Bauland-Debatte in Reelsen

Grüne mahnen zur Sachlichkeit – Ausgleichsfläche aus dem B-Plan Nr. 4 im Fokus

Alexander Bieseke

Bad Driburg-Reelsen. Die Diskussionen um die künftige Wohnbauentwicklung in Reelsen halten an.

Ausgangspunkt ist eine rund 4,5 Hektar große Ausgleichs- und Naturschutzfläche im Norden der Ortschaft (nahe dem Eisvogel- und Fischreiherweg), die im Bebauungsplan Nr. 4 („Reelsen“) aus dem Jahr 2001 festgesetzt wurde.

Nachdem sich Anwohner mit Befürchtungen an die Politik wandten und die AfD-Ratsfraktion das Thema auf die Tagesordnung des Bezirksausschusses setzen ließ, schalten sich nun auch die Grünen in Bad Driburg ein: Sie mahnen zur Besonnenheit und warnen vor politischem Aktionismus.


Anwohner besorgt: 25 Jahre ökologische Entwicklung auf der Kippe


Der Bebauungsplan Nr. 4 wies 2001 im Bereich der Straße „Sonnenblute“ 2, 73 Hektar als Allgemeines Wohngebiet (WA) aus. Um diesen Eingriff in die Natur auszugleichen, wurden auf mehr als der Hälfte des Gesamtgebiets – exakt 4,48 Hektar (52,8 %) – Flächen für Naturschutz und Landschaftspflege festgesetzt. 


Anwohner baten die Ratsfraktionen in einem Schreiben dringend um den Erhalt dieses Areals. Nach einem Vierteljahrhundert extensiver Pflege habe sich die Feuchtwiese zu einem wertvollen Biotop entwickelt. Die Bürger verweisen auf periodische Vernässungen und verlangen rechtlich zu prüfen, ob die Fläche unter den gesetzlichen Biotopschutz (§ 30 BNatSchG) fällt.

Anwohner im Gespräch mit Vertretern der AfD. In der Mitte Peter Eichenseher.


Bei einem Ortstermin am 14. Oktober 2026 stärkten Vertreter der AfD-Ratsfraktion und des Bezirksausschusses den Anwohnern den Rücken und kündigten an, das Thema bei der kommenden Bezirksausschusssitzung am 12. Januar 2027 zu behandeln, so eine Pressemitteilung von Peter Eichenseher.


Stadtverwaltung und Grüne: „Keine konkreten Planungen – Prüfungen laufen ergebnisoffen“


Die Stadtverwaltung (Tamara Fleischer) stellte auf Anfrage klar, dass zwar grundsätzlich Bedarf an Wohnbauflächen in Reelsen bestehe und verschiedene Optionen ergebnisoffen geprüft würden, jedoch keinerlei konkrete Planungen oder Gremienbeschlüsse für ein Bauleitplanverfahren vorliegen.

Bernd Blome

In einer ausführlichen Stellungnahme auf Facebook unterstreicht Bernd Blome (Bündnis 90/Die Grünen) diese Haltung. Nach Rücksprache mit der Bauverwaltung stellt er klar, dass derzeit schlichtweg die Kapazitäten für neue Baugebietsplanungen fehlten.
Die Grünen führen für die aktuelle Debatte folgende Kernpunkte an:


Auslaufender Pachtvertrag als Auslöser:

Anlass der Spekulationen sei primär das Auslaufen der Pacht auf der städtischen Fläche. Die Verwaltung müsse nun nüchtern abwägen, ob weiter verpachtet oder eine Teilbebauung geprüft werde.


Rechtliche und ökologische Hürden:

Ein B-Plan könne vom Rat zwar prinzipiell geändert werden, allerdings müssten Fachgutachten Umwelt- und Artenschutzfragen rechtssicher klären. Private Beobachtungen von Wildtieren seien zwar interessant, ersetzten jedoch keine rechtssicheren Gutachten.


Regionalplanerische Vorgaben:

Da Reelsen unter 2.000 Einwohner zählt, verbiete der Regionalplan OWL eine freie Zersiedelung in der Landschaft. Wenn überhaupt, kämen laut Regionalplan nur Lückenschlüsse oder ein maßvolles „Andocken“ an bestehende Infrastrukturen infrage.


Infrastruktur und Kosten:

Starkregen- und Vernässungsrisiken seien genau wie Baugrund, Erschließung und Lärmbelastung Grundvoraussetzungen der Prüfung. Zudem mache die Entwicklung nur Sinn, wenn Grundstücke für „Otto-Normal-Verdiener“ bezahlbar blieben.


Sachliche Prüfung statt Überbietungswettbewerb


Grünen-Sprecher Bernd Blome fordert, der Bauverwaltung die nötige Zeit für eine gründliche und geordnete Vorprüfung zu geben, bevor das Thema auf die politische Bühne gehoben wird. Sollte eine Erweiterung fachlich überhaupt infrage kommen, werde der reguläre Weg über den Bezirksausschuss, den Bauausschuss und den Stadtrat beschritten – stets verbunden mit den gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligungsmöglichkeiten für die Öffentlichkeit.


Die Situation rund um das B-Plan-Gebiet Nr. 4 in Reelsen verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen gemeindlicher Entwicklung, bezahlbarem Wohnraum und dem dauerhaften Erhalt festgesetzter ökologischer Ausgleichsflächen. Erster offizieller Anlaufpunkt für die politische Debatte wird die Sitzung des Bezirksausschusses Reelsen im Januar 2027 sein. Bad Driburg im Blick bleibt für Sie am Thema. 

Titelbild: B-Plan-Gebiet 2001

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