„Für das Leben ist kein Kaufpreis zu hoch“

Rettungswache offiziell übergeben und 25 Jahre „Leitende Notärzte im Kreis Höxter“

Bad Driburg. (ab) Bei strahlendem Sonnenschein wurde heute die neue Rettungswache Bad Driburg in der Kochs Kämpe offiziell seiner Bestimmung übergeben. Bei einer kleinen Feierstunde in einer der Fahrzeughallen begrüßte zunächst Matthias Kämpfer (Leiter des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit und Straßenverkehr des Kreises Höxter) die anwesenden Gäste. Um die 100 Personen waren der Einladung gefolgt, an dieser Einweihung teilzunehmen. Darunter waren die Rettungssanitäter des Standortes Bad Driburg, einige Angehörige der Leiteneden Notärzte des Kreises Höxter, kurz LNA sowie Vertreter aus Verwaltung, Politik und Polizei.

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Bürgermeister Burkhard Deppe begrüßte die Gäste ebenfalls und forderte gleich zu Beginn seiner kurzen Ansprache dazu auf, Respekt gegenüber Rettungskräften walten zu lassen. Als erster Bürger der Stadt überreichte er der Mannschaft der Sanitäter einen neuen Grill, der nach seinen Begrüßungsworten durch das sich hinter ihn öffnende Einfahrtstor vorgefahren wurde.

Landrat Friedhelm Spieker führte in seiner Rede aus, dass vor 18 Monaten der erste Spatenstich bei weniger gemütlichem Wetter hier im entgegengesetzten Standort zur bisherigen Wache an der Pyrmonter Straße vollzogen wurde.

Kreis ist zuständiger Träger

Als Träger des Rettungsdienstes sei der Kreis für die rettungsdienstliche Versorgung von mehr als 143 000 Einwohnern auf einem Gebiet von rund 1200 Quadratkilometern zuständig.

Lag die Zahl der Einsätze 1998 als die alte Rettungswache gerade in Planung war bei 15.000 Fahrten im Jahr sind es heute rund 26.000 Einsätze. Mit der heutigen offiziellen Einweihung am Standort Bad Driburg habe man innerhalb weniger Jahre vier neue Rettungswachen in Betrieb genommen. 2012 in Beverungen, 2014 in Peckelsheim und 2017 in Warburg.

Das bestehende Gebäude an der Pyrmonter Straße umzubauen und zu erweitern wäre keine Option. Dies wäre, so Spieker, nicht nur unwirtschaftlich sondern wegen fehlenden Erweiterungsflächen für das neue Raumkonzept nicht umsetzbar gewesen. Die Aufwendungen in Höhe von 2,2 Millionen Euro entsprächen der Planung und mit Blick auf die derzeitige Hochkonjunktur in der Baubranche sei diese Punktlandung keinesfalls selbstverständlich.

Die neue Rettungswache wurde als eingeschossiger Massivbau errichtet. sie verfügt über eine Gesamtfläche von rund 1100 Quadratmetern und bietet Platz für sechs Fahrzeughallen, Büroräume, Aufenthalts- und Ruhebereiche sowie Schleusen und Sanitäranlagen. Auch der diensthabende Notarzt findet hier einen eigenen Bereich vor und muss nicht mehr, wie bisher am St. Josef Hospital abgeholt werden. Durch die moderne Ausstattung haben sich die Arbeitsbedingungen für die Rettungsdienstmitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich verbessert. Besonderen Dank übertrug Spieker dem Leiter des Wachverbundes Steinheim/Bad Driburg, Hubertus Eilert, seinem Stellvertreter Thomas Rüthers und dem gesamten Team. Auch den beteiligten Firmen, die an Bau und Ausstattung der neuen Rettungswache beteiligt waren, danke Spieker herzlich.

