Doris Dietrich
Bad Driburg. In der Nähe der Iburg-Ruinen erinnert ein Gedenkstein am Eggeweg an Major Gerald Lee Allen Hermanson von der Royal Canadian Air Force. Vor fünfzig Jahren verlor der kanadische Starfighter-Pilot hier während eines Übungsfluges sein Leben. Er wurde nur 34 Jahre alt.
Major Hermanson startete am 12. Februar 1976 mit seinem CF-104 Starfighter zu einem Navigationstrainingsflug in niedriger Höhe. An diesem Tag herrschten schwierige Wetterbedingungen mit niedriger Wolkendecke und vorhergesagter Vereisung.
Der Präsident des Deutsch-Kanadischen Luftwaffenmuseums in Söllingen (Baden-Württemberg), Andreas Lehmacher, fasst die Ergebnisse der Unfalluntersuchung zusammen: „Dem Untersuchungsbericht nach versuchte Major Hermanson in sehr niedriger Höhe Bodensicht zu behalten und streifte hierbei einen bewaldeten Bergkamm. Der Unfall war für ihn leider nicht zu überleben. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass Major Hermanson trotz des zunehmend schlechter werdenden Wetters versuchte, den Flug nach Sicht fortzuführen und deshalb Bodenberührung hatte.“
Um die Erinnerung an den kanadischen Piloten wachzuhalten, stiftete die Reservistenkameradschaft Dringenberg im Jahr 2016 den Gedenkstein am Eggeweg.


Das Ereignis ist bis heute vielen Menschen in Erinnerung geblieben. Zahlreiche Zeitzeugen erinnern sich noch an jenen Tag und die Umstände des Absturzes.
Detlef Gehle erinnert sich
Einer der Zeitzeugen ist Detlef Gehle. Damals war er Schüler an der Realschule, heute ist er Oberstleutnant a. D. der Luftwaffe. Sein persönlicher Augenzeugenbericht trägt dazu bei, die Ereignisse von damals lebendig zu halten. Für die Bereitstellung seiner Erinnerungen gilt ihm besonderer Dank.

Foto: Detlef Gehle
retuschiert & coloriert: Alexander Bieseke
Detlef Gehle erinnert sich:
„Es war ein Montag, wir hatten Schulpause und verbrachten die Zeit auf dem Schulhof. Plötzlich sahen wir einen grazilen, langsam fliegenden Starfighter, aus dem Triebwerk eine schwarze Rauchwolke hinter sich herziehend, die Flugzeugnase hochgehalten, tief über unsere Stadt fliegend. Kurz darauf hörten wir eine Art knattern, ähnlich wie bei einem MG-Feuer, sowie einen lauten Knall. Wie wir später erfuhren, waren es die Geräusche während des Absturzes.Er stürzte nur wenige hundert Meter neben einer belgischen HAWK-Stellung (diese Raketeneinheiten waren unseren Luftverteidigungsstellungen unterstellt) in unseren Buchenwald und zog eine viele Meter lange Schneise in den Wald des Bergrückens westlich unserer im Tal liegenden Stadt. Wir sahen den Unfallort erst später, nachdem Schulschluss war, denn wir Jungs suchten sofort die Absturzstelle auf.
Polizei und Militär sicherten bereits die Absturzstelle. Überall lagen die Wrackteile und die menschlichen Überreste des kanadischen Piloten. Vereinzelt konnte man noch kokelnde Flugzeugteile sehen. Der Boden war stellenweise wie von einem leichten Nebel überzogen.
Wir sprachen mit den Einsatzkräften und erklärten, dass wir bei der Bergung der Wrackteile und menschlichen Überresten helfen würden. Wir bekamen große Kunststofftüten und einen zweizackigen Metallstab, um unsere Arbeit verrichten zu können. Es machte sich ein starkes Gefühl der Betroffenheit breit, während wir die Überreste des tapferen kanadischen Offiziers geborgen haben. Mir kamen ständig die Gedanken, was wohl in ihm vorging, als er seine Maschine mit erhobener Nase über die Stadt steuerte, wissend, dass es sein Ende bedeuten könnte. Es wird bis heute auch vermutet, dass er seinen Schleudersitz nicht nutzte, um unsere Stadt vor einer Katastrophe zu schützen.“
Zum 50. Jahrestag des Absturzes wird an Major Gerald Lee Allen Hermanson als Pilot, Soldat und Familienvater erinnert – und an ein Unglück, das bis heute nachwirkt.

retuschiert & coloriert: Alexander Bieseke

Titelbild: Major Gerald Lee Allen Hermanson und Oberstleutnant Detlef Gehle.