Driburg Therme: Millionen-projekt vor dem Neustart – wer soll das bezahlen?

ÖDP begrüßt Stopp des Investorenverfahrens – doch die größte Frage bleibt offen

Alexander Bieseke

Bad Driburg. Die große Lösung ist erst einmal vom Tisch. Der Bad Driburger Stadtrat hat das Vergabeverfahren mit externen Investoren für die Zukunft der Driburg Therme aufgehoben. Damit endet vorerst ein Weg, der die Therme grundlegend verändern sollte – inklusive Modernisierung, Erweiterung und dem lange diskutierten Bau eines Thermenhotels.

Doch mit dem Stopp ist das eigentliche Problem nicht gelöst. Es wird lediglich neu aufgerollt.

Denn hinter der Frage, wer die Therme künftig betreiben soll, steht eine noch viel wichtigere Frage: Wer bezahlt die Zukunft des Bades?

Rund 1,5 Millionen Euro jährlich – seit Jahrzehnten

Für die ÖDP ist genau diese finanzielle Belastung ein zentraler Punkt. Die Fraktion hat die wirtschaftliche Situation der Therme in den vergangenen Jahren immer wieder thematisiert.

Bereits 2020 sprach die ÖDP von einem Betriebskostenzuschuss von mehr als 1,2 Millionen Euro und kritisierte, dass die Stadt damit dauerhaft belastet werde.

In ihrer Haushaltsrede 2025 wurde die Größenordnung noch deutlicher: Nach Darstellung der ÖDP gleicht die Stadt das Defizit der Therme bereits seit rund 30 Jahren aus – mit einer Belastung von etwa 1,5 Millionen Euro jährlich.

Für eine Kommune, die selbst mit erheblichen finanziellen Problemen und steigender Verschuldung zu kämpfen hat, ist das keine Nebensache.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob Bad Driburg seine Therme behalten will. Die Frage lautet vielmehr:

Kann und will sich die Stadt diesen dauerhaften Zuschuss auch künftig leisten?

ÖDP: Therme ja – Investor nicht um jeden Preis

Dabei macht die ÖDP einen bemerkenswerten Unterschied. Sie stellt die Driburg Therme als solche nicht infrage.

Im Gegenteil: Die Therme sei ein wichtiger Bestandteil des Gesundheits- und Tourismusstandortes Bad Driburg. Die Fraktion will das Bad erhalten und weiterentwickeln.

Aber eben nicht um jeden Preis.

Die geplante Zusammenarbeit mit einem externen Investor hatte bei der ÖDP erhebliche Zweifel ausgelöst. Nach einem Informationsbesuch in einem von interSPA betriebenen Bad in Wismar und Gesprächen vor Ort sah die Fraktion ihre Bedenken bestätigt.

Im Mittelpunkt standen Fragen nach möglichen langfristigen finanziellen Verpflichtungen, den tatsächlichen Einflussmöglichkeiten der Stadt und den konkreten Vertrags- und Investitionsbedingungen.

Die ÖDP begrüßt deshalb nun ausdrücklich, dass der Stadtrat das Investorenverfahren gestoppt hat.

Die Therme hat zuletzt auch ohne Millionenprojekt Fortschritte gemacht

Ein Argument der ÖDP dürfte für die weitere Diskussion besonders interessant sein: Nach ihrer Einschätzung hat die derzeitige Geschäftsführung bereits gezeigt, dass sich die wirtschaftliche Situation verbessern lässt.

Unter Geschäftsführerin Verena Reimann seien die Defizite reduziert und gleichzeitig die Besucherzahlen gesteigert worden – und zwar ohne die ursprünglich diskutierten umfangreichen Investitionen.

Für die ÖDP ist das ein Hinweis darauf, dass nicht zwingend sofort das große Millionenprojekt benötigt wird.

Stattdessen fordert die Fraktion, verschiedene Modelle zu prüfen. Dazu gehört ausdrücklich auch eine stärker eigenständige Lösung unter Verantwortung der Stadt beziehungsweise der Stadtwerke.

35 Millionen Euro und ein Thermenhotel – Geschichte?

Noch vor wenigen Jahren sah die Zukunft ganz anders aus.

2023 wurde mit interSPA ein möglicher Investor gefunden. Das damalige Konzept sah ein neues Thermenhotel unmittelbar an der Driburg Therme sowie eine Modernisierung und Erweiterung des Bades vor. Das Gesamtvolumen wurde mit mehr als 35 Millionen Euro beziffert.

Auch Fördermittel sollten eine wichtige Rolle spielen.

Nun hat der Stadtrat das entsprechende Vergabeverfahren aufgehoben. Die Stadtverwaltung teilte lediglich mit, das weitere Vorgehen werde geprüft.

Damit bleiben zahlreiche Fragen offen:

Was soll konkret saniert werden?

Wie hoch sind die notwendigen Investitionen?

Welche Fördermittel stehen tatsächlich zur Verfügung?

Wer übernimmt die Finanzierung?

Wie hoch darf der Zuschuss der Stadt künftig sein?

Und welche Rolle spielt ein privater Investor überhaupt noch?

Auf diese Fragen gibt es bislang keine konkreten Antworten.

Der Neustart wird zur finanziellen Bewährungsprobe

Die Entscheidung des Stadtrates kann deshalb tatsächlich eine Chance für die Driburg Therme sein – wie die ÖDP betont.

Sie kann aber ebenso zu einem neuen finanziellen Kraftakt für die Stadt werden.

Denn eines dürfte klar sein: Eine grundlegende Modernisierung kostet Geld. Gleichzeitig kann die Stadt den seit Jahrzehnten bestehenden Zuschussbedarf nicht einfach ausblenden.

Die Diskussion über die Therme wird daher künftig nicht nur eine Frage von Wellness, Gesundheit und Tourismus sein.

Sie wird vor allem eine Frage der kommunalen Finanzierbarkeit.

Die ÖDP hat ihre Position inzwischen deutlich formuliert: Kein Investor um jeden Preis, aber auch kein dauerhaftes Millionenloch zulasten der Stadtkasse.

Jetzt muss die Politik zeigen, ob sie einen Weg findet, beides miteinander zu verbinden: eine attraktive Driburg Therme und eine finanzielle Perspektive, die Bad Driburg auch langfristig tragen kann.

Schreibe einen Kommentar