Bedrohte Baumart zwischen Krise und Hoffnung
Doris Dietrich
Bad Driburg/Berlin. Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) ist Baum des Jahres 2027. Die Ausrufung erfolgte heute im Haus der Land- und Ernährungswirtschaft in Berlin. Mit der Wahl rückt eine heimische Baumart in den Mittelpunkt, die für die biologische Vielfalt, die Forstwirtschaft und die Kulturgeschichte eine besondere Bedeutung hat. Gleichzeitig steht die Esche durch das Eschentriebsterben vor großen Herausforderungen.
Bereits 2001 war die Gemeine Esche Baum des Jahres. Seitdem hat sich ihre Situation dramatisch verschlechtert. Der aus Ostasien stammende Pilz Hymenoscyphus fraxineus hat sich in weiten Teilen Europas ausgebreitet und zahlreiche Eschen geschädigt oder zum Absterben gebracht. Dennoch gibt es Hoffnung: Einige Bäume zeigen eine vergleichsweise hohe Toleranz gegenüber dem Krankheitserreger. Ihr Schutz und ihre Erforschung sind entscheidend, um die Zukunft der Esche zu sichern.
Mit einer Höhe von bis zu 40 Metern gehört die Gemeine Esche zu den größten heimischen Laubbäumen. Sie wächst vor allem auf nährstoffreichen, gut mit Wasser versorgten Böden und prägt unter anderem Auen- und Bachwälder. Ihre lichte Krone und ihr nährstoffreiches Laub fördern artenreiche Lebensgemeinschaften. Alte Eschen bieten mit Höhlen, Rindenspalten und Totholz zahlreichen Tieren, Pilzen und Flechten wertvolle Lebensräume.
Auch für den Menschen ist die Esche seit Jahrhunderten von Bedeutung. Ihr festes und elastisches Holz wird beispielsweise für Werkzeugstiele, Sportgeräte, Möbel und Parkett verwendet. Darüber hinaus ist sie eng mit der nordischen Mythologie verbunden: Der Weltenbaum Yggdrasil wird als Esche beschrieben.

Dr. Heinz-Jörg Wiegand, ehrenamtlich im Arbeitskreis Buddenberg-Arboretum in Bad Driburg aktiv, weist ergänzend auf die Geschichte der Auszeichnung hin: Die Gemeine Esche war bereits 2001 Baum des Jahres und damit der 13. Baum in der seit 1989 geführten Reihe, die mit der Stieleiche begann. Mit der erneuten Auszeichnung 2027 wird die Esche nun zum zweiten Mal zum Baum des Jahres gewählt. Eine ähnliche Wiederwahl gab es bei der Rotbuche, die 1990 und 2022 im Mittelpunkt der Auszeichnung stand.
Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) lässt sich besonders im Jugendalter gut erkennen: Typisch sind ihre auffallend schwarzen Knospen, die zunächst glatte, aschgraue Rinde und ihre gefiederten Blätter. Darüber hinaus besitzt der Baum eine besondere kulturgeschichtliche Bedeutung. In der germanischen Mythologie galt die Esche als heiliger Baum und ist eng mit dem Weltenbaum verbunden.
Auch im Buddenberg-Arboretum in Bad Driburg sind weiterhin zahlreiche Eschen zu finden. Sie zeigen, dass diese charakteristische heimische Baumart trotz der schwierigen Situation noch immer ihren festen Platz in unserer Landschaft hat. Ihr Erhalt und die Beobachtung ihrer weiteren Entwicklung bleiben daher wichtige Aufgaben.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die unterschiedliche Reaktion auf das Eschentriebsterben zumindest teilweise genetisch bedingt ist. Forschungsprogramme wie „FraxForFuture“ und „FraxRecovery“ beschäftigen sich deshalb mit der Suche nach toleranten Eschen, der Sicherung genetischer Ressourcen und der Entwicklung geeigneter Erhaltungsmaßnahmen. Eine vollständige Widerstandsfähigkeit gegen die Krankheit ist bislang nicht bekannt.
Die Wahl zum Baum des Jahres 2027 verbindet sich deshalb mit einem klaren Auftrag: die verbliebenen vitalen Eschen zu erhalten, ihre genetische Vielfalt zu sichern und die Forschung weiter voranzutreiben. Die Gemeine Esche steht für die Herausforderungen des Waldschutzes, aber auch für die Hoffnung, dass bedrohte Baumarten durch gemeinsames Engagement eine Zukunft haben.
Die Schirmherrin der Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftungg ist Silvia Breher. Die neue Deutsche Baumkönigin Maria Huisinga wird die Gemeine Esche im kommenden Jahr als Botschafterin repräsentieren.
Infobox
Botanischer Name: Fraxinus excelsior
Familie: Ölbaumgewächse (Oleaceae)
Höhe: Bis zu 40 Meter
Alter: Kann mehrere hundert Jahre alt werden.
Verbreitung: In weiten Teilen Europas heimisch.
Standort: Bevorzugt nährstoffreiche, tiefgründige und gut wasserversorgte Böden.
Typische Lebensräume: Auenwälder, Bachläufe und feuchte Laubmischwälder.
Erkennungs-merkmale: Schwarze Knospen, zunächst glatte, später längsrissige graue Rinde und gefiederte Blätter.
Blätter: Meist 7 bis 13 einzelne Fiederblättchen.
Blüte: Im Frühjahr, noch vor dem Laubaustrieb.
Früchte: Geflügelte Nüsschen, die in Büscheln hängen.
Bedeutung für Natur und Mensch
- Ökologisch: Bietet Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Tierarten, Pilze und Flechten.
- Holz: Fest, zäh und elastisch – beliebt für Werkzeugstiele, Sportgeräte, Möbel und Parkett.
- Kultur-geschichte: In der nordischen Mythologie ist die Weltenesche Yggdrasil ein zentraler Bestandteil der Überlieferung.
- Germanische Mythologie: Die Esche galt als heiliger Baum.
Die Esche ist ein Baum der Stärke und Vielfalt – tief verwurzelt in unserer Natur- und Kulturgeschichte. Trotz des Eschentriebsterbens gibt es Hoffnung für ihre Zukunft.