„Zwischen Rossmann-Regal und Nazi-Flügel: Warum ich lieber dusche als der AfD auch nur einen Tropfen Aufmerksam-keit zu schenken“

Wann kommen endlich die Duschbomben ins Regal?

Ein Kommentar von Alexander Bieseke

Bad Driburg. In Deutschlands Drogerieregalen tobt die große Polit-Oper, während das beschauliche Bad Driburg ganz entspannt danebensteht und mit seiner Ein-Drogerie-Monokultur glänzt.

Während Rossmann lautstark seinen Austritt aus dem Familienunternehmerverband verkündet, weil dieser die AfD hofierte, sitzt dm irgendwo im fernen Westen Deutschlands und meditiert vermutlich über Badeöl, Lavendelduft und Betriebsphilosophie.
Doch Bad Driburg muss über diese Wahlfrage gar nicht nachdenken – wir haben genau einen Laden, und der heißt Rossmann.

Ich persönlich?
Als Rollstuhlfahrer dusche ich ohnehin lieber, schon wegen der Statik und der Physik. Wobei ich anmerken möchte: Weder Rossmann noch dm führen diese wunderbaren „Duschbomben“, die das heimische Bad in eine duftende und erholende Zauberwelt verwandeln könnten.
Bad Driburg bleibt also weiterhin „Duschbombe-frei“ – politisch und kosmetisch?

Und dann ist da noch diese Partei, deren Einladung zum Verband den ganzen Rossmann-Aufruhr ausgelöst hat: die AfD.
Ein politisches Konstrukt, das ich persönlich ablehne – und zwar ausdrücklich aufgrund des menschenverachtenden, offen nationalistisch angehauchten Flügels, der in diesem Land niemandem guttut, am wenigsten Menschen wie mir.

Denn was bietet die AfD Menschen mit Behinderungen?
Nun: weniger Teilhabe, weniger Inklusion, und am liebsten überhaupt keine Inklusion an Schulen. Da täuscht auch kein rollstuhlfahrender für was auch immer sachkundiger Bürger hinweg.

Barrierefreiheit scheint für manche in dieser Partei nur dann interessant, wenn es darum geht, den eigenen Gedankengang möglichst flach zu halten.

Während also in Talkshows diskutiert wird, ob Rossmanns Austritt ein „Zeichen“ oder nur eine Marketingidee ist, lebt Bad Driburg in seiner eigenen pragmatischen Realität:
Der politische Widerstand äußert sich hier darin, dass man beim Einkauf demonstrativ den Wagen etwas lauter durch die Gänge rollt.

Denn hier lautet die zentrale Frage nicht:
„Rossmann oder dm?“
sondern:

Duschbomben

Wann gibt’s endlich Duschbomben und warum muss ich mich überhaupt mit einer Partei auseinandersetzen, die mich als Mensch im Rollstuhl am liebsten aus dem öffentlichen Leben rausdefinieren würde?“

Das bin ich, mit meiner kürzlich verstorbenen Lilly, die selbst beim Duschen auf mich acht gab.

Doch am Ende bleibt Bad Driburg ein Ort, an dem sich alles auf eine zeitlose Wahrheit reduziert:

Die AfD mag Menschen ausschließen wollen –
aber wenigstens Rossmann lässt uns alle rein und das stufenlos und mit einer Automatiktür.

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