen Containerstandorten auch eine soziale Realität, die häufig übersehen wird: Die abgestellten Säcke werden regelmäßig von Menschen durchsucht, die nach brauchbarer Kleidung oder verwertbaren Gegenständen suchen. Zwischen Nachhaltigkeitsdebatte und Entsorgungsproblem wird damit auch sichtbar, dass Armut und soziale Not längst mitten in der Gesellschaft angekommen sind.

Zurück bleiben oft aufgerissene Säcke, verstreute Kleidung und vermüllte Standorte – zusätzlicher Aufwand für Städte, Bauhöfe und Hilfsorganisationen.
Der Appell aus dem Kreis Höxter ist deshalb eindeutig: In die Container gehört nur das, was man selbst noch guten Gewissens weitergeben würde. Alles andere ist keine Spende, sondern Müllentsorgung auf Kosten anderer.
Denn wenn sich die Situation weiter verschärft, könnte auch im Kreis Höxter das passieren, was andernorts bereits Realität ist: Die Einstellung von Altkleidersammlungen durch karitative Träger. Und das wäre am Ende ein Armutszeugnis für eine Wegwerfgesellschaft, die Nachhaltigkeit zwar gern fordert, Verantwortung im Alltag aber oft an der Containerklappe endet.
Titelbild: Mittlerweile übliches Bild