Durch das Band des Friedens

Doris Dietrich

Bad Driburg. Am ersten Freitag im März findet traditionell der Weltgebetstag statt. 1927 wurde zum ersten Mal international ein Weltgebetstag von christlichen Frauen unterschiedlicher Konfessionen gefeiert. Im vergangenen Jahr luden Frauen aus Taiwan dazu ein und weltweit klang es „Pîng-an! Friede sei mit dir und uns allen!

In diesem Jahr wurde die Gottesdienstordnung für den Weltgebetstag von Christinnen aus Palästina erstellt. Niemand konnte ahnen, dass dieser Weltgebetstag im Schatten eines furchtbaren Konflikts stattfinden musste. Durch die politischen Ereignisse seit dem 7. Oktober 2023 war dieser Weltgebetstag mit einer besonderen Brisanz verbunden. Die Spirale aus Gewalt und Gegengewalt, die Not der Geiseln und der Flüchtenden in Nahost ist überall spürbar.

Als die palästinensischen Frauen 2017 ausgewählt wurden, die Liturgie für 2024 zu erstellen, konnte niemand wissen, wie schwer das werden würde. Doch ist es nicht bezeichnend, dass ausgerechnet in diesem Jahr das Motto lautet „…durch das Band des Friedens“?  Die Sehnsucht nach Frieden ist unüberhörbar und wurde auch am Abend in Bad Driburg deutlich.

Am Freitag, dem 1. März kamen etwa 60 Besucherinnen und Besucher in die Kirche „Zum verklärten Christus“ in der Südstadt, um am Abend gemeinsam zu beten, zu singen und innezuhalten. Zum ökumenischen Vorbereitungsteam gehörten Dorothea Eulering, Anne Frank, Beatrix Hesse, Melanie Humborg, Anni Köhler, Bernd Krzewitza, Petra Nolte und Frederike Wieneke.

Besucherinnen und Besucher kamen zum ökumenischen Gottesdienst.
Petra Nolte (links) begrüßte Barbara Carstens. Jeder Besucher wählte seinen Stein.
Segensbändchen 2024
Anni Köhler (links) übergab einer Besucherin ein Segensbändchen und das Begleitheft.

Im Eingangsbereich der Südstadtkirche begrüßten Anni Köhler und Petra Nolte die Besucherinnen und Besucher. Anni Köhler übergab jedem die Gottesdienstordnung und ein lila Segensbändchen mit der Aufschrift „Weltgebetstag 2024 Palästina … durch das Band des Friedens“. Ein Korb mit kleinen Steinen, die vom Kirchgelände stammten, stand bereit. Petra Nolte ließ jeden einen Stein nehmen. Die Kirche war liebevoll dekoriert. Leuchtende Kerzen, Olivenbäumchen, Granatäpfel und verschiedene Gewürze bildeten ein harmonisches Ganzes. Melanie Humborg malte vor zwei Jahren das Bild mit einer Friedenstaube, das für sich spricht.

Frederike Wieneke (Gemeindepädagogin der evangelischen Kirchengemeinde Bad Driburg) begrüßte die Besucher. Die Ereignisse seit dem 7. Oktober 2023, die mit Gewalt, Brutalität und viel Leid verbunden sind, bewegen heute Menschen weltweit. Geisel kommen nicht zurück und deren Schicksal ist ungewiss. „Das Band des Friedens ist zerrissen“, betonte Frederike Wieneke bewegend. Das sonst so farbenfrohe Heft der Gottesdienstordnung hat jetzt ein schlichtes Grau erhalten.

Im Klagepsalm von Susanne Peters heißt es u.a.:

Gott, es zerreißt mich.

Mein Kopf ist voller Bilder des Schreckens.

Mein Mund ist trocken, ich finde keine Worte.

Wie kann heil werden, was so zerstört ist?

Wie kann Leben weitergehen, wo so viel Tod ist?

Wie kann Recht werden, wo so viel Unrecht ist.“

Angesichts der Ereignisse ist das Herz schwer wie ein Stein. Anne Frank (Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bad Driburg) hob hervor: „Jeder hat in seinem Herzen auch etwas, das ihn bedrückt und das Herz schwermacht.“ So wurden alle Besucher gebeten, ihren Stein nach vorn zu bringen und hinzulegen. Dafür konnte sich jeder eine Ansicht mit dem Motiv eines Olivenzweigs nehmen.

Anni Köhler, Beatrix Hesse, Dorothea Eulering und Petra Nolte hoben in ihren Texten, Gebeten und Fürbitten hervor, dass dieser Weltgebetstag eines vereint. Es wurde für gleiche Rechte, Religionsfreiheit, Bewegungsfreiheit und freie Meinungsäußerung gebetet, für die Hoffnung auf Dialog und Versöhnung. „Lass alle Menschen, gleich welcher Religion, gleich welcher Nationalität, in friedlichem und respektvollem Miteinander leben.“ Das Vaterunser auf Hebräisch und auf Deutsch schlossen sich an.

Während das Lied vom „Menschheitsfriedenstraum“ zum Abschluss gesungen wurde, gab jeder etwas in die Kollekte zugunsten der zahlreichen Projekte. „Ich bin sehr bewegt nach diesem Abend. Gemeinsam zu singen und zu beten bedeutet mir sehr viel“, so eine Bad Driburgerin im Gespräch. „Mein Dank geht an das fleißige Organisations-Team.

Zu Beginn wurde das Lied „Yarabba ssalami“ gesungen – ein traditioneller Song aus Palästina.

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Die Kirche „Zum verklärten Christus“ in der Südstadt empfing die Besucher.
Die Kirche war liebevoll geschmückt.
Melanie Humborg malte das Bild mit der Friedenstaube.
Die musikalische Begleitung erfolgte durch Anne Frank – Gitarre und Gesang (rechts), Melanie Humborg – Gitarre, Querflöte und Gesang (Mitte) und Bernd Krzewitza am E-Piano.
Olivenzweig-Motiv

Titelbild: Zum Organisationsteam gehörten (von links) Anni Köhler, Dorothea Eulering, Frederike Wieneke, Petra Nolte, Beatrix Hesse, Melanie Humborg, Bernd Krzewitza und Anne Frank.

Infobox

Logo des Weltgebetstages

Am Weltgebetstag in Deutschland nehmen jedes Jahr rund 800.000 Menschen teil. Die Kollekte, die als „Beitrag zum betenden Handeln“ gilt, beträgt im Schnitt rund 2,5 Millionen Euro. In Palästina und Israel unterstützt der deutsche Weltgebetstag aktuell zwölf Projekte, die Frauen und Kinder stärken. Weltweit gibt es rund 150 Partnerorganisationen. Der 1927 gegründete Weltgebetstag ist die größte, weltweite ökumenische Frauenbewegung und feiert demnächst ihr hundertjähriges Bestehen.“

Im Jahr 2025 kommt die Gottesdienstordnung von den Cookinseln mit dem Titel „I Made You Wonderful“. Quelle: