So ein Theater!

Theater in der Schulkirche begeisterte

Doris Dietrich

Bad Driburg. Was für eine Kulisse! Am Samstag feierte die Theatergruppe im Heimatverein Reelsen die erfolgreiche Premiere zum Mysterienspiel „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal. Weit über die Grenzen ihres Heimatortes hinaus ist die Theatergruppe bekannt. Seit 25 Jahren wird ein Theaterstück in der Martinushalle Reelsen aufgeführt. Nach zwei Jahren Pause sollte es ein besonderes Stück sein. Mit der Schulkirche des Gymnasiums St Xaver wurde ein überzeugender einmaliger Aufführungsort gefunden. Viele Theaterbesucher strömten in die gut beheizte Kirche des Gymnasiums. Einige Besucher waren lange nicht mehr und einige noch nie in dieser besonderen Stätte und waren beeindruckt.

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Der Protagonist „Jedermann“ führt ein ausschweifendes Leben. Das Schicksal anderer geht ihn nichts an. Bis ihn eine Krankheit ereilt und er dem Tod ins Auge sehen muss. Freunde und Verwandte wenden sich von ihm ab. Erst die Konfrontation mit seinem Leben und der Glaube bringen ihn dazu, sich zum Christentum zu bekennen und zu bereuen.

Alle Akteure überzeugten in ihren Rollen. Dr. Uwe Schicktanz trat in der Rolle des „Jedermann“ auf. Andreas Mügge spielte „Gott“, Peter Söthe den Tod und mit besonderer Maske und Kostüm trat Arno Adam als Teufel auf. Friedrich Strömer an der Orgel trug mit seinem Part zum großen Gelingen des Abends bei. Der Organist studiert an der Hochschule für Musik Detmold Kirchenmusik und freut sich, hier die musikalische Begleitung zu geben. Hiltrud Mügge war als Souffleuse mit einem 44-seitigen Material ausgestattet und verfolgte die Darstellung hochkonzentriert. Am Ende sparten die Besucher nicht mit Applaus bei Standing Ovations. Alle Mitwirkende vor und hinter der Bühne haben zu diesem außergewöhnlichen Abend beigetragen.

Drei weitere Aufführungen bietet die Theatergruppe am Sonntag, 13.11.2022, am Samstag, 19.11.2022 und am Sonntag 20.11.2022 an. Es gibt noch Karten.


Infobox

Die Vorlage für das Theaterstück fand Hofmannsthal im englischen Mysterienspiel : Everyman. A Morality Play aus dem 16. Jahrhundert. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes wurde am 1. Dezember 1911 im Berliner Zirkus Schumann unter der Regie von Max Reinhardt uraufgeführt. Seit 1920 wird das Stück jedes Jahr bei den von Reinhardt und Hofmannsthal begründeten Salzburger Festspielen gezeigt. Seine Idee war es, das Stück auf dem Platz vor dem Salzburger Dom aufzuführen, wo es nach Hofmannsthal seinen „selbstverständlichen Platz“ gefunden zu haben schien. Mittelalter und Barockzeit, Kirche und Friedhof, Mönche und Musikanten schienen hier in der Gegenwart präsent. Seit 2013 gibt es vor jeder Vorführung einen Umzug vom Festspielhaus zum Salzburger Domplatz. Die Titelrolle des „Jedermann“ zu spielen gilt als eine Ehre, die nur den berühmtesten Theaterschauspielern zuteil wird.