Ergebnispräsentation heute – Bad Driburg im Blick berichtet
Alexander Bieseke
Paderborn/Bad Driburg. (ab) Heute Nachmittag stellt die Universität Paderborn die Ergebnisse der Studie „Sexuelle Gewalt an Minderjährigen im Erzbistum Paderborn. Eine historische Untersuchung (1941–2002)“ vor. Die Untersuchung wurde unter Leitung der Historikerin Nicole Priesching durchgeführt und beleuchtet erstmals umfassend den Umgang mit sexualisierter Gewalt im Erzbistum Paderborn über mehrere Jahrzehnte.
Die Pressekonferenz beginnt um 13.30 Uhr im Senatssitzungssaal der Universität. Neben der Präsentation der Studienergebnisse durch Nicole Priesching wird auch eine Einordnung aus Sicht der Betroffenen durch Reinhold Harnisch, Sprecher der Betroffenenvertretung, erwartet.
Die historische Untersuchung befasst sich mit dem Zeitraum von 1941 bis 2002 und damit mit den Amtszeiten der Paderborner Erzbischöfe Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt. Bereits eine Zwischenbilanz hatte deutlich gemacht, dass Kirche und Gesellschaft über lange Zeiträume hinweg bei Missbrauch weggesehen und Täter häufig nicht konsequent sanktioniert wurden.
Die Ergebnisse der neuen Studie der Universität Paderborn zu sexualisierter Gewalt im Erzbistum Paderborn könnten strafrechtliche Folgen haben.
Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Paderborn dem WDR mitteilte, wolle man die Untersuchung genau auswerten. Anschließend werde geprüft, ob Ermittlungsverfahren wegen bislang strafrechtlich nicht aufgearbeiteter möglicher sexueller Übergriffe eingeleitet werden müssen.
Bereits die sogenannte MHG-Studie hatte strafrechtliche Ermittlungen angestoßen. Die Untersuchung wertete Personalakten katholischer Priester aus dem Erzbistum für den Zeitraum von 1946 bis 2014 aus.
Allein für das Erzbistum Paderborn dokumentierte die Studie 111 beschuldigte Kleriker und 197 Betroffene.

Die Giordano‑Bruno‑Stiftung berichtet derweil bereits über die Veröffentlichung des ersten Teils eines Missbrauchsgutachtens der Universität Paderborn, das den sexuellen Missbrauch im Erzbistum Paderborn untersucht. Betroffeneninitiativen kritisieren, dass die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle zu langsam voranschreitet und nur symbolische Maßnahmen ergriffen würden, die eher dem Image der Kirche dienen als den Opfern. Besonders kritisiert wird, dass der zweite Teil der Studie, der die Amtszeit des ehemaligen Erzbischofs Hans‑Josef Becker behandelt, erst 2027 veröffentlicht werden soll. Dieser Teil könnte Informationen über möglicherweise noch nicht verjährte Straftaten enthalten. Viele Betroffene fühlen sich weiterhin unzureichend anerkannt und angemessen entschädigt.
An den drei Tagen waren die Protestaktionen in Paderborn geplant, unter anderem am Rathausplatz, Domplatz und vor dem Universitätsgebäude. Die Aktionen werden begleitet von symbolischen Kunstinstallationen, wie der Großplastik des „Hängemattenbischofs“, und von mehreren Betroffeneninitiativen, darunter die Betroffeneninitiative Hildesheim und die Aktionsgruppe „11. Gebot“ der Giordano‑Bruno‑Stiftung.
Die zentralen Forderungen der Initiativen sind eine echte, konsequente Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, eine schnellere und transparentere Veröffentlichung aller Teile des Gutachtens sowie angemessene Entschädigungen und Anerkennung für die Opfer.