Doris Dietrich
Bad Driburg. Ein Konzertabend, der Musik, Literatur und Licht auf wunderbare Weise miteinander verband: Vor kurzem lud die Band Gegenwind unter dem Titel „Lieder, Licht und Literatur“ in die evangelische Kirche am Kurpark ein. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher waren gekommen, um einen besonderen Abend zu erleben. Einige hatten dafür sogar eine weite Anreise aus dem Harz auf sich genommen. Calle Swoboda, der Bandleiter, und seine Bandmitglieder freuten sich sehr über den großen Zuspruch.

Die Kirche hatte sich für diesen Anlass in einen stimmungsvollen Veranstaltungsraum verwandelt. Zwischen den Instrumenten und einer liebevollen Dekoration mit einem passenden Bücherregal war bereits vor Konzertbeginn zu spüren, dass Literatur an diesem Abend eine besondere Rolle spielen würde. Für ein eindrucksvolles Farbenspiel und eine außergewöhnliche Lichtstimmung sorgte die professionelle Lichttechnik der Veranstaltungstechnik Neumann GbR. Die Beleuchtung wurde passend zu den jeweiligen Liedern und Texten abgestimmt: Als es beispielsweise um die Liebe ging, leuchtete ein großes rotes Herz an der Decke, während rotes Licht die gesamte Kirche in eine besonders romantische Atmosphäre tauchte. So wurden Musik und Worte nicht nur hörbar, sondern auch visuell auf eindrucksvolle Weise erlebbar.
35 Jahre Bandgeschichte und die drei L
Seit mittlerweile 35 Jahren gibt es die Band Gegenwind. Acht Musikerinnen und Musiker – zwei Damen und sechs Herren – verstanden es, den Funken schnell auf das Publikum überspringen zu lassen. Paderborn kennt im Sommer die drei großen K: Kirmes, Kirche und Kultur. An diesem Abend standen nun die drei L im Mittelpunkt: Lieder, Licht und Literatur. Dass der 24. Oktober zugleich der Tag der Bibliotheken war, passte hervorragend zum Programm.
Zwischen den Liedern wurden Gedichte und literarische Texte vorgetragen, die zum Nachdenken anregten und den musikalischen Darbietungen einen besonderen Rahmen gaben. Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ mit der berühmten Zeile „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ eröffnete einen literarischen Bogen, der sich durch den gesamten Abend zog.
Auch die Erinnerung an den 10. Mai 1933, den Tag der Bücherverbrennung, fand ihren Platz. Worte können verbinden, aber auch verletzen und als scharfes Schwert eingesetzt werden. In diesem Zusammenhang wurde an Sophie Scholl und Dietrich Bonhoeffer erinnert und daran, wie wichtig es ist, für Freiheit, Menschlichkeit und die Kraft des Wortes einzustehen.


Eine literarische Reise durch die Jahrhunderte
Literarisch ging die Reise weiter zu Friedrich Wilhelm Weber und seinem Epos „Dreizehnlinden“, zu Johann Wolfgang von Goethe mit dem Gedicht vom Ginkgoblatt sowie zu Friedrich Hölderlin und „Die Hälfte des Lebens“. Besonders interessant war dabei der Bezug zur Region: Hölderlin verbrachte eine seiner schönsten Lebenszeiten in Driburg durch die Liebe zu Susette Gontard – seiner Diotima. Mit Friedrich von Hardenberg, besser bekannt als Novalis, und seinen „Hymnen an die Nacht“ erhielt der Abend eine weitere poetische Facette.
Zwischen den Gedichten erklangen Lieder, die berührten, Erinnerungen weckten und zum Mitsingen einluden. So gehörte „Ich wollte nie erwachsen sein“ ebenso zum Programm wie „Knockin’ on Heaven’s Door“ von Bob Dylan. Dabei wurde an das Jahr 1997 erinnert, als rund 300.000 Zuhörer in Bologna zusammenkamen. Auch Bob Dylans besondere Bedeutung als Songwriter, dem der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde, klang an.
Ruth und Marion sorgten mit ihrem Duett „Lass es Liebe sein“ für einen besonders stimmungsvollen Moment. Mit Heinz Rudolf Kunzes „Aller Herren Länder“ und einem eigenen Lied der Band, „Jeder ist Licht“, setzten die Musiker weitere musikalische Akzente.


Gemeinsam singen und ein Zeichen setzen
Ein Höhepunkt war die Einbeziehung des Publikums. Mit einem eigens ausgelegten Liedblatt konnten die Besucherinnen und Besucher bei „Wir wollen aufsteh’n, aufeinander zugeh’n, voneinander lernen, miteinander umzugeh’n“ kräftig mitsingen. Viele standen auf und stimmten begeistert ein. So wurde aus dem Konzert ein gemeinschaftliches Erlebnis.
Auch musikalisch überzeugte die Band mit ihrer vielseitigen Besetzung: Bandchef Calle Swoboda, der mit Gesang und Gitarre das musikalische Geschehen prägte, David am Schlagzeug, Norbert an der Gitarre, Ulli mit Gesang und Saxophon, Bernhard an der zweiten Gitarre sowie Ruth und Marion mit ihren ausdrucksstarken Gesangsstimmen. Gemeinsam sorgten sie für einen abwechslungsreichen und mitreißenden Abend.
Ein leuchtendes Finale mit stehenden Ovationen
Ein wahrhaft leuchtendes Finale bildete „We Are the World“. Wie von selbst verwandelten die Besucherinnen und Besucher die Kirche in ein beeindruckendes Lichtermeer: Überall leuchteten die Taschenlampen ihrer Smartphones auf und tauchten den Raum in eine ganz besondere Atmosphäre. Ein passenderes Schlussbild für einen Abend unter dem Motto „Lieder, Licht und Literatur“ hätte es kaum geben können.
Der begeisterte Applaus wollte kaum enden und mündete schließlich in stehenden Ovationen für die Musikerinnen und Musiker. Eine wunderbare Anerkennung für die Band Gegenwind, die mit ihrem abwechslungsreichen Programm, ihrer Spielfreude und ihrer Nähe zum Publikum einen unvergesslichen Abend gestaltet hatte. Auch die Spendenbereitschaft der Besucher war groß. Sie zeigten damit ihre Wertschätzung und Unterstützung für die musikalische Arbeit.
Zum Abschluss bedankte sich Calle Swoboda beim großartigen Publikum, das mit seiner Begeisterung und den großzügigen Spenden zum Gelingen des Abends beigetragen hatte. Ein besonderer Dank galt der Veranstaltungstechnik Neumann GbR für die eindrucksvolle Lichtgestaltung sowie der evangelischen Kirchengemeinde für ihre Gastfreundschaft und Frederike Wieneke, die als Gemeindepädagogin ebenfalls unter den Gästen war.
So endete ein Konzertabend, der weit mehr war als eine musikalische Veranstaltung: Er verband Literatur und Musik, Erinnerung und Hoffnung, Nachdenklichkeit und Lebensfreude. Vor allem aber machte er deutlich, dass Worte, Lieder und gemeinsames Erleben Licht in die Welt bringen können.
