pro barrierefrei e.V.: Barrierefreiheit muss Kern der Pflegereform werden

Finger weg von der Verhinderungspflege

Alexander Bieseke


Bad Driburg. Der aus Bad Driburg  stammende gemeinnützige Verein pro barrierefrei e.V. sieht die bislang vorgelegten Eckpunkte des sogenannten Zukunftspakts Pflege des Bundesgesundheitsministerium kritisch. Zwar sei es grundsätzlich richtig, dass Bund und Länder eine Reform der Pflegeversicherung vorbereiten. Aus Sicht des Vereins steht jedoch ein entscheidender Punkt bislang nicht ausreichend im Mittelpunkt der Diskussion: die konsequente Umsetzung von Barrierefreiheit. Mit einem entsprechenden Schreiben hat sich die Selbsthilfegruppe an das Berliner Ministerium gewandt.

Barrierefreie Wohnungen, barrierefreie öffentliche Räume und barrierefreie Pflegeangebote seien zentrale Voraussetzungen dafür, dass Menschen möglichst lange selbstständig und selbstbestimmt leben können. Wer Pflegebedürftigkeit verhindern oder zumindest hinauszögern wolle, müsse daher stärker in eine barrierefreie Infrastruktur investieren. Ohne entsprechende Rahmenbedingungen werde das politische Ziel „ambulant vor stationär“ vielerorts kaum umzusetzen sein.

Der Verein fordert deshalb, Barrierefreiheit als verbindliches Leitprinzip der Pflegereform zu verankern. Dazu gehörten eine deutlich stärkere Förderung barrierefreier Wohnraumanpassungen, klare Barrierefreiheitsstandards in Pflegeeinrichtungen sowie eine bessere Verzahnung von Pflegepolitik, Wohnungsbau und kommunaler Infrastruktur.

Finger weg von der Verhinderungspflege

Zugleich weist pro barrierefrei e.V. darauf hin, dass auch die Unterstützung pflegender Angehöriger gestärkt werden müsse. Insbesondere die Verhinderungspflege spiele hierbei eine zentrale Rolle. Sie ermögliche es Angehörigen, eine Ersatzpflege zu organisieren, wenn sie selbst krank sind, Termine wahrnehmen müssen oder eine dringend benötigte Auszeit brauchen.
Eine Schwächung dieser Leistung würde nach Einschätzung des Vereins die Situation vieler Familien deutlich verschärfen und somit erneut Barrieren schaffen.  Bereits heute leisten Millionen Menschen in Deutschland täglich Pflegearbeit – häufig über viele Jahre hinweg und unter großen persönlichen Belastungen.

„Pflegepolitik darf nicht nur über Finanzierung sprechen. Sie muss auch die Voraussetzungen schaffen, damit Menschen möglichst lange selbstbestimmt leben können“, betont pro barrierefrei e.V. Eine nachhaltige Pflegereform müsse daher Barrierefreiheit konsequent in den Mittelpunkt stellen, die häusliche Pflege stärken und pflegende Angehörige verlässlich entlasten.

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