Ein Blick auf die historische Tarif-Revolution im Schatten der Preiswende
Alexander Bieseke
Bad Driburg. Das Deutschlandticket steht vor einer spürbaren Veränderung: Zum 1. Januar 2027 steigt der Preis für das bundesweit gültige Nahverkehrs-Abo auf 66,80 Euro pro Monat. Auch für viele Pendler in Bad Driburg und dem Hochstift bedeutet dies eine Umstellung – zumal Bestandskunden der Preiserhöhung bei den meisten Verkehrsunternehmen bis Ende November aktiv zustimmen müssen, da ihr Abonnement sonst automatisch erlischt. Trotz dieses aktuellen Einschnitts bleibt das Ticket der größte verkehrspolitische Meilenstein der jüngeren deutschen Geschichte. Ein Blick zurück zeigt, wie aus einer kurzfristigen Notlösung eine dauerhafte Tarif-Revolution wurde und welcher Politiker das Projekt maßgeblich durchsetzte.
Die Geburtsstunde: Eine Nachtsitzung im Schatten der Energiekrise
Der historische Ursprung des Tickets liegt im Frühjahr 2022. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine explodierten weltweit die Energie- und Kraftstoffpreise. Die damalige Bundesregierung stand unter massivem Druck, die Bürger schnell und spürbar finanziell zu entlasten.
In den frühen Morgenstunden des 24. März 2022, gegen 5:00 Uhr morgens, kam in einer marathongleichen Nachtsitzung des Koalitionsausschusses der Durchbruch: Die Idee für ein radikal günstiges ÖPNV-Ticket war geboren. Daraus entstand das legendäre „9-Euro-Ticket“, das im Sommer 2022 für drei Monate lang ganz Deutschland in einen kollektiven Bahn-Rausch versetzte.
Der federführende Politiker: Volker Wissing
Federführend bei dieser Entwicklung und der anschließenden Verstetigung war der damalige Bundesminister für Digitales und Verkehr, Volker Wissing. Wissing brachte den ursprünglichen Vorschlag in die Verhandlungen ein (damals noch als Entwurf für ein „90 für 90“-Ticket).
Nach dem gigantischen Erfolg des dreimonatigen Sommer-Experiments galt Wissing als der politische „Vater“ des Nachfolgemodells. Gegen erhebliche Widerstände aus den Bundesländern, Finanzierungsdebatten und das föderale Dickicht der über 60 regionalen Verkehrsverbünde boxte er das dauerhafte Deutschlandticket durch. Wissing feierte das am 1. Mai 2023 gestartete Ticket als „Tarifrevolution“, die das komplizierte „Tarif-Abitur“ in Deutschland endlich abgeschafft habe.
Auswirkungen bis nach Bad Driburg
Die Einführung des Tickets zeigte, dass die Menschen bereit sind, auf Bus und Bahn umzusteigen, wenn das Angebot unkompliziert und bezahlbar ist. Auch in Bad Driburg und dem gesamten Kreis Höxter erfreut sich das Ticket seither großer Beliebtheit und vereinfacht Fahrten im Regionalverkehr der Eurobahn oder den lokalen Buslinien erheblich. Die nun anstehende Preisanpassung auf 66,80 Euro markiert ein neues Kapitel für den Alltagsbegleiter, ändert jedoch nichts an seiner historischen Bedeutung für die Mobilität im ländlichen Raum.