Transparenz und Verdichtung

ART D Driburg mit neuer Ausstellung im alten Rathaus

Elisabeth Affani

Bad Driburg-Dringenberg. Wenn etwas transparent ist, kann der Betrachter es durchschauen. Er kann den Durchblick haben. In der Politik kennen wir die Forderung – auch von Bad Driburg im Blick – nach mehr Transparenz, weil interessierte Bürgerinnen und Bürger wissen wollen, wie Entscheidungen getroffen werden. Politiker machen dann bisweilen dicht.

In der Physik und Technik findet Verdichtung durch hohen Druck statt, durch Kompression.

Auf der Couch des Psychoanalytikers kommt es zur Verdichtung seelischer Energie.

Aber in der Kunst? Wir empfinden leichte, helle, „durchscheinende“ Farben eher als transparent, deckende, dunkle Farben als dicht. Aber das sind subjektive Empfindungen. Dunkles und Schweres kann aufgehellt und leichter gemacht werden. Durch künstlerische Mittel.

Wie das gehen kann, zeigt die am Sonntag eröffnete Ausstellung „Transparenz und Verdichtung“ im Dringenberger Historischen Rathaus.

„Ästhetischer Reiz entsteht ja oft durch gegensätzliche Empfindungen, die wir erst einmal sortieren müssen und dadurch intensiver empfinden“, erklärte die Vorsitzende der Künstlervereinigung Maria Föcking bei der Eröffnung der Ausstellung. Lebenserfahrungen können verdichtet und transparent sein. Erinnerungen können verblassen.

Ein Waldspaziergang kann erhellend sein, wenn er zwischen rußgeschwärzten Baumstämmen stattfindet. Die Autofahrt im Nebel über eine winterliche Landstraße zwischen Borgentreich und Eissen kann gemütlich sein, wenn die Heizung funktioniert und das Bienchen auf der Ablage für gute Stimmung sorgt. Aber draußen kann die Orientierung verlorengehen.

„Heimfahrt im Nebel“: Gemütlich oder gespenstisch?

Die künstlerischen Mittel sind hier Alabaster, Steinpulver, geschmolzenes Blei in „magischer Verbindung“ mit Glas, Drahtgeflecht, aber auch fotografierte Objekte wie mehr oder weniger durchsichtige Flaschen oder digital bearbeitete Fotos von Bäumen und vom Borkenkäfer geschädigten Fichten. Neben Tuschezeichnungen sieht man Auswischtechnik von Acryl auf Baumwolle, Pappe oder Papier. Bahnen aus Chiffon, Tüll und Stickgrafik tragen Schriftzeichen: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“.

Ulmensamen schweben hinter Transparentpapier. Spiegelbilder erscheinen auf Dibond, einer Verbundplatte aus einem leichten Kunststoffkern und formstabilem Aluminium.

„Grenzenlos zuhause“ heißt ein spannendes Objekt mit Fotopapier auf Plexiglas. Es umfasst fünfzig Türen aus sechs Ländern und zehn Städten. Welche Geschichten verbergen sich dahinter, welches Leben findet hinter ihnen statt?


Es lohnt sich, hier auf Entdeckungsreise zu gehen und den kreativen Mitgliedern von ART D Driburg nachzuspüren.

Die Ausstellung im Historischen Rathaus Dringenberg ist noch bis zum 31. Oktober 2026 zu sehen. Geöffnet ist sie samstags von 14.00 bis 17.00 Uhr und sonn- und feiertags von 14.00 Uhr bis 17.30 Uhr.


Titelbild:

Die Kreativen: Cornelia Appel, Hubertus Backhaus, Ingrid Brödling, Elke Czinder, Nicole Drude, Anke Fabian, Maria Föcking, Bringfriede Fokken-Eichner, Angelika Haneball, Ingrid Heuchel, Charlotte Heuel, Vera Jeserich, Elisabeth Jux-Hiltrop, Erika Kohls, Heidi Lange-Kallerhoff, Albert Schriefer, Dörte Sprengel, Johannes Sprengel, Melanie Viell, Martina Weskamp-Dittmann und Susanne Wolf

„Die andere Seite“: Transparenter Blick auf die Besucher
„Faces“: Gespräch unter Freunden
„Wo ist Timmy“? „Grenzenlos zuhause“: Besucherinnen aus Paderborn

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