Bisher knapp 1500 Unterschriften einer Online-Petition durch die Elternpflegschaft der Schule
Alexander Bieseke
Bad Driburg/Paderborn. Die gemeinnützige Selbsthilfegruppe pro barrierefrei e. V. spricht sich entschieden gegen die geplante Einsparung des blinden- und behindertengerechten Lehrschwimmbeckens der LWL-Pauline-Schule in Paderborn aus. Der Schulträger erwägt, das speziell ausgestattete Becken zu schließen – mit gravierenden Folgen für die Teilhabe und Chancengleichheit der betroffenen Schülerinnen und Schüler.
Für viele der schwerstbehinderten und sehgeschädigten Kinder der Pauline-Schule ist das Lehrschwimmbecken die einzige Möglichkeit, sicher, selbstbestimmt und ohne Hilfsmittel Bewegungserfahrungen zu machen. Durch den Auftrieb des Wassers werden motorische Fähigkeiten möglich, die an Land entweder gar nicht oder nur mit enormem Kraftaufwand ausgeführt werden können. Besonders blinde und hochgradig sehbehinderte Schülerinnen und Schüler profitieren von diesem geschützten Raum, der es ihnen erlaubt, angstfrei neue Bewegungen zu erproben.
„Eine Schließung dieses Beckens würde für viele Kinder das komplette Aus des Schwimmunterrichts bedeuten“, warnt pro barrierefrei e. V. Vorsitzender Wilk Spieker.


Öffentliche Schwimmbäder können aufgrund fehlender barrierefreier Ausstattung nicht genutzt werden. Das Lehrschwimmbecken der Pauline-Schule verfügt hingegen über ein Deckenliftersystem, haptische Bodenindikatoren, barrierefreie Duschbereiche, Duschwagen sowie höhenverstellbare Pflegetische – Ausstattungsmerkmale, die für den sicheren Zugang schwerstbehinderter Kinder unverzichtbar sind.
Darüber hinaus setzt sich pro barrierefrei e. V. dafür ein, dass das Becken zukünftig auch anderen Gruppen und Initiativen zugänglich gemacht werden kann. Die bisherige Satzung des Schulträgers verhindert eine solche Öffnung, obwohl ein gesamtgesellschaftlicher Nutzen klar gegeben wäre.
„Teilhabe, Inklusion und Chancengleichheit sind keine optionalen Zusatzleistungen – sie sind gesetzlich verankerte Rechte“, so pro barrierefrei e. V. weiter. „Wir fordern den Schulträger und die politischen Gremien auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und das einzig vorhandene barrierefreie Schwimmangebot für diese Kinder dauerhaft zu sichern.“
pro barrierefrei e. V. ruft Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit dazu auf, den Erhalt des Lehrschwimmbeckens aktiv zu unterstützen.
Titelbild: Das Schwimmbecken in den 50ern. Quelle: LWL