15.500 Menschen im Kreis Höxter arbeiten in Teilzeit – 84 Prozent davon sind Frauen
Alexander Bieseke
BAD DRIBURG. Im Kreis Höxter arbeiten rund 15.500 Menschen in Teilzeit. Das teilte die NGG Ostwestfalen-Lippe mit und beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur. Besonders auffällig: 84 Prozent der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Bei den Vollzeitstellen liegt der Frauenanteil hingegen bei lediglich 30 Prozent.
„Einen Teilzeitjob zu machen ist keine Lust-und-Laune-Entscheidung. Denn wer nicht Vollzeit arbeitet, hat heute schon weniger Geld auf dem Konto und später weniger Rente“, sagt Thorsten Kleile von der NGG Ostwestfalen-Lippe. Teilzeitarbeit sei keine Bequemlichkeit, sondern für viele Beschäftigte im Kreis Höxter die Voraussetzung, um Beruf, Familie und die Pflege von Angehörigen miteinander vereinbaren zu können.
Kritik am Wirtschaftsflügel der CDU
Scharfe Kritik übt die Gewerkschaft am Wirtschaftsflügel der CDU. Dieser wolle Menschen, die in Teilzeit arbeiten und zusätzlich Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, stärker in Richtung Vollzeit drängen. „Wenn der Wirtschaftsflügel der CDU künftig Menschen einen Vollzeitjob verordnen will, dann lässt das jedes soziale Gespür vermissen“, so Kleile.
Der Geschäftsführer der NGG Ostwestfalen-Lippe appelliert an die CDU im Kreis Höxter und an die Delegierten aus der Region, den entsprechenden Antrag zur Reform der Teilzeit beim Bundesparteitag der CDU am 20. und 21. Februar in Stuttgart abzulehnen.
Mehr Kitas und bessere Pflege-Infrastruktur gefordert
Nach Ansicht der Gewerkschaft sei es wenig zielführend, Beschäftigten „die Daumenschrauben anzuziehen“, um sie zum Vollzeitpensum zu bewegen. Solange es nicht ausreichend Kitaplätze gebe, werde es kaum möglich sein, mehr Menschen in Vollzeit zu bringen. Positiv bewertet Kleile, dass der Wirtschaftsflügel der Union diesen Punkt inzwischen aufgegriffen habe.
Auch bei der Pflege sieht die NGG erheblichen Handlungsbedarf. Wer Angehörige betreue, könne nicht ohne Weiteres zusätzliche Arbeitsstunden übernehmen. Hier brauche es eine bessere Infrastruktur und verlässliche Unterstützungsangebote.
Warnung an Arbeitgeber
Zugleich richtet sich die Gewerkschaft an Arbeitgeber im Kreis Höxter. Diese dürften Beschäftigte – insbesondere Frauen – nicht in Teilzeit drängen. „Entscheidend ist, welches Arbeitspensum man persönlich machen kann und will. Darauf sollten die Beschäftigten pochen“, betont Kleile. Es dürfe nicht darum gehen, dem Betrieb mit einem „Teilzeit-Kompromiss“ entgegenzukommen, wenn eigentlich der Wunsch nach einer Vollzeitstelle bestehe.
Die NGG fordert stattdessen strukturelle Verbesserungen bei Kinderbetreuung und Pflege, um echte Wahlfreiheit zwischen Teilzeit und Vollzeit zu ermöglichen.