Kritik ist nötig – Lösungen erst recht [update]

Ein Kommentar von Alexander Bieseke

Alexander Bieseke
(Herausgeber BDiB)

¹Richtigstellung und Einordnung

❗️ Wichtiger Hinweis:
Wie inzwischen von der Kreisverwaltung bestätigt wurde, wurde der Winterdienst zu keiner Zeit im gesamten Kreisgebiet eingestellt. Die entsprechende Meldung von Radio Hochstift (Screenshot) war falsch und missverständlich. Sie wurde gelöscht.

Richtig ist jedoch, dass man aufgrund der Schneemengen und insbesondere der starken Verwehungen in den Hochlagen nicht mehr zeitnah hinterherkam und daher Prioritäten geändert werden mussten.

Als Kommentator halte ich dennoch an der grundsätzlichen Kritik fest:
Unabhängig von Zuständigkeiten und Formulierungen zeigt die Situation, dass der öffentliche Winterdienst – egal auf welcher Ebene – an seine Grenzen gestoßen ist. Für Betroffene macht es keinen Unterschied, ob offiziell „eingestellt“ wurde oder ob man faktisch nicht mehr nachkommt.

Entscheidend ist die Wirkung vor Ort: ungeräumte Gehwege, zugeschneite Bordsteinabsenkungen, blockierte Bushaltestellen und eingeschränkte Mobilität, insbesondere für den Fußverkehr und Menschen mit Einschränkungen. Auch Anwohner bzw. Grundstückseigner kommen ihrer satzungsgemäßen Räumpflicht zu oft nicht nach.


Die Richtigstellung ist wichtig – sie ändert jedoch nichts an der Notwendigkeit, Strukturen, Prioritäten und ergänzende Lösungen zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

Ende der Richtigstellung


Stellen wir uns folgende Meldung vor:

„Pflege- und Rettungsdienste stellen ihren Betrieb ein. Wir kommen wetterbedingt nicht mehr hinterher.“

Undenkbar. Genau deshalb wirkt es so befremdlich, wenn beim Winterdienst ¹Kapitulation als Option gilt. Diese kommt aktuell angeblich vom ²Kreisbauhof – doch die Folgen treffen die Kommunen vor Ort, auch in Bad Driburg. Unabhängig von Zuständigkeiten zeigt sich hier vor allem eines: fehlende praktische Lösungen.
Dabei liegen diese auf der Hand.

²❗️HINWEIS: Einen Kreisbauhof in Brakel gibt es nicht. Der Kreis betreibt zwei Bauhöfe. Einen in Warburg und einen in Rolfzen (Stadt Steinheim) inwieweit der Winterdienst tatsächlich eingestellt wurde, wird noch recherchiert. [Update] .

Wenn Personal und Fahrzeuge nicht ausreichen, müssen zusätzliche Kräfte organisiert werden. Dazu gehören ausdrücklich auch arbeitswillige Flüchtlinge, die gerne etwas beitragen möchten. Schneeschippen ist keine hochqualifizierte Tätigkeit: Schneeschieber verteilen, kurze Einweisung, Versicherung klären – fertig.

Das ist Organisation, kein Hexenwerk.
Der Einsatz ist klar definierbar und sinnvoll:
Bushaltestellen
Ampelanlagen und Querungshilfen
Bordsteinabsenkungen
Gehwege und zentrale Fußwege
das Entfernen von Schneebergen, die Mobilität blockieren.

So wird der Fußverkehr aktiv gesichert – gleichrangig zum Straßenverkehr.
Gleichzeitig müssen die Kommunen vor Ort ihrer Aufgabe nachkommen, die Räum- und Streupflicht von Eigentümern und Vermietern klar zu kommunizieren, einzufordern und zu kontrollieren. Hinweise allein reichen nicht. Ohne Kontrolle bleibt Verantwortung zu oft folgenlos.

Als Rollstuhlfahrer ist die aktuelle Situation nicht wegen des Schnees problematisch, sondern wegen der Kombination aus Nichtstun, fehlender Koordination und mangelnder Durchsetzung bestehender Pflichten.
Kritik ist notwendig.
Aber Lösungen sind möglich – wenn man sie will.

Ein aktueller Blick nach Berlin verschärft die Frage zusätzlich: großflächige Stromausfälle, zehntausende Haushalte betroffen, Reparaturen über Tage angekündigt. Auch hier zeigt sich, wie schnell Infrastruktur an ihre Grenzen kommt – und wie wenig Puffer offenbar vorhanden ist.

Wenn aber schon vergleichsweise überschaubare Schneemengen oder ein einzelnes Schadensereignis reichen, um zentrale Versorgungsstrukturen ins Wanken zu bringen, stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie belastbar ist unser Krisenmanagement überhaupt noch?

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Dokumentation vom Winter 1978/1979

Titelbild: Screenshot Meldung auf Radio Hochstift

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