Wie raus aus dem Irrgarten?

Eine Begegnung mit Alexander Bieseke

Irrgarten vom Kunstobjekt „Kopf und Körper“ von Michael Sailstorfer aus fotografiert

Bad Driburg. (tk) Wir vom Team BDiB waren am gestrigen Sonntag einmal (wieder) im Gräflichen Park unterwegs. Bei strahlendem Sonnenschein trafen wir uns am zentralen Punkt im Park, dem Yin und Yang Brunnen im Heckengarten, mit Alexander Bieseke, Herausgeber und Redakteur von Bad Driburg im Blick.

In einem Interview wollten wir einmal seine Auffassung zum Streit zwischen der Stadt und dem Parkbetreiber Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff in Erfahrung bringen. An seinem Lieblingsort haben wir ihn und seine Pudeldame Lilly angetroffen.

Wir wollten einmal wissen, was ihm persönlich der Gräfliche Kurpark bedeutet?

Alexander ist mit seinen sechs Geschwistern in Bad Driburg aufgewachsen, verrät er uns. Seine Mutter, Bad Driburgerin, war unter Rabe-Caspar-Heinrich Graf von Oeynhausen-Sierstorpff, dem Großvater des heutigen Hausherrn tätig. Sein Vater (Berliner), vor dem Mauerbau in Ostberlin geflohen, ist dessen Onkel gefolgt, der seinerzeit als Stallmeister im gräflichen Unternehmen tätig war und hat selbst eine Anstellung im Gräflichen Betrieb aufgenommen.

Für den Driburger Redakteur bedeutet der Park selbst Heimat, Erholung und obendrein noch „fußläufige“ Erreichbarkeit. Um die Ecke sozusagen.

Auf die Frage, warum der Gräfliche Kurpark für Bad Driburg wichtig sei, betonte er, dass ein Kurbad ohne Park nicht vorstellbar sei. Seit über 240 Jahren hier verankert, sei diese gewachsene Struktur nicht mehr wegzudenken. Die Hauptatraktion würde wegfallen, sollten sich die Vertragspartner nicht einigen und somit den Ausgang aus dem „Irrgarten“ nicht finden.

Ihn auf die auf die schwierige finanzielle Situation zwischen Parkbetreiber und „Öffentlicher Hand“ angesprochen, (Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff hatte kürzlich der Stadt gedroht,
keinen öffentlichen Zugang mehr
zum Gräflichen Park zuzulassen, keinen Golfplatz und auch kein Thermalwasser für die Driburg Therme zur Verfügung zu stellen) ist auch er ratlos. So wie momentan wohl viele in der Kur- und Badestadt.

Selbst üihm als Bad Driburger fehlten einfach zu viele Informationen. Die, die er greifbar hat, sind oftmals sehr schwer erhältlich und nur durch intensive Recherche zugänglich. Er bezieht sich zum Beispiel auf das im September 2019 erstellte Gutachten zur Ermittlung einer angemessenen Pacht des Gräflichen Parks. Ein Baustein von weiteren zu prüfenden Kostenstellen. Hierin geht der von der Bezirksregierung Detmold als Prüfinstanz beauftragte Göttinger Sachverständige Dr. Jan-Christoph Friedrichs von einer Parkgröße von rund 48 Hektar aus und bewertet diese mit einem jährlichen Netto-Pachtzins von rund 173 000 Euro. Dieser Betrag dürfte nach Kenntnisstand von BDiB weit von den bisherigen Pachtzahlungen abweichen.
Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff fordert nun ohnehin von der Stadt rund weitere 500 000 Euro an Aufwandsentschädigung für die Unterhaltung des Gräflichen Parks. Bürgermeister Burkhard Deppe erklärte aber am vergangenen Donnerstag in der Ausschusssitzung, dass das Ergebnis mit der Bezirksregierung erläutert worden sei und dass der niedrigere Berechnungswert anzusetzen sei. Auch den wirtschaftlichen Schaden, der aus seiner Sicht von Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff mit dem zu Unrecht mit einem Aufnahmestopp belegte Marcus-Klinik entstanden ist, will er den Verantwortlichen in Rechnung stellen. Hinzu kommt noch die eh prekäre Situation durch die Coronakrise. Der Stadt dürften dadurch die Gewerbeeinnahmen wegbrechen, so Alexander. Und obendrauf kommt das seit Jahren stark subventionierte Thermalbad, welches seit Wochen auch keinerlei Umsätze erzielt. All das belastet den Bad Driburger Steuerzahler zusätzlich.

