20 Jahre Glasmacher-Denkmal erinnern an die Glastradition

Doris Dietrich


Bad Driburg/Helmern. Seit 20 Jahren sitzt er da – auf seinem Meisterstuhl, mitten in Bad Driburg. Der Glasmacher ist längst zu einem festen Bestandteil des Stadtbildes geworden und erinnert an eine Zeit, in der Feuer, Glas und schwere körperliche Arbeit die Region prägten. Am 14. Oktober 2006 wurde das Denkmal feierlich eingeweiht. Zum 20. Geburtstag im Oktober 2026 lohnt sich deshalb nicht nur ein Blick auf die Geschichte der Figur, sondern auch auf den Künstler, den Bildhauer und Restaurator Raphael J. Strauch.

Glasmacher und Glashütten prägten über Jahrhunderte Bad Driburg und die umliegende Region. Die Glasherstellung war ein wichtiger Wirtschaftszweig und sicherte vielen Menschen Arbeit und Einkommen. Das Denkmal hält die Erinnerung an diese Menschen und ihre schwere Arbeit bis heute im Stadtbild lebendig.

Dargestellt ist ein Glasmachermeister auf seinem Meisterstuhl. Die lebensgroße Figur zeigt ihn in typischer Kleidung: mit aufgeknöpftem Hemd, hochgekrempelten Ärmeln und offenem Schuhwerk – eine verständliche Besonderheit angesichts der großen Hitze in den Glashütten.

Die Idee für das Denkmal entstand bereits 2004. Mitglieder des Stammtisches der Glasmacher und Glasveredler fassten damals den Beschluss, ein Denkmal anfertigen zu lassen. Die Finanzierung wurde zu einer Gemeinschaftsleistung: Innerhalb von nur zweieinhalb Jahren kamen insgesamt 45.000 Euro an Spenden zusammen.


Für die Umsetzung wurde der Bildhauer und Restaurator Raphael J. Strauch aus Helmern, einem Ortsteil von Willebadessen, gewonnen. Gemeinsam wurde über die Gestaltung beraten. Die Idee des Meisterstuhls spielte dabei eine wichtige Rolle.

Am 14. Oktober 2006 war es dann soweit: Das Glasmacherdenkmal wurde feierlich enthüllt. Anwesend waren der damalige Bürgermeister Burkhard Deppe, der ehemalige Glasmachermeister Eberhard Friemel und Karl-Heinz Schilasky. Heribert Meiners, damals Sprecher des Förderkreises Glasstadt Bad Driburg, zeigte sich damals über die große Unterstützung erfreut und dankte den zahlreichen Unterstützern und Sponsoren.

Ursprünglich stand das Denkmal in der Nähe der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Im Laufe der Jahre wechselte der „Glasmacher“ seinen Standort. Heute befindet er sich vor der Moorerlebniswelt und der Tourist-Information. Von dort weist er in Richtung Glasmuseum in der Schulstraße. Damit befindet sich die Figur weiterhin an einem Ort, an dem sie von Einwohnern und Besuchern wahrgenommen wird. Seit nunmehr 20 Jahren gehört der Glasmacher zum Stadtbild und ist zu einem sichtbaren Erinnerungszeichen für die regionale Glasgeschichte geworden.

Längst ist der Glasmacher nicht nur ein Erinnerungszeichen, sondern auch ein beliebtes Fotomotiv. Immer wieder wird die Figur passend zur Jahreszeit oder zu besonderen Anlässen „eingekleidet“: Zu Karneval bekommt sie schon einmal eine Karnevalskappe, während sie in der Corona-Zeit mit einer Maske zu sehen war. Im Winter sorgt eine Pudelmütze für ein besonderes Bild.

Auch bei Kindern weckt der Glasmacher Interesse. So manches Kind hat schon versucht, die Werkzeuge des Glasmachers in die Hand zu nehmen. Viel Erfolg hatte dabei allerdings niemand – die Werkzeuge sind fest mit dem Meisterstuhl verbunden und können nicht abgenommen werden.

