Doris Dietrich
Bad Driburg. Unsere Redaktion von „Bad Driburg im Blick“ fragte vor kurzem nach interessanten Menschen im Ehrenamt.
Erika Hauenschild engagiert sich seit fast 37 Jahren ehrenamtlich mit großer Herzlichkeit im Philipp-Melanchthon-Zentrum in Bad Driburg. Was 1989 mit dem Besuch bei einer früheren Nachbarin begann, ist längst zu einer festen Größe in ihrem Leben geworden. Sie besuchte die Nachbarin dort immer wieder und begleitete sie schließlich auch am Sterbebett. Danach blieb Erika Hauenschild als Ehrenamtliche. Sie wurde herzlich aufgenommen und ist seitdem aus dem Alltag der Einrichtung nicht mehr wegzudenken.

Bild: privat

Bild: Doris Dietrich
Heute ist sie oft an sieben Tagen in der Woche für etwa drei Stunden vor Ort. Sie geht mit Bewohnerinnen und Bewohnern spazieren, führt Gespräche, spielt und singt mit ihnen oder unterstützt die Mitarbeitenden beim Tischdecken oder Essenreichen. Mit viel Engagement organisiert sie zusammen mit den Betreuungskräften Themennachmittage und hilft bei Festen – vom Apfelstrudel- oder Rosennachmittag bis zu Karnevalsaktionen. Im Winter baut sie mit Begeisterung Schneemänner, die draußen auf einer Bank Platz nehmen und den Alltag ein wenig bunter machen. Mit ihrer Gitarre bringt sie Musik ins Haus und sorgt für besondere Momente. So erhalten Geburtstagskinder ein persönliches Ständchen. Wer ihr begegnet, spürt schnell ihre positive Ausstrahlung – eine Fröhlichkeit, die sich immer wieder auch auf die Bewohnerinnen und Bewohner überträgt.
Auf die Frage, warum sie das alles macht, antwortet sie ohne zu zögern: „Ich war schon seit meiner Konfirmation ehrenamtlich tätig. Eine sinnvolle Aufgabe zu haben, erfüllt mich. Ich bin gern unter Menschen. Das ist meine Welt, ich brauche das!“
Besonders am Herzen liegen ihr die Bewohnerinnen und Bewohner, die keine Angehörigen mehr haben und viel allein sind. Ihnen schenkt sie zusätzliche Aufmerksamkeit, Zeit und Nähe.
Auch schwere Momente gehören zu ihrem Ehrenamt. Das Thema Sterben ist Teil des Alltags. „Manchmal geht es mir sehr nahe, denn jeder stirbt anders. Oft ist es das stille Dasein und das Halten einer Hand.“ Einem Bewohner erfüllte sie seinen letzten Wunsch und sang ganz leise „Marmor, Stein und Eisen bricht“.
Erika Hauenschild bleibt bescheiden. „Meine Bewunderung gilt Tag für Tag den Betreuungskräften, Präsenz- und Fachkräften. Sie sind so aufmerksam und zugewandt. Ich schätze das kollegiale Miteinander im Haus sehr.“
Sie hat Industriekauffrau gelernt, ist in einem Dorf bei Löhne aufgewachsen und ein ausgesprochener Familienmensch.
Wenn sie den Kopf freibekommen will, treibt sie Sport: Sie schwimmt im Freibad oder im Hallenbad. Aber besonders gern in der Nordsee, deren Weite sie liebt. Sie fährt sehr viel Fahrrad. Radtouren mit ihrem Mann gehören dazu. Die Berge haben es ihr angetan. Im Herbst und Frühjahr verbringt sie besonders gern Urlaub mit ihren Enkeln, genießt gemeinsame Zeit in der Natur – am Meer oder in den Bergen.
Auch das Kulturangebot in Bad Driburg nutzt sie gern. Konzerte, Lesungen und Veranstaltungen gehören für sie und ihren Mann fest dazu.
Für ihr außergewöhnliches Engagement wurde Erika Hauenschild 2017 geehrt. Sie durfte sich ins Goldene Buch der Stadt Bad Driburg eintragen. Der Bürgermeister würdigte unter anderem, dass sie „der gute Geist im Philipp-Melanchthon-Haus“ sei – eine treffende Beschreibung für ihren jahrzehntelangen Einsatz und ihre Herzenswärme.

Was rät sie Menschen, die selbst ein Ehrenamt übernehmen möchten? „Einfach ausprobieren, vielleicht auch an verschiedenen Stellen mal zur Probe. Ein Ehrenamt ist sehr schön und sehr wichtig. Man gibt nicht nur, sondern bekommt auch ganz viel zurück.“
Ihr Lebensmotto bringt es auf den Punkt: „Ich kann mich über so vieles freuen. Ich bin gern unter Menschen – Harmonie ist mir sehr wichtig.“
Titelbild: Mit Herz und Gitarre