Das zusammen dürfe die Situation äußerst schwierig machen, ist sich Alexander sicher


Er wünscht sich erneut eine wirkliche offene und transparente Aussprache der Vertragspartner unter Einbeziehung der Driburger Bevölkerung. Nur unter Einbeziehung dieser, auch im Lichte der im Herbst anstehenden Kommunalwahlen, müsse den Bürgern nun endlich „reiner Wein“ eingeschänkt werden.

Was brauchen wir, wohin wollen wir, was genau bedeutet es für jeden Einzelnen der Stadt, was kann realistisch umgesetzt werden und wovon müssen wir uns wohlmöglich trennen?


Zurück zum Gräflichen Park und die Frage nach seinem Lieblingsplatz im Kurpark, betont er erneut den Heckengarten mit dem Yin und Yang Brunnen von Angela Conner, direkt hinter der Wandelhalle. Dieser bedeute ihm
Ruheoase, Stille und Abgeschiedenheit zugleich. Hier findet er die Möglichkeit zur Konzentration. Hier entstehen oftmals Ideen. Selbst Hündin Lilly freut sich stets, wenn es zum Brunnen geht.

Yin und Yang Brunnen von Angela Conner

Auf die Frage nach weiteren schönen Plätzen erwähnt er
den Irrgarten, den Rosengarten, den Hölderlinhain. Ententeich mit der Fontäne sowie das Wildgehege gehörten schon zu seiner Kindheit zum Standardprogramm beim familiären Besuch im Kurpark.

Welche Veränderungen im Gräflichen Kurpark er sich wünscht, wollten wir von ihm wissen.

Als Mitglied der Selbsthilfegruppe pro barrierefrei und mittlerweile selbst im Rollstuhl sitzend müsse er sich spätestens jetzt für Gleichberechtigung bei der Teilhabe interessieren.
Und da müsse der Parkbetreiber noch eine Schüppe Barriereabbau oben drauf legen. Gerade als Kurpark mit angrenzenden Kurkliniken, muss hier dringend nachgebessert werden.
Die Selbsthilfegruppe konnte bereits erfolgreich für den Einbau eines Behinderten WC plädieren. Hier hat Graf von Oeynhausen-Sierstorpff umgehend reagiert.
Allerdings ist sie kaum auffindbar, wie im übrigen überhaupt kein WC. Eine notwendige Beschilderung im gesamten Park fehlt schlichtweg. Auch seien manche Oberflächen der Wege in einem für Rollstuhlfahrer wenig geeigneten Zustand. Desweiteren vermisst er Automatiktüren z.B. zur Wandelhalle. Der Lesesaal ist für Rollifahrer nicht erreichbar und damit auch für diese Gäste nicht erlebbar.

Und, vielleicht wäre es auch einmal eine Überlegung wert, die Gastronomie breiter aufzustellen. Soll heißen Gastronomie für jeden Geldbeutel. Vielleicht kann man Kultur von A – Z definieren und gelegentlich auch einmal „Leichte Kost“ servieren? Vielleicht Events organisieren, die eine breitere Bevölkerungsgruppe anspricht? Bad Driburgs längste Frühstückstafel im Park z.B.. Auch Corona geht wieder vorbei. Oder, wie wäre es mal mit einem Weihnachtsmarkt im Kurgarten?
„Ich erinnere mich an das Freilichtkino vor Jahren beim Brunnenbetrieb, im übrigen mit meiner Mutter und den Geschwistern. Ein voller Erfolg. Stühle mussten noch herangebracht werden. Es waren damals über 700 Teilnehmer.“

Mittlerweile ist die Sonne hinter den Bäumen verschwunden.
„Aber sie kommt morgen wieder“ Glaub mir.“ Mit diesen Worten vom Erfinder von Bad Driburg im Blick, trennten sich unsere Wege.

Wir sagen vielen Dank.

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