Die Bilanz der Ära Deppe zwischen Glanz und Scherbenhaufen
Alexander Bieseke
Bad Driburg. Es war ein Abschied ohne die Bürger, für die er über zwei Jahrzehnte die Verantwortung trug. Auch nur “genehme” Presse fand Zugang. Am Dienstagabend, den 27. Januar 2026, fand im Rathaus im Beisein von Landrat Michael Stickeln die feierliche Verabschiedung von Bürgermeister Burkhard Deppe (CDU) statt, so schreibt es zumindest die Stadt Bad Driburg auf Ihrer Seite. Dass die Veranstaltung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, wirkte auf Beobachter wie ein letztes Symbol einer Amtszeit, die zwar die Fassaden der Stadt verschönert, aber die politische Transparenz und den sozialen Frieden oft vermissen ließ. Ebenfalls verabschiedet wurden Stadtverordnete, die dem neuen Stadtrat nicht mehr angehören.


Fotos: Stadt Bad Driburg
Glanzvolles Zentrum, ruinöse Finanzen
Nachfolger Tobias Tölle würdigte in seiner Laudatio mit Respekt die Errungenschaften der letzten zwei Jahrzehnte und hob beispielhaft die Mission „Aktives Stadtzentrum“ hervor. Er zeichnete das Bild einer Stadt, die heute in einem „einheitlichen, hochwertigen Look“ erstrahle – vom staudengefüllten Rathausvorplatz über die neu gestaltete Mühlenpforte bis hin zum sprudelnden Leonardobrunnen und der Brunnenstraße.
Doch hinter dieser von Tölle gelobten Kulisse klaffen tiefe finanzielle Abgründe. Das prominenteste Beispiel für diese Ambivalenz ist die Driburg Therme, die trotz ihrer Bedeutung für den Tourismus seit Deppes Amtsantritt ein „Fass ohne Boden“ darstellt und jährlich Millionensummen an Steuergeldern verschlang. Zudem wird das von Tölle zitierte „Vertrauen und der Respekt“, den Deppe sich erarbeitet habe, durch einen juristischen Paukenschlag überschattet: Im September 2025 bestätigte das Landgericht Paderborn, dass die Stadt durch eine fehlerhafte Verzichtserklärung der Verwaltung wertvolle Wasserrechte an der Wiesenquelle verloren hat. Der resultierende Millionenschaden mündete kurz vor der Wahl in eine Strafanzeige wegen Amtsuntreue gegen Deppe und seinen Beigeordneten Scholle – ein Verfahren, das die Justiz und das von Tölle beschworene „Erbe“ noch lange beschäftigen wird.
Der Kurpark-Streit: Eine belastete Partnerschaft
Ein roter Faden durch die Ära Deppe war das spannungsreiche Verhältnis zum größten privaten Akteur der Stadt, der “gräflichen” Familie (UGOS). Der jahrelange Kurparkstreit um die Vergütung für die Parknutzung führte 2021 zu einem Heilbadvertrag, den Kritiker als „Kniefall“ bezeichneten. Die Stadt verpflichtete sich zu Zahlungen in Millionenhöhe, während gleichzeitig über die Sperrung von Wegen und die Einschränkung bürgerlicher Rechte im Park gestritten wurde. Die Intransparenz der Verhandlungen hinter verschlossenen Türen unter Leitung des Beigeordneten Scholle, nährte über Jahre den Vorwurf einer zu großen Nähe der Stadtspitze zu gräflichen Interessen.
Bildungspolitik mit verheerender Wirkung: Das Ende der Kooperation mit Altenbeken
Besonders dramatisch stellt sich die Lage im Bildungssektor dar. Die einstige langjährige Vorzeigekooperation mit der Nachbargemeinde Altenbeken auch zur Gründung einer gemeinsamen Gesamtschule 2012 scheiterte unter Deppe 2016 krachend. Der Bruch mit dem damaligen Altenbekener Bürgermeister Hans-Jürgen Wessels markierte den Tiefpunkt der interkommunalen Zusammenarbeit.
Altenbeken zog sich aus dem Projekt zurück da das gegenseitige Vertrauen in die Lastenverteilung erloschen war. Die Stadt an der Beke organisierte dataufhin eine Realschule in privater Trägerschaft.
