Elftklässler des Gymnasiums St. Xaver erkunden kirchliches Leben in Paderborn
Alexander Bieseke
Bad Driburg/Paderborn. Was ist Kirche – ein historisches Gebäude, eine Institution, eine Glaubensgemeinschaft oder vor allem das, was Menschen daraus machen? Mit solchen Fragen beschäftigte sich die Jahrgangsstufe 11 des Gymnasiums St. Xaver bei einem Paderborntag. Auf dem Programm standen unter anderem der Paderborner Dom, das Michaelskloster, das Diözesanmuseum und die Theologische Fakultät, so Raphael Fecke von dem Gymnasium St. Xaver in einer Pressemitteilung.
In drei Gruppen waren die Schülerinnen und Schüler unterwegs. Im Dom ging es zunächst um die Geschichte des Erzbistums und darum, wie Menschen ihren Glauben über Jahrhunderte hinweg gelebt und weitergegeben haben. Bei Führungen wurden außerdem die Bedeutung der Liturgie und die Geschichte des Gotteshauses erläutert. Ein meditativer Impuls mit gemeinsamem Gebet in der Krypta an der historischen Grabplatte Bischof Meinwerks ergänzte die historische Betrachtung um eine unmittelbar religiöse Erfahrung.
Damit blieb der Besuch allerdings nicht bei Kirchen- und Kunstgeschichte stehen. Die Schülerinnen und Schüler begegneten auch Menschen, die ihren Glauben heute in unterschiedlicher Form leben und daraus Aufgaben innerhalb der Kirche ableiten.
Persönliche Einblicke statt Lehrbuchwissen
Im Michaelskloster berichtete Sr. M. Ancilla Ernstberger über ihren persönlichen Lebensweg und darüber, was sie zu einem Leben im Kloster bewegt hat. Für die Jugendlichen bot diese Begegnung damit einen Einblick in eine Lebensentscheidung, die für viele außerhalb kirchlicher Zusammenhänge eher ungewohnt sein dürfte.
Im Diözesanmuseum stand wiederum die Verbindung von Kunst, Geschichte und Religion im Mittelpunkt. Ein museumspädagogisches Programm zeigte anhand verschiedener Werke, wie stark christliche Motive über Jahrhunderte Kunst und gesellschaftliches Leben geprägt haben. Auch die fast tausend Jahre alte Imad-Madonna gehört zu diesen historischen Zeugnissen.
Die Beschäftigung mit solchen Exponaten beantwortet allerdings nicht automatisch die Frage, welche Bedeutung christlicher Glaube heute noch für junge Menschen besitzt. Sie kann vielmehr ein Ausgangspunkt sein, sich mit dieser Frage selbst auseinanderzusetzen.
Was kann Theologie heute leisten?

Eine andere Perspektive eröffnete die Theologische Fakultät. Prof. Dr. Rüdiger Althaus, Lena Widera und Prof. Dr. Annemarie Pilarski gaben den Jugendlichen Einblicke in unterschiedliche fachliche Zugänge zur Theologie.
Dabei ging es um die Bedeutung des christlichen Glaubens und um mögliche Konsequenzen für das Leben in der heutigen Gesellschaft. Die Botschaft der Fakultät war dabei auch: Glaube muss nicht ausschließlich eine Frage persönlicher Überzeugung sein, sondern kann wissenschaftlich, historisch und vernunftgeleitet untersucht werden.
Gerade für Schülerinnen und Schüler am Beginn der Oberstufe dürfte dieser Zugang eine andere Facette eröffnet haben als die zuvor besuchten Kirchen und religiösen Einrichtungen.
Begegnung als Zugang zu einer kontroversen Frage
Der Paderborntag dürfte damit vor allem ein Angebot zur Begegnung mit kirchlichem Leben. Die Veranstalter ließen Menschen zu Wort kommen, die aus ihrer jeweiligen Perspektive über Glauben, Kirche und persönliche Erfahrungen berichteten.
Ob und in welcher Form diese Eindrücke bei den Jugendlichen weiterwirken, bleibt letztlich deren eigene Sache. Eine Exkursion kann historische Zusammenhänge vermitteln, persönliche Lebenswege sichtbar machen und Fragen anstoßen. Eine Antwort darauf, welche Bedeutung Religion und Kirche für die eigene Generation haben, kann sie jedoch nicht vorgeben.
Vielleicht liegt gerade darin der Wert eines solchen Tages: nicht darin, junge Menschen von etwas zu überzeugen, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, selbst hinzuschauen, Fragen zu stellen und sich ein eigenes Bild zu machen.
„Komm und sieh!“ (Joh 1,39) – dieser Satz aus dem Johannesevangelium könnte deshalb auch als Einladung verstanden werden, sich zunächst selbst ein Bild zu machen.


Titelbild: Wie wichtig eine vernunftgeleitete Beschäftigung mit dem christlichen Glauben ist, das veranschaulichte u. a. Prof. Dr. Annemarie Pilarski von der Theologischen Fakultät anhand eines Beispiels aus der Kirchengeschichte.