Raphael Strauch mit dem seinem „Glasmacher“
Der Künstler und seine Werke ⬆️ ⬇️

Zum 20. Jahrestag des Denkmals besuchte Bad Driburg im Blick den Bildhauer in seiner Werkstatt. Raphael J. Strauch gab Einblicke in seine Arbeit und erinnerte sich an die Entstehung des Glasmachers. Seit 1993 befindet sich seine Werkstatt in Helmern. Von dort aus bearbeitet er Anfragen aus ganz Deutschland. Sein Tätigkeitsfeld reicht von freien künstlerischen Skulpturen und Denkmälern für den öffentlichen Raum bis zu bildhauerischen Rekonstruktionen für die Denkmalpflege. Zum Leistungsspektrum gehören außerdem die Herstellung von Dubletten durch Abformung sowie die Konservierung und Restaurierung historischer Objekte aus Naturstein, Holz, Keramik, Metall, Stuck, Terrakotta und verschiedenen mineralischen Materialien. Zu seinen Referenzen zählen Arbeiten für das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig und am Märchenbrunnen in Berlin.

Auch am Wiederaufbau des 19,80 Meter hohen Hochaltars der Marktkirche in Paderborn war er maßgeblich beteiligt. Später restaurierte er unter anderem Statuen und Putten des Potsdamer Stadtschlosses, Terrakottafiguren des Alten Palais in Berlin und eine Vase des Charlottenburger Tores. Bekannt ist auch sein „Demonstrationszug der Tiere“ mit signalroten Skulpturen als Erlebnispfad des Zweckverbandes Teutoburger Wald/Eggegebirge.

Beim Besuch in der Werkstatt wurden die Erinnerungen an das Bad Driburger Denkmal wieder lebendig. Die damaligen Initiatoren hatten Strauch nach Siebenstern eingeladen. Gemeinsam wurde über die Gestaltung beraten – und am Ende entstand der Glasmachermeister, wie er heute noch in Bad Driburg zu sehen ist.

„Für mich ist es nach 20 Jahren eine besondere Freude, dass an das Denkmal und damit auch an meine Arbeit erinnert wird“, äußerte Strauch. „Zum 20. Geburtstag gehört allerdings auch der Blick auf die Zukunft. Das Holz des Glasmacherstuhls und das ganze Denkmal benötigen Pflege. Schließlich soll die Figur noch viele weitere Jahre ihren Platz im Stadtbild behalten.“

Das Denkmal ist Eigentum der Stadt Bad Driburg, die damit auch für die Verkehrssicherheit und Pflege verantwortlich ist. Eine fachgerechte Pflege zum Erhalt des Holzes ist wichtig, damit der Glasmacher auch künftig an die Menschen erinnert, deren Arbeit die Region über Jahrhunderte geprägt hat.

Eine weitere wichtige Adresse der Bad Driburger Glasgeschichte ist das Glasmuseum im Heinz-Koch-Haus in der Schulstraße 7 seit inzwischen 20 Jahren. Es ist für viele Besucher und Urlauber ein Anziehungspunkt und bewahrt zahlreiche Zeugnisse der regionalen Glasgeschichte. Das engagiertes Team und der Vorstand kümmern sich darum, dieses Erbe zu erhalten und Besuchern näherzubringen. Während des diesjährigen Glasstadtfestes im September konnte ein Besucherrekord von 664 Interessierten verzeichnet werden. Im Museum befindet sich sogar ein kleines Modell des Glasmacherdenkmals.

So verbindet sich zum 20. Geburtstag des Denkmals die Vergangenheit mit der Gegenwart: Der Glasmachermeister auf seinem Meisterstuhl erinnert mitten in Bad Driburg an die lange Tradition der Glasherstellung. Der Besuch beim Künstler Raphael J. Strauch 20 Jahre nach der Einweihung machte zugleich deutlich, dass hinter dieser Figur nicht nur ein Stück Stadtgeschichte, sondern auch viel handwerkliches Können und ganz persönliche Geschichten stehen.

Noch verhüllt
Foto: Hubert Meiners
Auch während Corona erinnerte der Glasbläser an nützliche Mund-Nasen-Masken Foto: Alexander Bieseke
Modell im Glasmuseum

Titelbild: Einweihung des Denkmals am 14.10.2006 (v. l.): Heribert Meiners, Bürgermeister Burkhard Deppe, Künstler Raphael Johannes Strauch, Bernd Humborg und der ehemalige Glasmacher Lotha Kitzia. Foto: Hubert Meiners


Mein großer Dank an Hubert Meiners für die Bereitstellung der Fotos.

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