„Komm ins Offene“ – Hölderlin-Rocktheater begeistert in Bad Driburg
Doris Dietrich
Bad Driburg/Lauffen am Neckar. Am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, lud die Diotima Gesellschaft Bad Driburg e. V. zu einem besonderen Kulturabend in den Theatersaal des Gräflichen Parks Health & Balance Resort ein. Mit dem Rocktheater „Komm ins Offene“ brachte ein Ensemble aus Hölderlins Geburtsstadt Lauffen am Neckar Literatur, Musik und Theater zusammen und ließ den Dichter auf ungewöhnliche Weise lebendig werden.
Begrüßt wurden die Gäste von Monika Sude, Vorsitzende der Diotima Gesellschaft. Ihr besonderer Gruß galt dem Hölderlin-Freundeskreis Lauffen e. V.. Ihren Dank richtete sie an die Volksbank Höxter mit dem VerbundVolksbank OWL eG, vertreten durch Filialleiter Matthias Gockeln, sowie an die Bad Driburger Touristik GmbH mit Geschäftsführerin Andrea Gründer.

Hölderlin und Bad Driburg – eine besondere Verbindung
Die Verbindung zwischen Friedrich Hölderlin und Bad Driburg reicht bis in das Jahr 1796 zurück. Hölderlin war damals als Hauslehrer bei der Familie Gontard in Frankfurt tätig und unterrichtete deren Kinder. In dieser Zeit verliebte er sich in Susette Gontard, die später unter dem Namen Diotima in seine Dichtung einging.
Als sich französische Truppen Frankfurt näherten, verließ die Familie die Stadt. Hölderlin begleitete sie als Hauslehrer. Über Kassel führte der Weg nach Driburg. Die unfreiwillige Flucht wurde für Hölderlin und Susette zu einer besonders intensiven gemeinsamen Zeit. Später bezeichnete Hölderlin seinen Aufenthalt in Driburg als eine der schönsten Zeiten seines Lebens.
Bis heute erinnern der Hölderlin-Hain mit seiner Osterglockenwiese und die Diotima-Insel mit der Diotima-Büste im Gräflichen Park an diese Verbindung. Bereits am Vormittag konnten die Gäste bei einer Führung durch den Park mit Bernhard Kornek aus dem Team der Bad Driburger Touristik die beiden Hölderlin-Orte kennenlernen.
Rockmusik statt verstaubter Klassiker
Wie aus dem Dichter Hölderlin ein Rocktheater wurde, erläuterte Götz Schwarzkopf aus dem Lauffener Ensemble. Ausgangspunkt war das Rockmusical „Hölder“, dessen Kompositionen zwischen 2017 und 2022 entstanden und das 2020 in Lauffen uraufgeführt wurde. Aus dem ursprünglich deutlich größeren Projekt mit rund 50 Mitwirkenden entwickelte sich für Bad Driburg eine konzentrierte Rocktheater-Version.
Der Titel „Komm ins Offene“ geht auf Hölderlins bekannte Worte „Komm ins Offene, Freund“ zurück und bezeichnet zugleich einen zentralen Rocksong des Musicals. Rund 15 Songs – von kraftvollen Rocknummern bis zur Piano-Ballade – verbanden sich mit Moderation, Projektionen und ausdrucksstarken Solisten. Begleitet wurde das Ensemble von der Band „Hölders Welt“ mit Gitarre, Bass, Piano, Schlagzeug und Gesang.
Im Mittelpunkt stand die Idee, Hölderlin nicht als „verstaubten“ Klassiker zu präsentieren, sondern als modernen Menschen und Denker. Freiheit, Freundschaft, Liebe, Revolution, Natur und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft verbinden dabei die Zeit Hölderlins mit der Gegenwart.
Auch die Schulen der Umgebung waren im Vorfeld über diese Veranstaltung informiert worden. Leider fand sich unter den Gästen nur ein Schüler – eine Resonanz, die angesichts des modernen Zugangs zu Hölderlin durchaus schade war.
Hölderlin als Mensch
Uwe Ehrenfeld gab ergänzende Einblicke in Hölderlins Leben und seine Zeit. Dabei wurde auch deutlich, wie eng bei Hölderlin Leben und Dichtung miteinander verbunden waren. So soll er viele seiner Gedanken beim Wandern entwickelt haben – sein Rhythmus und seine Schrittfolge fanden dabei ihren Weg in die Sprache und den Vers.
Auch der historische Hintergrund seiner Beziehung zu Susette Gontard wurde greifbar: Die beiden kannten sich bereits aus Frankfurt; die gemeinsame Zeit in Driburg wurde durch die Flucht vor den französischen Truppen zu einer besonderen und zugleich intensiven Lebensphase.
Hölderlin bewegte sich zudem in einem bedeutenden geistigen Umfeld seiner Zeit. Zu seinem Kreis gehörten unter anderem Hegel, Schelling, Schiller und Goethe.
Das Publikum dankte den Mitwirkenden mit langem Applaus. Besonders die musikalische Umsetzung und die Darstellung der Beziehung zwischen Hölderlin und seiner Diotima berührten die Besucher.
Eine Brücke zwischen Lauffen und Bad Driburg
Für die Diotima Gesellschaft hatte der Abend am Tag der Deutschen Einheit auch eine symbolische Bedeutung: Grenzen sollten aufgehoben und eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Lauffen und Bad Driburg geschlagen werden – fast 250 Jahre nach Hölderlins Geburt.
Zum Abschluss bedankte sich Monika Sude beim Ensemble und überreichte Götz Schwarzkopf ein Dankeschön.
Im anschließenden Gespräch gab Eva Ehrenfeld, langjährige Hölderlin-Expertin und Mitglied des Hölderlin-Freundeskreises Lauffen e. V., Einblicke in die Arbeit des Freundeskreises und die besondere Bedeutung Hölderlins für seine Geburtsstadt. Der 2011 gegründete Freundeskreis zählt rund 110 Mitglieder und widmet sich mit Vorträgen, Lesungen, Konzerten und Ausstellungen dem Leben und Werk des Dichters – mit einem besonderen Blick auf „Hölderlin als Mensch“.
So wurde „Komm ins Offene“ nicht nur zu einem außergewöhnlichen Musik- und Theaterabend, sondern auch zu einer Begegnung zweier Orte, die durch Friedrich Hölderlin bis heute miteinander verbunden sind.




Titelbild: Ensemble begeistert mit Rocktheater