Gesamtschule Bad Driburg: Schule mit Courage

Ehemalige Realschullehrerin Elisabeth Affani übernimmt Patenschaft

Bad Driburg. Das Blasorchester der ➡️ Gesamtschule Bad Driburg unter der Leitung des Musiklehrers Martin Rieckmann empfing die geladenen Gäste und Vertreter der Schulgemeinschaft mit schmissigen Klängen.

Das Blasorchester der Gesamtschule
Gesamtschul-
Standort: Elsterweg

Der freudige Anlass der Feierstunde war die Verleihung des Titels ➡️ „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Schulleiterin Brigitte Köhler-Thewes nahm die Urkunde von Regionalkoordinator Rüdiger Gleisberg (Kommunales Integrationszentrum) entgegen.

Freuen sich über die Auszeichnung.
Rüdiger Gleisberg, Brigitte Köhler-Thewes sowie Klaus Schumacher

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

Wie erhält eine Schule diesen Titel? Die SchülerInnen mussten selbst die Initiative ergreifen. Im Sinne des Selbstverständnisses sind sie selbst aktiv geworden. Sie entschieden, in welcher Weise sie die formale Voraussetzung zur Teilnahme am Courage-Projekt erfüllten. Dazu mussten sie die Unterschriften von mindestens 70 Prozent aller direkten Angehörigen ihrer Schule sammeln.

Brigitte Köhler-Thewes konnte erfreut den Erfolg verkünden: Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, die Sozialpädagoginnen, Sekretärinnen und Hausmeister unterschrieben gern. Rassismus und Diskriminierung hätten an der Gesamtschule Bad Driburg keinen Platz.

Schulleiterin Brigitte Köhler-Thewes
Lehrer und Medienbeauftragter Fatih Özbay führte durch das Programm.

Rat können sich die SchülerInnen und ihre betreuenden Lehrkräfte bei der Bundeskoordination oder den Landeskoordinationsstellen holen, um das Projekt nachhaltig mit Leben zu füllen. Eine der Aktionen, das ➡️ „Argutraining – Wi(e)dersprechen für Demokratie“, stellte Sozialpädagogin Birgit Dellwig mit Schülerinnen vor, die auch an einem Wochenende bereit waren, sich für das Projekt coachen zu lassen. Sie wurden von ihrer Schulleiterin für ihr Engagement ausgezeichnet.

Ließen sich für das Projekt „Argutraining – Wi(e)dersprechen für Demokratie“ coachen.

Die erste Stellvertretende Bürgermeisterin Christa Heinemann stellte in ihrem Redebeitrag heraus, wie wichtig es sei, Mut zum Widerspruch aufzubringen, wenn jemand beleidigt, ausgegrenzt oder verspottet wird. Sie rief die SchülerInnen auf, mutig zu sein. Auch die Patin und ehemalige Realschullehrerin Elisabeth Affani betonte, dass Jugendliche die Probleme, die durch Mobbing und Rassismus entstehen, nur gemeinsam mit den Erwachsenen friedlich lösen können.

Stellvertretende Bürgermeisterin Christa Heinemann

Die Moderation übernahm Lehrer und Medienbeauftragter Fatih Özbay. Unterstützt wurde er durch SV-Lehrer Michael Sigge und den Schülersprecher der Gesamtschule. Auch Kreisdirektor Klaus Schumacher hatte es sich nicht nehmen lassen, an der kleinen Feierstunde teilzunehmen. Er ist u.a. für die Abteilungen Schule/Kultur und Bildung/Integration zuständig.

Am Schluss der Veranstaltung wurde der mittlerweile internationale Kurzfilm des dänischen TV Senders TV2 Fyn “Muss uns erst ein TV-Sender erklären, wie Gesellschaft funktioniert?” den Gästen vorgestellt. ⬇️

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Elisabeth Affani während ihrer Rede

Rede von Elisabeth Affani:

Schule ohne Rassismus – Schule für Courage (8. November 2019)

Liebe Schülerinnen und Schüler,
sehr geehrte Erwachsene,

ich möchte in erster Linie euch Schülerinnen und Schüler ansprechen. Was ihr hier an eurer Schule in Gang bringt, was ihr mit euren Lehrerinnen und Lehrern, mit euren Eltern und anderen Unterstützern in Bewegung setzt, dafür verdient ihr den allergrößten Respekt!
Eigentlich sollte es keinen Mut erfordern, sich für etwas ganz Selbstverständliches einzusetzen: für freundliches und freundschaftliches, menschliches und mitmenschliches Verhalten, für eine freundliche, menschliche Schule, für eine friedliche Gesellschaft.


