Doris Dietrich
Bad Driburg. Am Samstag, 17. Januar 2026, wurde im Glasmuseum Bad Driburg eine neue Sonderausstellung eröffnet. Im Mittelpunkt steht der Fotograf Karl Meiners (1890–1969), der in Bad Driburg liebevoll „Knipse Karl“ genannt wurde. Er selbst nahm diesen Spitznamen mit Humor und sagte einmal: „Ich knipse nicht – nur auf dem Bahnhof werden die Fahrkarten geknipst. Ich fotografiere.“ Sein fotografisches Werk gilt heute als unschätzbarer Fundus zur Geschichte der Stadt und der Glasindustrie. Viele seiner Fotos zeigen Gebäude, die heute nicht mehr existieren, zum Beispiel die Friedrichshütte an der Stelle, an der heute das Rathaus steht.



Hubert Meiners (75), Enkel von Karl Meiners, bewahrt den umfangreichen Nachlass seines Großvaters sorgfältig. „2009 fand ich auf dem Dachboden meines Hauses in der Schützenstraße viele Glasnegative“, berichtete er bei der Eröffnung. Bereits 2015 ließ er die historischen Glasplattennegative im Fotolabor Zapfe von Inhaberin Iride Zapfe und ihrem Team fachgerecht reinigen und digitalisieren. Im Oktober 2024 regte Hubert Meiners während einer Versammlung des Glasmuseums an, die Fotoplatten einmal öffentlich zu zeigen. Gesagt, getan – eine Auswahl von 16 Motiven wurde getroffen, aufbereitet und ist nun im Museum zu sehen. „Ich bin stolz, dass diese Fotos jetzt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sind“, so Hubert Meiners.
Der Ortschronist Waldemar Becker und Dr. Udo Stroop leisteten mit ihrem umfangreichen Wissen über die Geschichte Bad Driburgs wertvolle Hilfe bei der Einordnung der Motive. Die Experten erklärten den historischen Zusammenhang und die Bedeutung der Fotos für Stadtgeschichte und Glasindustrie.
Josef Reckers, Vorsitzender des Fördervereins Glasmuseum Bad Driburg e.V., zeichnete in seiner kurzen Eröffnungsrede den Werdegang der Ausstellung nach. Das Organisationsteam um Josef Reckers mit Friedhelm Macke, Michael Gäde und Heiner Düsterhaus freut sich über die durchweg positive Resonanz.
Die Fotografien werden auf Stellwänden präsentiert und entfalten dort ihre besondere Wirkung. Ergänzend dazu zeigt ein von Friedhelm Macke aufbereitetes Video zahlreiche weitere Aufnahmen von Karl Meiners aus den Jahren etwa 1900 bis 1970, ebenfalls mit Bezug zur Glasindustrie.
„Auf einem Foto ist mein Vater zu sehen, der in der Glashütte gearbeitet hat. Wie schön, dass diese Bilder hier in der Ausstellung sind“, stellte Renate Mügge, Vorsitzende des Heimatvereins Bad Driburg e.V., gerührt fest.
Eine andere Besucherin erzählte, ihre Großmutter stamme aus Bad Driburg – die Ausstellung habe ihr die Möglichkeit gegeben, das Museum kennenzulernen.
Karl Meiners selbst wird als humorvoller und stets gut gelaunter Mensch beschrieben. Ursprünglich arbeitete er in den Glashütten, musste diese Tätigkeit jedoch aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Auf einer Kirmes gewann er seinen ersten Fotoapparat – der Beginn seiner fotografischen Leidenschaft.
„Wenn man Passbilder brauchte oder Fotos zur Kommunion, ging man zu Karl Meiners“, erinnerte sich ein Besucher.
Die Fotografien der Ausstellung können auch käuflich erworben werden – eine schöne Idee zum Geburtstag oder für Jubiläen. Interessierte melden sich einfach beim Team des Glasmuseums.
Die Ausstellung ist im Januar samstags und sonntags von 14:00 bis 16:00 Uhr geöffnet, ab Februar von 14:00 bis 17:00 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.


