Interview mit Volker Schwartz, Geschäftsführer des Gräflichen Parks

Mehr Aufmerksamkeit für die Belange des Gräflichen Parks geweckt

Bad Driburg. Seit Dezember 2018 ist Volker Schwartz Geschäftsführer des Gräflicher Park Health & Balance Resort. Mit ihm führte Alexander Bieseke, Herausgeber von Bad Driburg im Blick, das folgende Interview.
Kernthema sind wiederum die Verhandlungen zwischen dem Gräflichen Park und der Stadt Bad Driburg, insbesondere die Bauzaun-Aktion. Laut Volker Schwartz war den Akteuren bewusst, dass sie polarisierten. Das Ziel, Aufmerksamkeit zu wecken und die Bedeutung des Kurparks für Bad Driburg herauszustellen, sei erreicht worden. In die festgefahrenen Verhandlungen sei Bewegung gekommen.

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„Es war eine Situation, in der wir handeln mussten“, betont der Geschäftsführer. Für die Bürger sei es über Weihnachten natürlich „nicht so schön“ gewesen. Doch es habe auch Fürsprecher gegeben, die positiv sahen, dass öffentlich, nicht hinter verschlossenen Türen verhandelt werde. Der Mediationstermin in Paderborn sei ein Folgetermin des Treffens im September gewesen. Im Vorfeld habe es Signale gegeben, dass die Mediation zu keiner Lösung führen werde, und daher habe sich der Gräfliche Park zu der Bauzaun-Aktion entschlossen. Ein Teil des Zauns sei zur Abgrenzung errichtet worden, weil private Flächen ohne Genehmigung genutzt worden seien.

Die Frage, ob Fördergelder beantragt wurden, um Investitionslücken zu schließen, kann Volker Schwartz mit dem Hinweis auf den Piet-Oudolf-Garten bejahen. Hier habe das Land NRW mitfinanziert. Allerdings bleibe bei Investitionen immer auch der Eigenanteil und der Versuch, dass sie sich selber trügen und das Ganze auf feste Füße stellten.
Zu den unterschiedlichen Summen, die die Unternehmensgruppe Graf von Oeynhausen-Sierstorpff fordert und die Stadt Bad Driburg zu zahlen bereit ist, erläutert Volker Schwartz, dass das Gericht den Selbstkostenerstattungspreis zugrundegelegt habe. Die Familie von Oeynhausen-Sierstorpff sei der Stadt entgegengekommen. Der Betrag, der von der Stadt für den Zeitraum 2019 – 2020 bezahlt worden sei, dürfe nicht verringert werden und müsse auch in Zukunft gelten. Die Kosten für die Erhaltung des Parks und Preise sowie Löhne seien gestiegen und würden weiter wachsen.

Von der Bemessung der Größe des öffentlich zugänglichen Parks, die auch vom vermittelnden Gutachter anders bewertet wurde, möchte Volker Schwartz nicht abweichen. Kurgäste nähmen den Park als eine Fläche wahr. Das Gutachten habe sich auf die Prüfung von 2018 bezogen, für das die Stadt eine wesentlich geringere Summe überwiesen habe, nicht 2019 und 2020. Etwa 700.000 Euro habe der Gräfliche Park 2018 aus seiner eigenen Kasse genommen. Das könne nicht über Jahre so weitergehen. Für die gräfliche Familie sei in den letzten zehn Jahren eine enorme Summe aufgelaufen.

Die von Kritikern vermutete finanzielle Schieflage des Unternehmens will Volker Schwartz nicht kommentieren. Das Unternehmen sei auf einem guten Weg gewesen, die Probleme seien erst durch die Pandemie entstanden. Sobald der Betrieb wieder geöffnet werden dürfe, könne die positive Entwicklung fortgesetzt werden.
Die Möglichkeit, dass die Stadt die öffentlichen Grünflächen pachten und die Kosten für die Erhaltung vollständig übernehmen könne, sei erst jetzt auf den Tisch gekommen. Aus dem Vergleich mit anderen Kurstädten wisse er, wie hoch das Defizit eines Kurparks sein könne, der öffentlich betrieben werde. Volker Schwartz hält es für wirtschaftlich sinnvoller, wenn der Park vom jetzigen Besitzer betrieben werde.
Der Golfplatz sei noch bis zum Jahr 2023 vom Golfclub gepachtet. Eine Renovierung der Bahnen, eine Erweiterung, die längere Nutzung als bisher und damit eine Qualitätssteigerung seien geplant.

In der augenblicklichen Situation seien konkrete Planungen zurückgestellt. Er sei 2018 nach Bad Driburg gezogen und habe festgestellt, dass dieses Fleckchen Erde schon etwas Besonderes sei. Das Gelände rund um den Kurpark sei noch entwicklungsfähig, und es sei aus seiner Sicht möglich, noch mehr Besucher nach Bad Driburg und den Umkreis von etwa dreißig Kilometern zu bekommen. Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssten stimmen, auch nach dem Abschluss eines längerfristigen Vertrages mit der Stadt.
Die Hotelgäste, vor allem die Stammgäste bevorzugten den ländlichen Charakter des Kurbades. Einige Neukunden hätten Anfang des Jahres die Umgebung erkundet und sie in ihren Bewertungen als überschaubar beschrieben. Für langfristige Planungen seien jedoch die Stammkunden unverzichtbar. In der Coronazeit hätten Städter ganz bewusst diesen Ort gewählt.

Alexander Bieseke fasst Kritikpunkte von Bad Driburgern zusammen in Bezug auf das fehlende Angebot publikumswirksamer Events im Gräflichen Park. Volker Schwartz weist auf 2020 und 2021 geplante, durch die Pandemie-Maßnahmen verhinderte Veranstaltungen hin, Sommerfeste und Open-Air-Events etwa an der Waldbühne. Um diese Zeit sollte ein mittelalterlicher Markt stattfinden. Dazu wäre eine breite Öffentlichkeit willkommen gewesen.

Auch über die Eintrittspreise werde mit der Stadt gesprochen, erklärt Volker Schwartz. Er hoffe, dass die Verhandlungen zu einer einvernehmlichen Lösung führen.
Es habe angesichts der öffentlichen Proteste gegen den Bauzaun Gespräche gegeben, so dass die Zugänge schließlich wieder geöffnet worden seien. Die Bad Driburger müssten überlegen, was dieser Kurpark ihnen wert sei. Die Meinungen und Argumente der Ratsgremien kenne er nicht. Es gebe in der Öffentlichkeit nicht haltbare Vergleiche und auch nicht immer hundert Prozent Wissen, bedauert der Geschäftsführer.

Bad Driburg im Blick wünscht auch Volker Schwartz bei den künftigen Verhandlungen eine glückliche Hand, zum Wohle der Stadt und der Kurgäste.