Auf Entdeckungs-tour durch unsere Stadt

Doris Dietrich

Bad Driburg. Informationstafeln geben interessante Einblicke in die Geschichte unserer Stadt. In loser Folge wollen wir sie hier vorstellen. Viele Bad Driburger gehen täglich an den Tafeln vorbei, ohne einen Blick darauf zu werfen – ein kurzer Halt lohnt sich jedoch. Die gelben Tafeln befinden sich im Stadtzentrum u.a. entlang der Langen Straße, am Mühlrad, in der Caspar-Heinrich-Straße, in der Schulstraße sowie am Rathausplatz. Sie laden Einheimische und Gäste gleichermaßen zu einem besonderen Stadtrundgang ein. Jede Station widmet sich einem eigenen Thema und erzählt anschaulich von historischen Gebäuden, bedeutenden Persönlichkeiten und wichtigen Entwicklungen der Stadt. Die Tafeln sind barrierefrei gestaltet und zusätzlich mit Brailleschrift versehen, damit möglichst viele Menschen die Geschichte Bad Driburgs entdecken können. Eine Quizfrage mit Antwort rundet jede Station ab und macht den Rundgang zu einem informativen und zugleich unterhaltsamen Erlebnis – ideal für Familien, Schulklassen und neugierige Gäste.

Einige Tafeln könnten eine gründliche Reinigung vertragen, damit Informationen und Abbildungen wieder optimal sichtbar sind – ein kleiner Hinweis darauf, dass Stadtgeschichte Pflege braucht.

Informationstafel „Villen“ in der unteren Langen Straße
Lange Straße in Ost-West-Richtung
Quelle: Unbekannt

Titelbild: Blick auf die Villen ⬆️⬇️
Stadtplan Bad Driburg 1898
Quelle: Unbekannt
Infotafel – Dienstmädchen mit zusammenklappbarem Kinderwagen um 1900 (Interfoto, Sammlung Rauch)

Heute: Station 1 –  Villen (Untere Lange Straße)

Sie stehen beispielhaft für die glanzvolle Epoche der Kaiserzeit und spiegeln den Anspruch Bad Driburgs wider, sich als moderner Kur- und Badeort zu etablieren.

Gegenüber der Infotafel befinden sich noch vier Villen, die in der deutschen Kaiserzeit (1871–1918) erbaut wurden. Ihr Stil zeigt deutliche Bezüge zur Neoromantik und Neogotik und wird deshalb dem sogenannten „Historismus“ zugeordnet. Dieser Baustil war besonders typisch für die Bäderarchitektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

In vielen Städten wurde dieser repräsentative Stil aufgegriffen – auch Driburg wollte mit den glanzvollen Kurorten jener Epoche Schritt halten.

Die untere Lange Straße besitzt für die Stadtentwicklung eine besondere Bedeutung: Sie verbindet den historischen Stadtkern im Westen mit den gräflichen Kuranlagen im Osten sowie mit dem Bahnhof. Aus diesem Grund entstanden entlang dieser Straße besonders viele prächtige Bürgerhäuser.

Sie trugen außerdem dazu bei, dass die zuvor getrennt verwendeten Bezeichnungen „Driburg“ und „Bad (bei Driburg)“ allmählich zu einem Namen verschmolzen. Auf einem Stadtplan von 1898 erscheinen noch beide Namen nebeneinander, seit 1919 heißt die Stadt offiziell „Bad Driburg“.

Das Leben in diesen Villen konnten sich ausschließlich Angehörige des Bürgertums leisten. In der deutschen Kaiserzeit umfasste diese Gesellschaftsschicht ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Das höchste Ansehen genoss das Großbürgertum. Bankiers, Großkaufleute oder Unternehmer verfügten meist über beträchtlichen Wohlstand. In diesen Kreisen galt es als vornehm, adlige Lebensgewohnheiten nachzuahmen und Hauspersonal zu beschäftigen.

Auch eine akademische Bildung eröffnete den Zugang zum gehobenen Bürgertum, das etwa sechs Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachte. Zum sogenannten Bildungsbürgertum zählten Ärzte, Anwälte und Lehrer. Sie legten großen Wert auf akademische Titel wie Professor oder Doktor und verdienten in der Regel genug, um ihre Familien gut abzusichern und ein komfortables Leben zu führen.

Sowohl für Besitzbürger als auch für Bildungsbürger bedeutete die Erhebung in den Adelsstand den gesellschaftlichen Aufstieg in höchste Kreise. Unangefochten war zudem die Stellung des Militärs: Besonders Offiziere genossen großes Ansehen. Ihre Haltung, ihre Sprechweise und ihr Denken wurden daher in bürgerlichen Kreisen häufig imitiert. Viele Bürger erwarben außerdem ein sogenanntes Reserveoffizierspatent, das ihnen gesellschaftlichen und politischen Einfluss eröffnete.

In der Bad Driburger Gesellschaft war beispielsweise die vielseitig engagierte Familie des Unternehmers Carl Münstermann senior hoch angesehen. Gemeinsam mit F. und W. Seidensticker erwarb er 1876 an der unteren Langen Straße eine Glashütte, die ab 1914 unter dem Namen „Friedrichshütte“ bekannt war (ehemals am heutigen Rathausplatz gelegen). Die 1973 abgerissene Villa Münstermann galt als typisches Beispiel großbürgerlicher Architektur.

Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen lohnt sich ein Rundgang besonders: Ein Spaziergang entlang der Langen Straße und zu den Villen verbindet frische Luft, historische Einblicke und kleine Entdeckungen – ideal für Einheimische und Gäste gleichermaßen.

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