Auf Entdeckungs-Tour durch unsere Stadt – Teil 3

Doris Dietrich

Bad Driburg. Informationstafeln geben spannende Einblicke in die Geschichte unserer Stadt. In loser Folge stellen wir sie hier vor. Viele Bad Driburger gehen täglich daran vorbei – ein kurzer Halt lohnt sich jedoch. Die Tafeln stehen im Stadtzentrum. Sie laden zu einem besonderen Rundgang ein: Jede Station widmet sich einem eigenen Thema. Die Tafeln sind barrierearm und mit Brailleschrift versehen. Eine Quizfrage mit Antwort macht den Rundgang informativ und unterhaltsam.  

Heute: Station 3 – Dreizehnlinden Brunnen (Rathausplatz)

Titelbild: Informationstafeln Dreizehnlinden Brunnen

Der Brunnen ist ein Geschenk der Stadt Bad Driburg an Caspar Graf von Oeynhausen-Sierstorpff. Der damalige Besitzer des Gräflichen Bades feierte 1986 seinen 60. Geburtstag. Seine Heimatstadt nahm dies zum Anlass, ihn für seine Verdienste zu ehren und beauftragte den Künstler Werner Klenk aus Oelde mit der Gestaltung eines Brunnens. Am 9. Juli 1988 wurde dieser feierlich eingeweiht.

Das Epos „Dreizehnlinden“

Die Reliefs zeigen Motive aus dem Epos „Dreizehnlinden“. Es wurde 1878 von Friedrich Wilhelm Weber veröffentlicht, der aus Bad Driburg-Alhausen stammte. In Form von 25 Gesängen wird darin die Überwindung des Heidentums durch das Christentum geschildert. Die Handlung spielt im „Nethegau“ – der Heimat des Autors – zwischen dem Frühjahr 822 und Sommer 823. Das ist die Regierungszeit von Ludwig dem Frommen – dem Nachfolger von Karl dem Großen. Die Geschichte ist frei erfunden. Trotzdem darf man sich nach Webers Worten das Kloster Corvey unter „Dreizehnlinden“ vorstellen. Das Werk erlangte kurze Zeit nach der Herausgabe im gesamten deutschsprachigen Raum Bekanntheit.


Politische Hintergründe

Der erste Reichskanzler Otto von Bismarck startete nach der Gründung des Deutschen Reiches einen sogenannten „Kulturkampf“. Die Katholiken wurden zu Reichsfeinden erklärt. Katholisches Gedankengut konnte zum Beispiel nur noch über Gesangsbücher oder unverdächtige Mittelaltergeschichten verbreitet werden. Auch „Dreizehnlinden“ ist eine solche Geschichte: Sie entstand im Auftrag katholischer Literaturkreise und sollte der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Das christliche, versöhnende Epos war übrigens bis in die 1950er Jahre Pflichtlektüre in der Schule.

KI-animiert

Die Handlung

Das heidnische Volk der Sachsen ist von den christlichen Franken unterworfen. Die Sachsen hassen die Sieger, doch allmählich findet die christliche Lehre Eingang in ihre Herzen. Das Epos wird anhand des Schicksals verschiedener Figuren erzählt. Hauptfigur der Sachsen ist Elmar, der Herr des „Habichtshofes“. Daneben gibt es Rab, den Escheburger sowie die Heiden Thiatgrim und Swanahild. Die Franken werden von dem Gaugraf Bodo sowie dem königlichen Sendboten Gero vertreten. Außerdem gibt es noch die Mönche des Klosters „Dreizehnlinden“. Eine weitere Person ist Hildegunde, die Auserwählte von Elmar: sie hat trotz ihrer passiven Rolle großen Einfluss und verkörpert weder das Christentum noch das Heidentum, sondern das allgemein Menschliche. Darüber hinaus treten weitere Nebenfiguren auf, die das Epos facettenreich und lebendig machen.

Rathausplatz mit Dreizehnlinden Brunnen
Friedrich-Wilhelm-Weber-Museum in Alhausen
Weber-Büste im Poesie- und Kräutergarten Alhausen

Kloster Corvey bei Höxter


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