Ein wesentlicher Vorteil des neuen Standortes sei die sehr gute Verkehrsanbindung des Gewerbegebietes Süd, so der Landrat. Dieser bringt eine deutliche Verbesserung mit sich, da von hier aus die Einsatzkräfte sehr schnell auf der Bundesstraße 64 als wichtige Hauptverkehrsader seien. Aber auch das südliche Stadtgebiet sei von hier aus besser abzudecken. Die Zahl der Einsätze die von Bad Driburg aus gefahren werden, läge bei fast 6.000 Fahrten im Jahr. Daher sind hier zwei dauerhafte Rettungstransportwagen (RTW), ein Reserve RTW, ein Krankentransportwagen (KTW), ein Reserve Krankentransportwagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) stationiert.

Mit derzeit 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die neue Rettungswache in Bad Driburg rund um die Uhr besetzt. Hingegen war die alte Wache 1998 ursprünglich für zwölf Einsatzkräfte geplant.

Mit Blick auf das Jubiläum zum 25 jährigen Bestehen der Leitenden Notärzte begrüßte Spieker dessen Sprecher und Angehörige von Beginn an, Dr. Rolf Schulte.
Die Notärztliche Versorgung sei das Herzstück der Notfallmedizin. Das gelte umso mehr im Katastrophenschutz. Vor 25 Jahren wurde die Funktion des leitenden Notarztes, kurtz LNA eingeführt. Bei Großsachschadenslagen und Katastrophenfällen übernimmt der Leitende Notarzt als örtliche Führungskraft die medizinische Einsatzleitung. In dieser Funktion sei er verantwortlich für sämtliche medizinischen Maßnahmen am Schadensort. Hierzu würden speziell qualifizierte Ärzte, die in der Notfallmedizin besonders erfahren sind, berufen.

An drei vergangene Großereignisse im Kreis Höxter erinnerte der Landrat. Die Explosion eines Wohnhauses in Höxter am 19. September 2005, der schwere Busunfall in Bödexen am 29 Dezember 2007 und der Gasaustritt in Bad Driburg am 15. April 2011.

„Besser man hat einen Plan auch wenn man ihn nicht braucht, als man hat keinen, wenn man einen braucht!“

Dr. Rolf Schulte berichtete von seiner Tätigkeit vor 40 Jahren als Truppenarzt der Bundeswehr während eines Großereignisses in einem Betonwerk in der Nähe von Einbeck in Niedersachsen.
Hier begann schon das Thema der Koordination und die Einrichtung von Notfallplanungen zu greifen.
Großschadensereignisse bedürfen leitende Notärzte, so Schulte in seinen Worten an die Zuhörer. So war es nach vielen Diskussionen mit Politik und Ärzteschaft am 1.Januar 1994 soweit und die ehrenamtlich durchgeführte Organisation „Leitender Notarzt im Kreis Höxter“ auf die Beine gestellt. Er, so wie die Doktoren Bartella und Stoltz waren von Anbeginn dabei.
Als Leiter dieser Organisation sei es wichtig regelmäßige Fortbildungen und praxisnahe Übungen zu organisieren und zu durchlaufen.
So wurden bereits Kernkraftunfälle,
Chemieunfälle, Bus- und Zugunglücke,
Unfälle auf Großveranstaltungen, Naturkatastrophen,
technische Infrastrukturausfälle wie Strom-und Wasserausfall geprobt. Selbst ein
Weserdampfer stellte sich für eine fiktive Havarie zur Verfügung.

„Besser man hat einen Plan auch wenn man ihn nicht braucht, als man hat keinen, wenn man einen braucht!“ So Schulte am Schluss seines Vortrages.

Landrat Spieker ließ es sich nicht nehmen, allen Beteiligten herzlich zu danken und überreichte ein Präsent an die Jubilare.

Pater Thomas Wunram, Notfallseelsorger, beendete die Feierstunde mit dem Segnen der Mitarbeiter sowie der neuen Fahrzeuge.

Sein Plädoyer: „Für das Leben ist kein Kaufpreis zu hoch!“ hätte er gern mit großen Lettern an den Wänden der neuen Rettungswache gewusst.