Das Glasmuseum Bad Driburg blickt auf ein äußerst erfolgreiches Jahr 2025 zurück: Mit über 3.800 Besuchern wurde ein neuer Rekord erreicht – möglich durch das große Engagement des gesamten ehrenamtlichen Museumsteams.
Die Sonderausstellung mit Fotografien von Karl Meiners ist noch bis zum 31. Mai 2026 zu sehen. Anschließend dürfen sich die Besucher auf ein neues Highlight freuen: eine Ausstellung mit Glas-Exponaten des Künstlers Otmar Alt. Man darf gespannt sein.
Titelbild: Karl Meiners (retuschiert & coloriert) und sein Enkel Hubert Meiners
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Zu Zeiten von Karl Meiners war Fotografieren ein völlig anderer Prozess als heute. Anstelle von Mikrochips in Digitalkameras wurden Glasplattennegative verwendet, die lichtempfindlich beschichtet waren. Jede Aufnahme musste sorgfältig vorbereitet werden: Die Glasplatte wurde in eine Kamera eingesetzt, die Belichtungszeit genau berechnet und die Kamera ruhig gehalten. Schon kleine Bewegungen konnten die Aufnahme verwackeln.
Nach der Belichtung wurde die Glasplatte im Dunkelkammerlabor entwickelt – ein chemischer Prozess, bei dem das Negativ sichtbar gemacht und fixiert wurde. Anschließend konnten aus diesem Negativ auf Fotopapier Positive hergestellt werden. Dieser Prozess war zeitaufwendig und erforderte sowohl handwerkliches Geschick als auch chemisches Wissen.
Viele Fotos von Karl Meiners entstanden unter freiem Himmel oder in seinem Studio. Trotz der technischen Einschränkungen war die Qualität der Bilder oft erstaunlich hoch. Die fotografische Arbeit war nicht nur ein Beruf, sondern eine Leidenschaft, bei der Präzision, Geduld und künstlerisches Talent entscheidend waren.
Karl Meiners wurde am 27. April 1890 als Sohn der Eheleute Werner Meiners und Barbara Meiners geb. Groß geboren. Sein Vater, geboren in Neuenbeken, war Glasmacherobermeister der Beckerschen Glashütte, seine Mutter stammte aus Geismar im Eichsfeld.
In den Jahren 1896 bis 1904 besuchte Karl Meiners die katholische Volksschule. Anschließend trat er um 1904/1905 in die Beckersche Glashütte ein und erlernte dort den Beruf des Glasschleifers. Am 4. Mai 1908 trat er dem Gesellenverein bei, der heute als Kolpingsfamilie bekannt ist.
Am 22. März 1914 verlobte sich Karl Meiners mit Gertrud Bülling, der Tochter von Franz Bülling, einem Schuhmachermeister, und Katharina Bülling geb. Heinemann. Gertrud Bülling legte am 7. Januar 1915 vor der Handwerkskammer Bielefeld erfolgreich die Meisterprüfung zur Damenschneidermeisterin ab.
Um 1916 erkrankte Karl Meiners infolge seiner Tätigkeit als Glasschleifer schwer an den Folgen des Glasstaubes. Aufgrund dieser Berufskrankheit bezog er fortan eine Invalidenrente. Kurz nach dieser Zeit gewann er auf einer Kirmes einen Fotoapparat, was den Grundstein für seinen späteren beruflichen Weg legte.
Am 10. Juni 1917 heiratete er Gertrud Bülling. Im Oktober 1919 erwarb Karl Meiners ein Grundstück in der Schützenstraße.

Um 1920 begann er mit fotografischen Arbeiten, und im Oktober 1921 starteten die Bauarbeiten am Wohn- und Geschäftshaus. Ende 1922 zog die Familie in das Haus Schützenstraße 15 ein.
Im Jahr 1923 erhielt Karl Meiners die Konzession für den Gräflichen Kurpark und das Bad Hermannsborn. Im selben Jahr verstarb seine Mutter Barbara Meiners geb. Groß im Alter von 72 Jahren. Am 12. November 1924 (Ereignis nicht näher überliefert) und am 3. Juli 1928 folgte ein weiterer wichtiger Schritt: die Eröffnung des Anbaus des Fotoateliers.
Am 21. November 1930 verstarb sein Vater Werner Meiners im Alter von 75 Jahren. Seine Ehefrau Gertrud Meiners geb. Bülling starb am 3. Januar 1959 im Alter von 68 Jahren.
Ab etwa 1960 fotografierte Karl Meiners erneut regelmäßig im Gräflichen Kurpark. In den folgenden Jahren führte seine Tochter Katharina Kaczmarek geb. Meiners das Fotogeschäft weiter, etwa bis 1964.
Karl Meiners verstarb am 13. April 1969.