Es gibt bisweilen zwischenmenschliche Probleme, in der Familie, im Freundeskreis, in der Schulklasse, im Lehrerzimmer, im Sportverein, in der Musikgruppe, im Betrieb. In den meisten Fällen regeln wir unsere Probleme dann auch menschenwürdig. Wir wollen und müssen weiter zusammen leben und miteinander klarkommen.
Aber manchmal scheinen Probleme uns über den Kopf zu wachsen. Manchmal hören wir dann auf Menschen, auf die wir besser nicht hören sollten, die uns dazu bringen wollen, auf Probleme unangemessen zu reagieren. Und genau dann kommt es darauf an, ob wir den Mut haben, ob wir die Courage haben, diesen Einflüsterern selbstbewusst entgegenzutreten. Dann kommt es auch darauf an, dass wir uns an die Menschen wenden, die uns helfen können, ein Problem sachlich anzugehen und eine für alle akzeptable Lösung zu finden.
Im Idealfall sind dies unsere Lehrerinnen und Lehrer, die allesamt in der Lage und willens sind, Probleme so zu lösen, dass das friedliche Zusammenleben in der Schule weitergehen kann. Im Idealfall sind es auch eure Eltern, die euch helfen können, mit den Lehrerinnen und Lehrern zusammen Konflikte friedlich zu lösen. Ich wünsche mir, dass ihr mit den Erwachsenen zusammen mutig für eine friedliche Gemeinschaft und Gesellschaft eintretet. Ihr seid die zukünftigen Erwachsenen. Eure Schule, eure Gesellschaft ist so friedlich, wie ihr sie gestaltet.

„Mobbing“ ist ebenso wie „Rassismus“ ein Begriff, hinter dem ein Problem steckt, das jemand mit einem oder mehreren Mitmenschen hat. Anstatt das Problem anzugehen, wird pauschal beleidigt, verspottet, verletzt, verbal und im Extremfall auch körperlich.
Niemand möchte unwürdig behandelt werden. Dann dürfte es aber auch selbstverständlich sein, dass man den Mut hat, einem Mitschüler oder einer Gruppe zu sagen: „So, wie du dich verhältst, so, wie ihr euch verhaltet, ist es menschenunwürdig.“
„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ So heißt es in unserem Grundgesetz. Unser Staat muss unsere Menschenwürde schützen. Ebenso dürfen wir die Würde unserer Mitmenschen nicht antasten.
Mobbing verletzt ebenso wie Rassismus die Würde eines Menschen.
Setzt euch diesem Mob entschieden und selbstbewusst entgegen mit einem vernünftigen Verhalten, mit der Suche nach der Lösung des Problems! Zeigt Mut, zeigt Courage!

Der Begriff der Rasse ist in unserer nationalen Geschichte missbraucht worden, er führte in der NS-Diktatur zu millionenfachem Mord. Anstatt seine Bürger zu schützen, ließ dieser Staat es zu, dass Menschen ausgegrenzt wurden, dass sie abgewertet wurden, dass sie menschenfeindlich und erschreckend unchristlich behandelt wurden, dass man sie am Ende verhaftete, einsperrte und sogar von Staats wegen tötete, ihnen das Leben nahm.
Eure Schule trägt die Geschwister Scholl in ihrem Straßennamen. Sie hatten den Mut, diesen Staat, die NS-Regierung als unmenschlich zu bezeichnen. Dafür wurden sie selbst verhaftet und getötet. Mutige Menschen findet ihr in Bad Driburger Straßennamen: Pater Riepe, Dietrich Bonhoeffer, Dechant Wilhelm Becker, Eduard Müller, Landrat Weskamp.
Jahrhunderte lang unterschieden arrogante Menschen in Europa und bei uns im Land Menschen nach ihrer Hautfarbe, u.a. in Weiße und Schwarze. Der Kolonialismus richtete viel Leid an.
Leider lernen manche Menschen nicht aus der Geschichte. Ein deutscher Politiker sagte vor drei Jahren, dass er keinen Mann wie Jérôme Boateng als Nachbarn haben wolle, auch wenn er gut Fußball spiele. In einer Nachbarstadt äußerte sich vor wenigen Wochen ein Arzt rassistisch, als er meinte, die „Braunen“ hätten eine „mögliche Minderbegabung“. Der Mann ist zur Schule gegangen, aber er hat offenbar nichts gelernt. Er hat Medizin studiert, aber von Genetik keine Ahnung.


Es gibt keine Rassen, es gibt nur Menschen. Leider steht dieser Begriff der Rasse aber immer noch in unserem Grundgesetz.
Wer Menschen in Rassen einteilt, ist ein Rassist.
Es spielt keine Rolle, wo ihr herkommt, welche Sprache ihr sprecht, ob ihr helle oder dunkle Haut habt, woran ihr glaubt oder ob ihr eine Behinderung habt. Es kommt darauf an, ob Menschen freundlich sind, hilfsbereit, mitfühlend, ob sie einen guten Charakter haben. Es kommt also auch darauf an, wie ihr mit euren Mitmenschen umgeht, ob ihr freundlich seid, hilfsbereit, mitfühlend, ob ihr Humor habt, ob ihr intelligent seid.
Ihr wollt menschenwürdig behandelt werden, also behandelt eure Mitmenschen menschenwürdig! Seid selbstbewusst, seid klug, seid mutig, zeigt Courage!
In unserer Demokratie muss niemand sterben, weil er sich für Menschlichkeit einsetzt. Engagiert euch, nicht nur heute, sondern dauerhaft! Ihr entscheidet euch für den richtigen Weg: für eure Schule ohne Rassismus, für eure Schule mit Courage!

Herzliche Glückwünsche euch, euren Lehrern und euren Eltern!