Von Marokko nach Bad Driburg: Zwei junge Menschen starten ihre Zukunft in der Pflege

Internationale Pflegeausbildung wird auch in Bad Driburg konkret – carpe diem setzt auf Integration und Nachwuchsgewinnung

Alexander Bieseke

Bad Driburg. Der Fachkräftemangel in der Pflege ist längst keine abstrakte Zahl mehr. Auch in Bad Driburg stellt sich die Frage, wie Pflegeeinrichtungen künftig ausreichend qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen können. Einen Weg geht die carpe diem Gesellschaft für den Betrieb von Sozialeinrichtungen mbH: Das Unternehmen setzt verstärkt auf die Ausbildung junger Menschen aus dem Ausland.

Im Herbst beginnen bundesweit 27 junge Menschen aus Marokko ihre dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann in insgesamt acht Einrichtungen des Unternehmens. Zwei von ihnen werden ihre berufliche Zukunft in Bad Driburg beginnen.

Damit kommt internationale Pflegeausbildung auch in der örtlichen Pflegeversorgung an.

Ein weiter Weg für eine berufliche Perspektive

Für die jungen Menschen bedeutet der Schritt nach Deutschland weit mehr als einen Ausbildungsplatz. Sie verlassen ihre Heimat, ihre Familien und ihr gewohntes Umfeld, um sich hier eine berufliche Zukunft aufzubauen.

Ein Beispiel dafür ist die 23-jährige Marwa Afifi. Als sie vor einigen Monaten ihre Ausbildung zur Pflegefachfrau begann, waren Deutschland, die deutsche Sprache und der Pflegealltag zunächst völlig neu. Inzwischen versorgt sie Bewohnerinnen und Bewohner bereits mit wachsender Selbstverständlichkeit.

Auch moderne Technik kann dabei unterstützen. Eine digitale Sprachdokumentation per Smartphone ermöglicht es, Beobachtungen und Pflegemaßnahmen direkt per Spracheingabe festzuhalten. Gerade für internationale Auszubildende kann dies eine zusätzliche Hilfe sein, weil sie den Arbeitsalltag erleichtert und gleichzeitig Sicherheit im Umgang mit der deutschen Fachsprache vermittelt.

Afifi gehört gemeinsam mit drei weiteren jungen Frauen aus Marokko zu den ersten internationalen Auszubildenden des Unternehmens. Die bisherigen Erfahrungen haben carpe diem darin bestärkt, diesen Weg fortzusetzen.

Zwei neue Auszubildende für Bad Driburg

Mit den beiden kommenden Auszubildenden erhält auch der Standort Bad Driburg Verstärkung aus Marokko.

Für die Einrichtung bedeutet dies zunächst Investition und Verantwortung. Internationale Ausbildung funktioniert nicht allein dadurch, dass junge Menschen nach Deutschland kommen. Sprache, fachliche Ausbildung, persönliche Begleitung und Integration müssen zusammenspielen.

Genau darauf setzt carpe diem nach eigenen Angaben bereits vor der Ankunft der Auszubildenden.

In Marokko werden die jungen Menschen über den Verbund für Bildung und Beruf intensiv vorbereitet. Dazu gehören Deutschkenntnisse bis zum B2-Niveau, pflegerische Grundlagen und die Vorbereitung auf den beruflichen Alltag in Deutschland. Auch bei organisatorischen Fragen – beispielsweise bei Visaangelegenheiten und der Wohnungssuche – werden die zukünftigen Auszubildenden begleitet.

Bewerbertag in Rabat ⬆️ ⬇️

Darüber hinaus reisen Vertreterinnen des Unternehmens nach Marokko, um Bewerberinnen und Bewerber persönlich kennenzulernen.

Sprache ist eine Herausforderung – aber kein unüberwindbares Hindernis

Die deutsche Sprache bleibt für viele internationale Auszubildende zunächst die größte Herausforderung. Trotz intensiver Vorbereitung müssen sich die jungen Menschen im täglichen Leben und im Pflegealltag an eine neue Sprache gewöhnen.

Die bisherigen Erfahrungen bei carpe diem zeigen jedoch, dass sich die sprachliche Sicherheit mit zunehmender Praxis entwickelt.

