Doris Dietrich
Bad Driburg. „Deutschland war unser Traumland.“ Dieser Satz sagt viel über Ani Margaryan und ihren Weg nach Deutschland. Gemeinsam mit ihrem Mann Narek kam sie 2018 aus Armenien hierher. Nicht auf der Flucht, sondern aus einem bewussten Entschluss heraus: Sie wollten in Deutschland leben, studieren, arbeiten und sich gemeinsam eine Zukunft aufbauen.
Heute ist aus dem Traum Wirklichkeit geworden. Ani Margaryan (geboren 1983) lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Buke und arbeitet seit Januar 2026 als Gemeindeassistentin im Pastoralen Raum Bad Driburg. Sie fühlt sich wohl hier und möchte das Leben in der Gemeinde aktiv mitgestalten.
Ihre Verbindung zu Armenien ist ihr dabei weiterhin sehr wichtig. Ihre Familie lebt noch dort, und regelmäßige Besuche gehören für die Familie selbstverständlich dazu. So bleibt Jerewan ein vertrauter und wichtiger Teil ihres Lebens. Auch ihre beiden Kinder wachsen mit beiden Sprachen und damit mit den armenischen und deutschen Wurzeln ihrer Familie auf.
Der Weg nach Deutschland war für Ani Margaryan auch ein Weg des Lernens. Von 2018 bis 2020 besuchte sie an der Universität Paderborn einen studienvorbereitenden Deutschkurs zur Deutschen Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH). Dort bereitete sie sich auf ihr weiteres Studium in Deutschland vor.
Anschließend studierte sie Angewandte Theologie an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und schloss das Bachelorstudium 2024 ab. Danach studierte sie außerdem Systematische Theologie und Geschichte an der Universität Paderborn. 2024/25 absolvierte sie zusätzlich eine Ausbildung zur Religionslehrerin an der Grundschule Altenbeken.
Theologie war für sie allerdings schon lange vor ihrer Ankunft in Deutschland ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. An der Theologischen Fakultät der Staatlichen Universität Jerewan studierte sie von 2001 bis 2005 im Bachelor und von 2007 bis 2009 im Master.
Auch beruflich hatte sie in Armenien bereits viel Erfahrung gesammelt. Von 2006 bis 2008 arbeitete sie als Lehrerin für „Geschichte der Armenischen Kirche“. Zwischen 2007 und 2010 war sie außerdem als russisch-armenische Dolmetscherin bei einem Fernsehsender tätig. Von 2009 bis 2018 arbeitete sie als leitende Fachkraft im armenischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft.
In Deutschland begann für sie dennoch vieles neu. Von August 2024 bis Dezember 2025 arbeitete sie als Gemeindeassistentin im Pastoralen Raum an Egge und Lippe. Seit Januar 2026 ist nun Bad Driburg ihr beruflicher Mittelpunkt. Sie ist sie in ganz unterschiedlichen Bereichen der Gemeindearbeit tätig.
Wie sehr sie sich bereits einbringt, zeigte sich unter anderem beim ökumenischen Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt in der Kirche Zum Verklärten Christus. Sie gestaltete die Feier mit einem eigenen Beitrag mit. Gerade solche ökumenischen Begegnungen sind ihr wichtig. Menschen verschiedener kirchlicher Traditionen zusammenzubringen, miteinander ins Gespräch zu kommen und den Glauben gemeinsam zu feiern, sieht sie als wertvolle Aufgabe.
Auch in den kommenden Monaten gibt es viel zu tun. Die Vorbereitung auf die Erstkommunion, Familiengottesdienste und die Firmung gehören zu ihren Aufgaben. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Abend über interessante Frauen aus der Religionsgeschichte. Die Veranstaltung fand großen Anklang und soll deshalb wiederholt werden.
Dass Ani Margaryan inzwischen Teil des Teams ist, freut auch ihre Mentorin Anne Frank, Gemeindereferentin im Pastoralen Raum Bad Driburg. „Schön, dass sie da ist“, sagt sie. Ani bringe neue Impulse und erfrischende Ideen mit, sei hilfsbereit und begegne anderen auf Augenhöhe. Genau diese Mischung aus Offenheit, Engagement und neuen Perspektiven schätzt Anne Frank an ihrer Kollegin.
Für Ani Margaryan selbst ist die Arbeit mit Menschen besonders wichtig. Ihre eigene Lebensgeschichte hat ihren Blick auf unterschiedliche Kulturen und Religionen geprägt. Sie liest gerne, reist und nutzt jede Gelegenheit, neue Orte und Menschen kennenzulernen. Dabei interessiert sie sich auch für verschiedene Religionen und die Geschichten der Menschen, die ihr begegnen.
Neben der Arbeit ist die Familie ihr Lebensmittelpunkt. Ihr Mann Narek ist Politikwissenschaftler. Gemeinsam müssen sie Beruf, Kinder und Familienleben gut organisieren. Dabei spielt gutes Zeitmanagement eine wichtige Rolle. Ihr persönliches Motto lautet: „Mit Disziplin und Willen ans Ziel.“
Ein Ziel hat sie dabei fest im Blick: 2027 möchte sie gerne auf einer eigenen Stelle als Gemeindereferentin arbeiten. Bis dahin will sie weiter Erfahrungen sammeln, Ideen entwickeln und Menschen für gemeinsame Projekte gewinnen.
Wenn sie heute auf ihren Weg zurückblickt, liegen zwischen Armenien und Bad Driburg viele Kilometer, ein Studium, eine neue Sprache, berufliche Veränderungen und viele persönliche Erfahrungen. Geblieben ist ihre Freude daran, sich weiterzuentwickeln und auf Menschen zuzugehen.
Ani Margaryan, Anne Frank und ihre Kolleginnen und Kollegen ließen den Nachmittag gemeinsam auf der Iburg in der Sachsenklause ausklingen. Und natürlich durften dabei die bekannten großen Windbeutel nicht fehlen.
Ein besonderer Dank gilt Mechthild Bange, Gemeindereferentin, die die Idee zu diesem Porträt hatte und damit den Anstoß für diese persönliche Begegnung gegeben hat.
Aus dem Traum von Deutschland ist für Ani Margaryan inzwischen ein Stück Heimat geworden. Und in Bad Driburg möchte sie diese neue Heimat nicht nur genießen, sondern aktiv mitgestalten.
Quelle:
Titelbild:
Ökumenischer Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt mit: (v.l.) Frederike Wieneke, Ani Margaryan und Anne Frank.

Bild: Ani Margaryan

Bild: Ani Margaryan
