Die Wälder rund um Bad Driburg – Leidtragende und Lösung des Klimawandels

Neuenheerse/Bad Driburg. (bb) „Der Zustand des Waldes ist besorgniserregend“, mit diesen Worten lud das Regionalforstamt Hochstift zu einem Ortstermin in das Revier Neuenheerse, um über die Ursachen und Verbreitung der Waldschäden zu informieren.

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Das Hochstift mit einer Waldfläche von 72.600ha zeichnet sich insbesondere durch Laubwald aus. Ein Großteil hiervon ist die Buche mit ihren Mischformen wie bspw. die Esche. Vom Regionalforstamt Hochstift in Neuenheerse ging es in ein Waldstück. Schon auf dem Weg sind die Schäden an den Buchen auf dem Gradberg deutlich sichtbar. Wo sonst sattgrüne Baumkronen zu sehen sind, kommen immer mehr rötliche Bäume mit sehr spärlicher Belaubung zum Vorschein. Ursächlich ist die seit letztem Jahr Pfingsten andauernde Trockenheit. Durch die kalkgeprägten Böden in Kombination mit der Kuppenform gelangt auch bei Regen nicht genug Wasser an die Bäume. Betroffen sind hiervon insbesondere die Altbestände mit einem Alter von ca. 170 Jahren. In manchen Bereichen sind sogar bis zu 80% der Buchen geschädigt.
Im Wald konnten wir uns ein genaueres Bild der Schäden machen. Für Erläuterungen sorgten Roland Schockemöhle, Leiter des Regionalforstamtes Hochstift sowie die Revierförsterin Marina Jürgens und der Fachgebietsleiter Landeseigener Forstbetrieb im Regionalforstamt Dirk Kreienmeier. Besonders problematisch ist die Trockenheit, durch die die Bäume nicht vital genug sind, um sich gegen Schädlinge zur Wehr zu setzen. An vielen Stellen sieht man Buchenschleimfluss. Dies sind braun-schwarze Flecken und ein Indiz für einen Befall mit dem kleinen Buchenborkenkäfer. Sobald ein Baum hiervon befallen ist, ist er bereits abgestorben, denn er wird an diesen Stellen zersetzt. Diesen Prozess kann man sogar riechen. Wird ein Befall festgestellt, bleibt bei Buchen nur ein kleines Zeitfenster von Tagen, um diese zu fällen und aus den Wäldern zu bringen, damit die Schädlinge sich nicht weiterverbreiten. Auch Folgeparasiten wird hierdurch Tür und Tor geöffnet, wie der Pfennig-Kohlenkruste oder der Weißfäule.
Neben Laubbäumen sind auch die Nadelbäume gefährdet. Auch wenn viele Fichten momentan noch gesund aussehen, kann der Schein trügen und in ein paar Wochen Befallstellen sichtbar werden lassen. Hier sorgt insbesondere der Buchdrucker für Schäden. Dieser greift auch gesunde Bäume an und beschränkt sich nicht nur auf eine Baumart. 2019 ist bisher das schlimmste Jahr mit dem Borkenkäfer und sorgt für eine hohe Dynamik des Absterbens.
Besonders erschreckend war eine Scheibe aus einem Buchenstamm. An diesem konnte man genau ablesen, wann die Dürre einsetzte. Sobald Buchen nicht mehr genug Wasser ziehen können, schließen sich die Zellen, was eine chemische Behandlung unmöglich macht und den Verkaufspreis durch den eingeschränkten Verwendungszweck ungefähr halbiert. Um diese Einbußen zu reduzieren, ist ein größeres Baumportfolio erstrebenswert. Ist eine Baumart besonders schwer betroffen, bleibt der Wald durch andere Arten beständig. Stabilität sorgt für Rentabilität.
Durch die regionalen Gegebenheiten ist der Einsatz eines Harvesters nicht immer möglich, dies bedeutet, dass die Bäume bzw. Wälder manuell gepflegt werden müssen, was zu höherem Personalbedarf führt. Durch den zunehmend schlechten Zustand der Bäume steigt allerdings bei der Pflege auch das Risiko bzgl. der Arbeitssicherheit, weshalb es dringend nötig ist, in den Forschungsbereich zu investieren. Getestet werden mittlerweile Funkfellkeile, die eine gewisse Distanz zu den Bäumen erlauben und damit die Arbeitssicherheit gewährleisten.
Die Wälder brauchen nicht nur von Fachleuten Unterstützung, sondern auch von der Gesellschaft. Holz ist das beste Mittel, um CO2 zu speichern und dem Klimawandel entgegenzutreten. Eine Möglichkeit wäre bspw. den Anteil an Holz in der Baubranche zu erhöhen. Während in Baden-Württemberg der Anteil an Holzbauten fast 30% beträgt, liegt der Anteil in NRW mit knapp über 11% deutlich darunter. Gesunde Wälder bedeuten besseres Klima.