Dialog statt Distanz – Bürger suchen das direkte Gespräch mit Innenminister Herbert Reul

„Coffee with a Cop“ in Bad Driburg war ein voller Erfolg

Alexander Bieseke


Bad Driburg. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nutzten am Freitag die Gelegenheit, bei der Aktion „Coffee with a Cop“ in der Bad Driburger Innenstadt mit Polizeibeamtinnen und -beamten, dem Dienstherrn Landrat Michael Stickeln und Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul ins Gespräch zu kommen. Im Mittelpunkt standen Fragen zur Inneren Sicherheit, zum Vertrauen in den Rechtsstaat und zur Polizeipräsenz vor Ort.

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Das Veranstaltungsformat, das ursprünglich 2011 in den USA entstand, wird inzwischen auch in Nordrhein-Westfalen an verschiedenen Standorten durchgeführt. Ziel ist es, Hemmschwellen abzubauen und den direkten Austausch zwischen Polizei und Bevölkerung in entspannter Atmosphäre bei einer kostenlosen Tasse Kaffee, Tee oder Kakao zu ermöglichen.

Bereits am Vormittag herrschte am Raiffeisenbrunnen reges Treiben, so Jörg Niggemann von der Pressestelle der Polizei Höxter, in seiner Pressemitteilung. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen und Anliegen an die Polizei zu richten. Auch eine Gruppe von Kindern aus der Ferienbetreuung besuchte den Polizeistand, hatte Fragen vorbereitet und durfte einen Streifenwagen aus nächster Nähe besichtigen. Das historische Café-Mobil bot angesichts der sommerlichen Temperaturen neben klassischen Kaffeespezialitäten auch gekühlte Varianten mit Eiswürfeln an.

Am Nachmittag traf Innenminister Herbert Reul ein. Ohne lange Vorrede mischte er sich unter die Besucher, führte zahlreiche persönliche Gespräche, beantwortete Fragen, erfüllte Fotowünsche und stand für Interviews zur Verfügung. Zeitweise verfolgten rund 150 Bürgerinnen und Bürger gleichzeitig die Veranstaltung.

Ein Schwerpunkt der Gespräche war das Vertrauen der Bevölkerung in den Rechtsstaat. Eine Besucherin schilderte ihre Sorge, dass dieses Vertrauen in den vergangenen Jahren gelitten habe. Herbert Reul räumte ein, dass politische Entscheidungen nicht immer fehlerfrei seien. Fehler ließen sich nicht vollständig vermeiden, entscheidend sei jedoch, wie Politik und Verwaltung damit umgingen und ob Verantwortung übernommen werde. Gleichzeitig betonte der Innenminister, dass der Rechtsstaat im Wesentlichen funktioniere und trotz berechtigter Kritik nicht grundsätzlich infrage gestellt werden dürfe.

Auch das Sicherheitsgefühl in Bad Driburg spielte in den Gesprächen unserer Redaktion mit dem Landrat eine wichtige Rolle. Leserinnen und Leser von BDiB bedauern oft die fehlende Rund-um-die-Uhr-Besetzung der Polizeiwache vor Ort. Nach ihrer Auffassung würde eine dauerhaft besetzte Wache das Sicherheitsgefühl stärken und gleichzeitig eine abschreckende Wirkung auf mögliche Straftäter entfalten – insbesondere in den Abend- und Nachtstunden.

Kritisch wurde zudem angemerkt, dass aufgrund dessen in den vergangenen Jahren verstärkt ordnungsrechtliche Maßnahmen ergriffen worden seien. Genannt wurden unter anderem zeitweise abgesperrte öffentliche Plätze und Spielplätze sowie Aufenthaltsverbote an zentralen Orten der Innenstadt.

Von Seiten der Verantwortlichen wurde darauf hingewiesen, dass einer dauerhaften Besetzung der Polizeiwache vor allem personelle und finanzielle Grenzen entgegenstünden. Die verfügbaren Polizeikräfte müssten im gesamten Kreis Höxter eingesetzt werden. Eine Rückkehr zu einer rund um die Uhr besetzten Polizeiwache oder regelmäßigen Fußstreifen sei unter den derzeitigen Rahmenbedingungen weder finanzierbar noch würde der politische Wille in diese Richtung weisen.

Zum Abschluss zog die Kreispolizeibehörde Höxter eine positive Bilanz. Sie bedankte sich für die große Resonanz und die vielen offenen Gespräche. Die Veranstaltung habe gezeigt, wie wichtig der persönliche Austausch zwischen Polizei, Politik und Bürgerschaft sei und dass Formate wie „Coffee with a Cop“ einen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis leisten können. Insgesamt dürfte die Veranstaltung als gelungen gelten.

Grund: Dialog statt Distanz.

Bildmaterial: Doris Dietrich & Alexander Bieseke


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