Mehr Züge nach Paderborn, Holzminden und Göttingen geplant

NWL sieht große Chancen für den Bahnverkehr im Hochstift

Neue Takte, elektrische Züge und zusätzliche Bahnhöfe – Fahrgastverband PRO BAHN fordert jedoch mehr Verbindlichkeit

Alexander Bieseke

Bad Driburg/Kreis Höxter/Paderborn. Der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) hat ehrgeizige Pläne für den Schienenverkehr in Ostwestfalen-Lippe vorgestellt. Besonders die Bahnverbindungen zwischen Paderborn, Höxter, Holzminden und Göttingen sollen in den kommenden Jahren deutlich ausgebaut werden. Geplant sind häufigere Zugverbindungen, moderne elektrische Fahrzeuge und sogar neue Bahnhöfe entlang der Strecke.

Doch trotz der umfangreichen Zielnetzplanungen mahnt der Fahrgastverband PRO BAHN zur Vorsicht. Viele Vorhaben seien sinnvoll, bislang aber weder finanziell noch zeitlich ausreichend abgesichert.

Halbstundentakt zwischen Paderborn und Holzminden

Zu den wichtigsten Projekten gehört die geplante Verdichtung des Angebots auf der Strecke Paderborn–Höxter–Holzminden. Nach den Vorstellungen des NWL soll dort künftig ein 30-Minuten-Takt angeboten werden.

Für Pendler, Schülerinnen und Schüler sowie Berufspendler würde dies eine deutliche Verbesserung bedeuten. Gleichzeitig sollen die heutigen Dieselzüge auf den Linien RB84 und RB85 durch moderne batterieelektrische Fahrzeuge ersetzt werden. Nach den aktuellen Planungen könnte die Umstellung ab 2030 erfolgen.

Auch östlich von Holzminden soll das Angebot ausgebaut werden. Die RB84 soll langfristig mindestens im Stundentakt verkehren und perspektivisch sogar bis Bad Harzburg verlängert werden.

Schnellere Verbindungen nach Göttingen und Hannover

Eine weitere zentrale Zielsetzung ist die bessere Anbindung Südniedersachsens. Göttingen als Universitäts-, Forschungs- und Fernverkehrsstandort soll aus dem Hochstift künftig einfacher erreichbar werden.

Darüber hinaus sieht das Zielnetz NRW 2032 vor, die Verbindung zwischen Paderborn und Hannover zu beschleunigen. Statt der heutigen S-Bahn-Struktur strebt der NWL langfristig eine schnellere Regionalexpress-Verbindung an. Dadurch sollen Reisezeiten verkürzt und die Attraktivität der Strecke gesteigert werden.

Neue Bahnhöfe im Hochstift

Neben den Angebotsverbesserungen untersucht der NWL auch neue Haltepunkte.

Als Stationen mit „sehr hohem Potenzial“ und möglicher Umsetzung bereits im Zielnetz NRW 2032 werden der neue Bahnhaltepunkt am Paderborner Zukunftsquartier sowie ein zusätzlicher Halt in Corvey eingestuft.

Für das Zielnetz NRW 2040 erhält zudem Nieheim-Himmighausen die Bewertung „sehr hohes Potenzial“. Die Station könnte die Erreichbarkeit des Nordkreises Höxter deutlich verbessern.

Deutlich zurückhaltender fällt die Einschätzung für einen möglichen Haltepunkt in Bad Driburg-Reelsen aus. Dieser wird lediglich als Standort mit geringem bis mittlerem Potenzial bewertet.

PRO BAHN sieht erhebliche Schwächen im Nahverkehrsplan

Während der Fahrgastverband PRO BAHN viele Ausbauziele grundsätzlich unterstützt, fällt seine Stellungnahme zum Entwurf des Nahverkehrsplans deutlich kritisch aus.

Der Verband bemängelt insbesondere, dass zahlreiche Probleme beschrieben würden, konkrete Lösungen jedoch häufig fehlten. Aus Sicht von PRO BAHN reicht es nicht aus, langfristige Zielnetze zu formulieren. Stattdessen seien verbindliche Schritte zur Umsetzung erforderlich.

Für die Region Hochstift fordert der Verband unter anderem:

• einen durchgehenden Stundentakt des RE11 zwischen Dortmund, Paderborn und Kassel,

• schnellere Verbindungen nach Hannover,

• bessere Anschlüsse Richtung Bielefeld, Münster und Osnabrück,

• eine stärkere Orientierung an den Zielnetzen NRW 2032 und 2040,

• sowie mehr Transparenz bei der Priorisierung der Projekte.

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Kritik an Baustellenmanagement und Bestandsanalyse

Besonders kritisch bewertet PRO BAHN den Umgang mit künftigen Baustellen und Streckensperrungen. Der Entwurf lasse weitgehend offen, wie Fahrgäste während umfangreicher Bauarbeiten zuverlässig ans Ziel gelangen sollen.

Zudem wirft der Verband dem NWL vor, bestehende Verkehrsangebote teilweise unvollständig darzustellen. Dies betreffe insbesondere die Verbindungen in Richtung Hannover. Dadurch entstehe nach Ansicht von PRO BAHN ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Situation.

Auch mögliche Nachteile einzelner Betriebskonzepte würden nicht ausreichend dargestellt. Zielkonflikte müssten offener benannt werden, fordert der Verband.

Finanzierung bleibt die entscheidende Frage

Trotz der ambitionierten Ziele bleibt die Finanzierung der größte Unsicherheitsfaktor. Viele Projekte setzen erhebliche Investitionen in Infrastruktur, Fahrzeuge und Bahnhöfe voraus.

Rainer Engel von PRO BAHN Ostwestfalen-Lippe bezeichnet die Zielnetzplanungen deshalb als „riesigen Wunschzettel“, dessen Umsetzung stark von den künftig verfügbaren Finanzmitteln abhänge.

Dennoch zeigt der Nahverkehrsplan, in welche Richtung sich der Schienenverkehr in den Kreisen Paderborn und Höxter entwickeln soll: mehr Verbindungen, bessere Takte, moderne Fahrzeuge und zusätzliche Bahnhöfe. Ob daraus tatsächlich Realität wird, dürfte sich in den kommenden Jahren entscheiden.

Titelbild: Eine barrierefreie digitale Anzeige mit Sprachausgabe wurde auf den Bahnsteig installiert

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