CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Haase meldet sich zum Jahresende nach der Ausstrahlung zu Wort.
Alexander Bieseke
Berlin/Bad Driburg. Der für Bad Driburg zuständige Bundes-Politiker erklärte auf Facebook, er fühle sich in seinen Glaubensüberzeugungen verletzt und teile die Kritik des katholischen Priesters Zvonko Tolic ausdrücklich. Haase betonte, dass gerade bei zentralen Feiern des Kirchenjahres wie der Christmette der Respekt vor dem religiösen Empfinden der Gläubigen gewahrt werden müsse. Künstlerische Freiheit dürfe nicht als Rechtfertigung dienen, wenn dadurch das Heilige eines Glaubens verletzt werde.

Quelle: Deutscher Bundestag
Was war geschehen?
Am Heiligen Abend übertrug die ARD live die katholische Christmette aus der Kirche St. Maria in Stuttgart. Die liturgische Leitung des Gottesdienstes lag bei Rundfunkpfarrer Thomas Steiger, unterstützt von Pastoralreferentin Katharina Leser. Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Collegium Iuvenum Stuttgart begleitet. Der Ablauf folgte im Grundaufbau der römisch-katholischen Messordnung, wich jedoch in der künstlerischen Gestaltung der Krippenszene deutlich von traditionellen Christmetten ab.

Quelle:ARD
Im Altarraum war bereits zu Beginn eine ungewöhnliche Installation sichtbar: Anstelle einer klassischen Krippe mit Maria-, Josef- oder Jesuskind-Figuren befand sich eine bodennahe Konstruktion aus Stroh, in der ein lebender Mensch lag. Die Person war eng in feuchtes, halbtransparentes Reispapier gehüllt, regungslos und sichtbar atmend. Diese Darstellung blieb während des gesamten Gottesdienstes unverändert bestehen und wurde mehrfach von der Kameraführung der ARD ins Bild gesetzt.
Während des gesamten Wortgottesdienstes, einschließlich der alttestamentlichen Lesungen, des Psalms, der Epistel und des Weihnachtsevangeliums nach Lukas, blieb die Installation präsent. Die biblischen Worte zur Geburt Jesu wurden somit parallel zu einem Bild körperlicher Verletzlichkeit wahrgenommen. Eine narrative oder szenische Darstellung der Weihnachtsgeschichte fand nicht statt.
In der Predigt deutete Rundfunkpfarrer Steiger die Inszenierung theologisch: Unter dem Leitmotiv „So viel Mensch war nie“ wurde die Menschwerdung Gottes als existenzielles Ereignis beschrieben, das Gottes Eintritt in die Verletzlichkeit des Menschseins sichtbar macht. Die Geburt Jesu wurde nicht als idyllisches Geschehen, sondern als Moment äußerster Schutzlosigkeit interpretiert.

Quelle: ARD
Auch während des Glaubensbekenntnisses, der Fürbitten sowie des eucharistischen Teils der Messe, einschließlich der Wandlung, blieb die Darstellung unverändert. Eine Auflösung oder erklärende Veränderung erfolgte nicht, ebenso wenig während der Kommunion und des Schlussritus. Die Szene fungierte als permanentes Bild für menschliche Verwundbarkeit und prägte den Charakter des gesamten Gottesdienstes.
Die ungewöhnliche Gestaltung führte in den Tagen nach der Ausstrahlung zu starken Reaktionen. Während die Verantwortlichen die Darstellung als symbolischen Ausdruck der Menschwerdung Gottes verstanden wissen wollen, äußerten zahlreiche Gläubige Kritik und fühlten sich in ihrem religiösen Empfinden verletzt. Mit seiner Stellungnahme hat sich nun auch MdB Christian Haase dieser Kritik angeschlossen und eine öffentliche Debatte über die Grenzen künstlerischer Gestaltung im liturgischen Raum angestoßen.
Ein Kommentar

(Herausgeber BDiB)
Die Krippendarstellung in der ARD-Christmette war zweifellos ungewöhnlich. Anstelle der traditionellen Figuren von Maria, Josef und dem Jesuskind lag ein lebender Mensch, regungslos in feuchtem Reispapier auf Stroh – ein eindrückliches, visuell ungewohntes Bild, das die Verletzlichkeit der Menschwerdung Gottes symbolisieren sollte.
Persönlich empfinde ich diese Szenerie nicht als verletzend; ich erkenne aber an, dass andere Gläubige sie als irritierend oder respektlos wahrgenommen haben. Gerade in einem sakralen Kontext, der für viele tief emotional und spirituell ist, kann eine solch radikaleInszenierung befremdlich wirken.
Was ich hingegen kritisch sehe, ist die öffentliche Reaktion eines CDU-Bundespolitiker, dessen Partei sich als christliche Partei bezeichnet. Bundestagsabgeordneter Christian Haase äußerte, er fühle sich in seinen Glaubensüberzeugungen verletzt und schloss sich der Kritik von Priester Zvonko Tolic an.
Dabei fällt auf, dass die Pastoralreferentin Katharina Leser bereits vor Beginn der Messe auf die alltägliche Situation zum Beispiel der notwendigen Tafeln und die dazugehörige Symbolik der Krippenszene einging, um die Intention zu erläutern.
Diese Erklärung wird aus meiner Sicht in der öffentlichen Debatte kaum berücksichtigt.
Das wirft Fragen auf: Wie authentisch ist das christliche Selbstverständnis der CDU, wenn eine öffentliche Darstellung, die theologisch begründet und liturgisch eingebettet ist, bereits ausreicht, um sich in den eigenen Gefühlen verletzt zu sehen? Christsein bedeutet doch nicht nur, sich in traditionellen Bildern wiederzufinden, sondern auch Nächstenliebe, Wahrhaftigkeit und Solidarität mit den Schwächsten zu praktizieren – wie es in der Bergpredigt gelehrt wird. Die Krippe in Stuttgart zeigte Verletzlichkeit und Schutzlosigkeit als universelle menschliche Erfahrung, (“So viel Mensch war nie”) aber der Fokus der öffentlichen Kritik lag auf persönlichem Empfinden statt auf inhaltlicher Auseinandersetzung mit den theologischen Botschaften.
Es wäre ein ehrlicherer Umgang mit christlichen Werten, die Diskussion auf die eigentliche Botschaft des Evangeliums zu lenken: die Teilhabe an der Verletzlichkeit anderer, Mitgefühl, und die Frage, wie wir als Gesellschaft Schwache und Ausgegrenzte schützen und unterstützen. Wenn Christsein in erster Linie über persönliche Empfindlichkeiten und Parteibild definiert wird, verfehlt dies den Kern der Lehre, die auf die Tat und nicht nur auf das Selbstbild gerichtet ist.
wieder einmal geht ein Gottesdienst an der biblischen Botschaft vorbei: der Schwerpunkt ist, dass Gott Mensch wird, nicht die Verletzlichkeit des Menschen! Weihnachten und Ostern werden zunehmend ihrer eigentlichen Bedeutung entleert. Was übrig bleibt sind humanistische Allgemeinplätze. Dafür braucht es aber keine Kirche, da reicht das Grundgesetz!
Eine furchtbare Darstellung, die nichts mit Brauchtum zu tun hat. Nicht nur befremdlich, sondern abartig. Genauso abartig wie die Darstellung im Dom. Hat meinen Entschluss bekräftigt, aus der Kirche ausgetreten zu sein, war richtig. Werden denn jetzt alle Traditionen gebrochen?????