Aus anfänglicher Unsicherheit werde zunehmend Selbstvertrauen, berichtet das Unternehmen. Auch die Rückmeldungen aus den beteiligten Teams seien positiv. Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Fleiß und ein respektvoller Umgang würden den gemeinsamen Arbeitsalltag prägen.

Für die Bewohnerinnen und Bewohner steht dabei letztlich nicht die Herkunft eines Menschen im Mittelpunkt. Entscheidend ist, ob jemand zuhört, sich Zeit nimmt, respektvoll mit ihnen umgeht und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Internationale Pflegekräfte sind längst Teil der Realität

Dass internationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege inzwischen eine wichtige Rolle spielen, zeigt sich bundesweit. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit besitzt mittlerweile etwa jede fünfte Pflegekraft eine ausländische Staatsangehörigkeit.

Auch bei carpe diem arbeiten bereits Pflegekräfte unter anderem aus Marokko, Pakistan, Algerien, Indien und von den Philippinen.

Das Unternehmen verfolgt dabei mehrere Wege: Neben der Gewinnung internationaler Auszubildender werden bereits qualifizierte Pflegefachkräfte aus dem Ausland angeworben und während ihrer Anerkennungsphase begleitet.

Der Hintergrund ist eindeutig: Die Pflege braucht Nachwuchs.

Was internationale Ausbildung für Bad Driburg bedeutet

Für Bad Driburg ist die Entwicklung deshalb durchaus bemerkenswert. Zwei junge Menschen aus Marokko werden künftig einen Teil ihres Lebens hier verbringen, ihre Ausbildung absolvieren und den Pflegealltag einer örtlichen Einrichtung kennenlernen.

Aus einem zunächst internationalen Projekt wird damit ein Stück lokaler Realität.

Integration findet schließlich nicht irgendwo statt. Sie beginnt am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, beim Einkauf, im Bus oder im Gespräch mit den Menschen vor Ort.

Gerade eine Pflegeeinrichtung bietet dafür besondere Möglichkeiten. Hier entstehen täglich persönliche Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft.

Die beiden Auszubildenden kommen nicht lediglich als zusätzliche Arbeitskräfte nach Bad Driburg. Sie kommen als junge Menschen mit Erwartungen, Fähigkeiten und dem Wunsch, sich beruflich etwas aufzubauen.

Pflege braucht Menschen – und Perspektiven

Der demografische Wandel wird die Pflege auch in Zukunft vor große Herausforderungen stellen. Gleichzeitig gibt es weltweit junge Menschen, die bereit sind, in Deutschland zu lernen und zu arbeiten.

carpe diem – Einrichtung in Bad Driburg

Die Erfahrungen von carpe diem zeigen zumindest einen möglichen Weg: Internationale Ausbildung kann funktionieren, wenn sie nicht bei der Einreise endet, sondern von Anfang an durch Sprache, Ausbildung, persönliche Betreuung und Integration begleitet wird.

Für die beiden jungen Menschen aus Marokko beginnt im Herbst ein neuer Lebensabschnitt in Bad Driburg.

Für die örtliche Pflegeeinrichtung beginnt damit gleichzeitig ein Stück Zukunftssicherung.

Und vielleicht werden aus den zunächst „neuen Gesichtern“ schon bald ganz selbstverständlich Kolleginnen und Kollegen, die zum Alltag in Bad Driburg gehören.

Denn gute Pflege kennt keine Herkunft. Sie braucht vor allem Kompetenz, Empathie, Respekt – und Menschen, die bereit sind, füreinander da zu sein.

Titelbild: Farah Bozian und Marwa-Afifi


Infobox

carpe diem in Zahlen

Die carpe diem Gesellschaften bestehen seit 1998 und haben ihren Sitz in Wermelskirchen. Heute betreibt das Unternehmen 36 Einrichtungen in Deutschland. Dazu gehören unter anderem stationäre Pflegeeinrichtungen, betreute Wohnungen, Tagespflege, ambulante Angebote sowie weitere Dienstleistungen.

Insgesamt verfügt carpe diem nach eigenen Angaben über rund 2.400 stationäre Pflegeplätze, etwa 1.100 betreute Wohnungen, rund 500 Tagespflegeplätze und betreut etwa 2.500 ambulante Kunden. Das Unternehmen beschäftigt rund 3.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter mehr als 200 Auszubildende.

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