Heute steht die Gesamtschule Bad Driburg in einer gefährlichen Schieflage: Mit nur 63 Neuanmeldungen für das Schuljahr 2025/26 ist der Fortbestand der Oberstufe akut gefährdet. Die Politik diskutiert bereits über eine Umwandlung in eine Sekundarschule oder das jahrgangsweise Auslaufen der Schule bis 2034. (BDiB berichtete)
Der „Bruch von Neuenheerse“ als politischer Todesstoß
Dass die CDU unter Deppe letztlich ihre absolute Mehrheit verlor, war die direkte Quittung für eine als arrogant empfundene Schulpolitik gegenüber den Ortsteilen. Die geplante Schließung der Grundschule in Neuenheerse in 2019 löste eine beispiellose Revolte aus.
In der Folge traten die Ratsmitglieder Karl-Heinz Schwarze und Heiko Bulk – beide fest in Neuenheerse verwurzelt – 2016 aus der CDU-Fraktion aus. Ihr Protest gegen einen Politikstil, der die Dörfer zugunsten prestigeträchtiger Kernstadt-Projekte vernachlässigte, kostete die Union die Machtbasis und dürfte einer der Punkte sein, der Tobias Tölle später den Weg ins Rathaus bahnte.
Ein gespaltenes Erbe
Burkhard Deppe hinterlässt eine Stadt der Gegensätze: neue Pflastersteine in der Fußgängerzone stehen einer zerrütteten Schullandschaft, einem Millionenverlust bei der Therme und einem verlorenen Rechtsstreit um die Wiesenquelle gegenüber. Während Deppe sich im Januar 2026 im kleinen Kreis feiern ließ, beginnt für Bad Driburg nun die mühsame Aufgabe, die Trümmer einer jahrzehntelangen Alleinherrschaft wegzuräumen.
Titelbild: Bürgermeister Tobias Tölle, hängt das Bild von seinem Vorgänger an die Wand und reiht es somit in die Galerie der Bad Driburger Bürgermeister ein. Foto: ÖDP
Guten Tag, Herr Bieseke,
Ihre Berichte lese ich doch recht gerne, Obgleich es sich hier um eine Laudatio des SPD-Oppositionspolitikers Bieseke handelt, der den Anlass -nämlich die Würdigung des Altbürgetmeisters- mindestens vom Ton nicht richtig trifft.
Ich glaube, dies war nicht die Gelegenheit, alte Wunden zu lecken. M.E. wäre hier journalistischer Abstand geboten gewesen
Vielen Dank für Ihren Kommentar und die damit verbundene Kritik.
Sie fordern „journalistischen Abstand“ und empfinden meine kritische Einordnung zum Abschied von Burkhard Deppe als unpassend für den feierlichen Anlass.
Dazu muss ich eines in aller Deutlichkeit feststellen: Journalistischer Abstand bedeutet nicht, zum Komplizen einer geschönten Selbstdarstellung zu werden.
Die Veranstaltung am vergangenen Dienstag war kein privater Geburtstag, sondern der offizielle Abschied eines Wahlbeamten nach 21 Jahren im Dienst der Öffentlichkeit.
Wenn die Stadtverwaltung zu einem solchen Ereignis keine öffentliche Einladung ausspricht und stattdessen selektiv nur „genehme“ Pressevertreter einlässt, während kritische Redaktionen bewusst vor der Tür bleiben, dann ist das ein massiver Eingriff in die Informationsfreiheit.
Ein solches Vorgehen riecht nach Hofberichterstattung. Wer die Presse aussperrt, möchte keine journalistische Distanz – er möchte die Kontrolle über das Narrativ.
Er möchte, dass nur über den Glanz der neuen Pflastersteine berichtet wird, während die Millionenverluste der Therme, der Schulbruch in Neuenheerse oder die juristischen Trümmer der Wiesenquelle im Dunkeln bleiben.
Sie schreiben, dies sei nicht die Gelegenheit, „alte Wunden zu lecken“. Ich sage: Es ist genau die Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. Eine ehrliche Bilanz verträgt kein Weichzeichner-Licht. Ein Bürgermeister, der zwei Jahrzehnte lang die Machtfülle in Bad Driburg innehatte, muss sich an seinen Ergebnissen messen lassen – bis zur letzten Minute seiner Amtszeit und darüber hinaus.
Es ist nicht die Aufgabe der freien Presse, als „Hofmusiker“ das Programm einer geschlossenen Gesellschaft zu untermalen. Unsere Aufgabe ist es, den Bürgern das gesamte Bild zu zeigen – auch und gerade die Teile, die man im Rathaus lieber hinter verschlossenen Türen gelassen hätte.
Wenn Transparenz für Sie „Wunden lecken“ ist, dann haben wir grundlegend verschiedene Auffassungen von der Rolle der Medien in einer gesunden Demokratie. Wir werden auch weiterhin dort nachfragen, wo andere schweigen. Auch wenn man uns dafür die Tür vor der Nase zuschlägt.
Ihre Redaktion