Interview mit Hobbyfotograf Andreas Lange

Bilder erzählen eine Geschichte – Verlassen, verfallen und fotografiert.

Bad Driburg. Andreas Lange ist Hobbyfotograf und begibt sich in alten, verlassenen Bauwerken auf Bilderjagd. BDiB gewährte er in einem Interview Einblicke in seine Recherchen.

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BDiB
Wie bist du auf so ein recht ungewöhnliches Hobby gekommen?
AL
Das Interesse hat mich bereits als kleiner Junge gepackt, als ich noch oft mit meiner Oma zum Friedhof ging. Dort gab es unterhalb des Waldes ein altes Kinderheim, das Haus Elmar. Meine Neugier lockte mich in dieses verfallene und auch beschädigte Haus und seitdem konnte ich an verlassenen Orten nicht mehr vorbeigehen.

BDiB
Was sollen deine Bilder für Geschichten erzählen?
AL
Es stimmt, jedes Bild erzählt seine eigene Geschichte. Oftmals gibt es eine schöne, manchmal aber auch schreckliche Geschichte, die sich hinter den teils zugewachsenen Mauern befindet.
Meine Bilder sollen dem Betrachter zeigen, wie es hinter den alten Mauern aussieht, in einer verlassenen Villa oder in einem alten Stollen, der jahrelang nicht mehr betreten wurde. Bilder können viel über einen Ort erzählen, aber der Eindruck, den man selbst bekommt, wenn man einen seit Jahrzehnten verlassenen Ort betritt, ist immer noch das größte Geschenk.

BDiB
Dein Hobby klingt gefährlich. Wie sicherst du dich bei deinen Erkundungen ab?
AL
Ich will niemanden animieren, verlassene Orte zu betreten, weil man mit Verletzungen und sogar dem Tod rechnen muss. Ein falscher Schritt oder das Öffnen einer verklemmten Tür kann die Bausubstanz zum Einsturz bringen. Die Erfahrung und das genaue Betrachten einer Ruine sagt mir, wie weit ich mich bewegen kann. Manchmal ist es dann auch besser, nicht weiter zu gehen, wenn die Gefahr zu groß ist.

BDiB
Musst du die Erlaubnis einholen, ein verlassenes Gebäude zu betreten?
AL
Ich kann mich meistens bei der Stadt oder beim Eigentümer anmelden. Das Interesse an Ruinen ist nicht sehr groß. Die Polizei gibt mir teilweise hilfreiche Tipps. Wenn man eine Kamera dabei hat, sind auch die Herren von der Wache recht neugierig und fragen, was man fotografieren möchte. Auch manche Polizisten sind Hobbyfotografen. Ich wurde dann schon einmal gebeten, den Zugang nicht zu fotografieren, damit Kinder ihn nicht aufsuchen.

BDiB
Auf was achtest du bei deinen Fotos besonders? Worauf kommt es dir an?
AL
Besonders interessant sind Gebäude, die schlagartig verlassen wurden, weil es nach einem Todesfall vielleicht keine Erben gibt oder weil ein Betrieb pleiteging. Pensionen, die geschlossen wurden, weil der Betreiber keinen Nachfolger fand, sind für mich spannend. Das zeige ich auch gerne mit meinen Bildern.
Aber auch den natürlichen Verfall halte ich gern im Bild fest. Ich fotografiere eine Kaffeetasse in einem alten Hotelrestaurant und frage mich, wer wohl zuletzt aus ihr getrunken hat und was diese Tasse erleben durfte. Oder ich stelle mir vor, was eine verlassene Klinik, Fabrik oder Schule im Lauf der Zeit gesehen hat, welche schönen Geschichten ihre Mauern für sich behalten.

BDiB
Gibt es bei deinen Fototouren auch etwas, das dich ärgert?
AL
Ich sehe oft Spuren von Vandalismus und Diebstahl, von sogenannten Kabelratten. Jugendliche wollen Abenteurer spielen oder vor Bekannten angeben, dringen respektlos in verlassene Gebäude ein und reißen Kabel aus den Wänden oder hinterlassen Schäden, die den Wert der Immobilie senken. Mauerwerk oder Decken werden aufgebrochen. Diese Leute sind teilweise sogar aggressiv, ihnen weiche ich aus.

BDiB
Welche Schlüsse ziehst du für die Zukunft aus deinen Erfahrungen?
AL
Mit jedem verfallenden oder abgerissenen Gebäude verschwindet ein Stück Dorf- oder Stadtgeschichte, die ich mit meinen Bildern gern erhalten würde. Ein Besuch im Inneren vor dem Abriss sollte ermöglicht werden. Jugendliche sollten Respekt vor der Geschichte dieser Gebäude zeigen und sinnlose Zerstörung vermeiden.

BDiB
Danke, Andreas, dass du unsere Fragen beantwortet hast!
AL
Ich bedanke mich auch recht herzlich für das tolle Interview.

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