„Rings der Wälder tiefes Schweigen“

Die Driburger und ihre Burg
Reihe „Die Driburger und ihr Bad“

Elisabeth Affani

Bad Driburg. „Auf ihrer Ostseite liegt im anmuthigen Thale, über welches sich das Gemäuer des alten Bergschlosses Iburg erhebt, der 1782 gegründete freundliche Kurort“, schreibt Leonard von Zedlitz-Neukirch 1834 in seinem Bäderbuch über die Stadt und macht gleich den Gründer des Bades zum Besitzer des „Kurortes“. Die Iburg gehörte nicht zu seinem Besitz. Doch Schloss klingt gleich viel attraktiver als Burg und ist für die touristische Vermarktung geeigneter. Elegante, vornehme Damen sollten zuerst durch den Kurpark flanieren und dann Kaiser Karl nachspüren.

Theodor Simon beschreibt in seiner Stadtgeschichte 1966 den „beschwerlichen Fußweg“ zur Ruine auf dem „ins Tal vorspringenden Sporn des Eggegebirges“. Der Wanderer sah schon 1966 nur noch die „kaum erkennbaren Reste der Schutzanlage einer alten sächsischen Volksburg“ mit Graben, Wall und Mauer.

Viele Generationen von Schülern erklommen seitdem den Berg und schritten durch das Burgtor auf den Burghof, auf dem das „Bergschloss“ nur noch als Ruine zu finden ist. Am interessantesten ist für sie der Grillplatz im Osten der Anlage.
Von der Terrasse der Sachsenklause können Besucher über das Driburger Tal bis zum Steinberg schauen, wenn die Pflanzen am Hang die Sicht freigeben. Wer die Stufen des Kaiser-Karls-Turms aus dem Jahre 1904 nicht scheut, hat bei klarem Wetter einen schönen Blick über die Hügel hinaus bis zum Köterberg und ins Weserbergland oder zum Desenberg.

Zu schön wäre es gewesen, wenn wir Beweise gefunden hätten dafür, dass die Varusschlacht um die Iburg herum stattgefunden haben könnte. Für eine Ausstellung im Glasmuseum war der Mythos willkommen. Tatsache bleibt: Es ist nicht viel übrig geblieben. Außer dem Bergfried sind die Reste des Brunnens noch gut sichtbar. Auch die Umrisse der kleinen Kirche erkennt man. Ein Kreuz davor mit der lateinischen Aufschrift verspricht so lange zu stehen, wie die Erde sich dreht.

Quelle: Scan aus Stadtgeschichte 1966

Der erste große Zerstörer war Karl der Große (747 – 814). Franken schlugen auf Sachsen los. Niemand kann belegen, dass Karl auch eine heidnische Iburg-Irminsul beseitigte. Er schenkte die Anlage der Paderborner Kirche. Eine Klostergründung wurde versucht, Helmtrud ging hier in Klausur, aber die Heerser Nonnen zogen lieber nach Gehrden. Paderborner Fürstbischöfe bauten die „Dynastenburg“ zu einer Festung und Sommerresidenz aus. Bischof Bernhard V. aber verschenkte sie, ihm war die neue Dringenberger Burg lieber.

Ganz unwichtig kann sie nicht gewesen sein, weil sich mehrere Parteien um die Besitzrechte stritten. Für die Driburger bot sie Schutz in kriegerischen Zeiten, falls sie fit genug für den Aufstieg waren. Domherr Johann von Driburg jedenfalls schenkte die Burg vor seinem Tod 1437 der Stadt Driburg. 1444 wurde die Iburg von Herzog Otto von Braunschweig niedergebrannt. Warum? Was wollte der hier?
Auch die Geschichte der Ritter von Iburg oder Driburg endete.

Der zweite große Zerstörer ist die Zeit. „Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein“ und „Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein“ dichtete Andreas Gryphius 1637, als Katholiken und Protestanten 30 Jahre lang aufeinander losschlugen.
Die Burg ist „jetzt umwuchert von Gestrüpp und wilden Ranken“, dichtete Friedrich Wilhelm Weber 1878. Ihr geht es wie seinem Werk. „Ihre Dächer sind verfallen, und der Wind streicht durch die Hallen“ könnte man statt an der Saale auch auf der Iburg singen.

Archäologen der letzten beiden Jahrhunderte hofften vergeblich auf wertvollere Funde, die es rechtfertigen würden, Arbeit und Geld in den Schutz vor dem weiteren Verfall der Ruine zu investieren. Th. Simon schreibt: „An die Stelle bewehrter Ritter und abgabepflichtiger Bauern […] sind Kurgäste und Sonntagsspaziergänger getreten, die nach einem oft recht flüchtigen Blick auf die Ruinen im Restaurant ihren Kaffee schlürfen.“

Wir stellen uns vor, wie die Ritter und Bauern aufeinander losschlugen und anschließend, falls sie überlebten, Met in sich hineinschütteten. Wir stellen dieses fragwürdige Verhalten in „Historica-Festivals“ nach. Brot und Spiele waren schon bei den alten Römern lebenswichtig. Der Iburg-Mythos als Instrument der Tourismus-Förderung darf gern versachlicht werden.

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Es wäre schade, wenn wir die Ruine weiter verfallen ließen. Immer noch ist es ein wunderschönes Ausflugsziel, der Spaziergang führt durch einen wunderschönen Buchenwald, bei dem man zum Glück keinen Massenansturm erlebt, sondern manchmal alte Bekannte trifft und zu einem Plausch stehenbleibt. Auf der Terrasse der Sachsenklause kann man hoffentlich wieder den Riesen-Windbeutel mit heißen Kirschen und Schlagsahne genießen und dann froh sein, wenn man mit dem Auto hochgefahren ist.