Blind verstehen

Doris Dietrich

Bad Driburg. Am 4. Januar wird weltweit der Welt-Braille-Tag begangen. Das Datum ist bewusst gewählt, denn es erinnert an den Geburtstag von Louis Braille, der am 4. Januar 1809 in Frankreich geboren wurde. Durch einen Unfall im Kindesalter verlor Louis Braille sein Augenlicht. Trotz dieser einschneidenden Erfahrung entwickelte er bereits als Jugendlicher ein Schriftsystem aus sechs erhabenen Punkten, das blinden Menschen das Lesen und Schreiben mit den Fingern ermöglicht. Seine Erfindung stellte einen Meilenstein dar und veränderte das Leben von Millionen Menschen weltweit nachhaltig.

Büste Brailles an der Seepromenade in Bad Wiessee (Tegernsee)
Quelle: Wikipedia
Braille-Schrift

Bis heute ist die Brailleschrift ein unverzichtbarer Schlüssel zu Bildung, Information, Selbstständigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe für blinde und stark sehbehinderte Menschen. Sie macht Texte, Zahlen, Noten und Symbole ertastbar und eröffnet damit Zugänge, die sonst verschlossen blieben. Gleichzeitig zeigt der Alltag, dass viele Betroffene weiterhin mit Barrieren konfrontiert sind – sei es im öffentlichen Raum, beim Zugang zu Informationen oder in der digitalen Welt.

Um auf die Bedeutung der Brailleschrift und auf die Rechte blinder Menschen aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen den 4. Januar offiziell als Gedenktag anerkannt. Seit dem Jahr 2019 wird der Welt-Braille-Tag international begangen. Er steht für Inklusion, Gleichberechtigung und den Anspruch auf Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen.

Rathausplatz mit Infotafel

Auch in Bad Driburg wird dieser Gedanke der Teilhabe sichtbar umgesetzt. In der Innenstadt führt ein barrierefreier historischer Stadtrundgang von etwa drei Kilometern Länge durch die Geschichte unserer Kurstadt. Entlang des Weges informieren Infotafeln über prägende Orte und Entwicklungen. Diese sind zusätzlich mit Brailleschrift versehen und ermöglichen es blinden und sehbehinderten Menschen, die Geschichte Bad Driburgs eigenständig zu entdecken und nachzuvollziehen.

Ein weiteres gelungenes Beispiel findet sich in Bad Wiessee am Tegernsee. Dort lädt ein Braille-Duft- und Tastgarten dazu ein, Pflanzen, Düfte und Strukturen mit allen Sinnen wahrzunehmen. Informationstafeln in Brailleschrift begleiten den Rundgang. In einem Pavillon erinnert eine Statue von Louis Braille an den Erfinder der Blindenschrift und an die bleibende Bedeutung seines Werkes.

Diese Beispiele machen deutlich, dass es bereits viele positive Ansätze für Teilhabe und Inklusion gibt. Zugleich zeigen sie, dass weiterhin großer Handlungsbedarf besteht, um Informationen, Kultur und öffentliche Räume konsequent barrierefrei und für alle Menschen zugänglich zu gestalten.

Der Welt-Braille-Tag ist daher nicht nur ein Gedenktag, sondern auch eine Erinnerung daran, Inklusion als fortlaufende Aufgabe zu begreifen – heute und in Zukunft.

 

Zitate zum Welt-Braille-Tag

„Bildung ist der Schlüssel zur Freiheit.“

Louis Braille

„Mit den Händen lesen heißt, die Welt auf eine andere Weise zu verstehen.“

 

„Inklusion bedeutet nicht, dass alle gleich sind – sondern dass alle dazugehören.“

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